Immer weniger Futter
80 Prozent der Störche überleben erstes Jahr nicht

Die Störche kommen langsam aus ihren Winterquartieren zurück.
Die Störche kommen langsam aus ihren Winterquartieren zurück.
Julian Stratenschulte

Der Storch hat es in Mecklenburg-Vorpommern immer schwerer. Die intensive Landwirtschaft führt dazu, dass sie kein Futter mehr finden. Und dann lauern auch noch Gefahren in den Überwinterungsquartieren.

Die Storchenschützer in Mecklenburg-Vorpommern schauen mit Sorge auf die Zukunft von Adebar. "80 Prozent der Jungstörche überleben das erste Jahr nicht”, sagte Professor Stefan Kroll von der Universität Rostock anlässlich des 11. Storchentages am Sonnabend in Karow (Mecklenburgische Seenplatte). Sie fänden den Tod auf dem Weg zu oder in den Überwinterungsquartieren, die sich meist in Afrika befinden.

So wurden vor wenigen Wochen zwei Störche aus Deutschland in Tansania von Bauern mittels Giftködern erlegt und anschließend gegessen. Die Störche hatten GPS-Sender getragen, die ihnen in Mecklenburg-Vorpommern beziehungsweise Bayern angelegt worden waren. Die Sender verstummten im Januar. Das Max-Planck-Institut für Vogelforschung im bayerischen Radolfzell suchte die Sender in Tansania und wurde dank der vorhandenen Daten bei den Bauern fündig.

Offenbar fehlt es an Nahrung

Nach Krolls Worten kann der Storchenbestand trotz derartiger Praktiken überleben, wenn im Sommer hierzulande genügend Nachwuchs großgezogen werden kann. „In den letzten zehn Jahren geht der Bruterfolg insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern jedoch deutlich zurück”, sagte er. Die erforderliche Aufzucht zur Bestandserhaltung von zwei Jungtieren pro Paar sei im Nordosten zuletzt 2008 erreicht worden. Offenbar fehle es an genügend Nahrung.

Durch die intensive Landwirtschaft gebe es nicht mehr genügend Kleintiere wie Mäuse, auf welche die Störche angewiesen sind. Kroll forderte, Grünland zu schützen und extensiv zu bewirtschaften und so den Störchen Nahrungsräume zu erhalten. Angesichts deutlich höherer Preise für Acker- als für Grünland sei allerdings ein Druck vorhanden.

Mehr Rücksicht von Landwirten gefordert

Im vergangenen Jahr haben nach früheren Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz so wenige Störche wie noch nie in Mecklenburg-Vorpommern gebrütet. 2016 wurden 721 Brutpaare gezählt, die mit 862 Jungvögeln nur noch halb so viel Nachwuchs aufzogen wie 2008. Mehr als 40 Prozent der Paare blieben ganz ohne Nachwuchs. Im Vergleich zu den 1980er Jahren brüten heute rund 500 Storchenpaare weniger zwischen Elbe und Oderhaff. „Die Populationsentwicklung der Störche in Mecklenburg-Vorpommern ist alarmierend”, sagte Umwelt- und Agrarminister Till Backhaus (SPD).

Er appellierte an die Landwirte, im Umkreis von drei Kilometern um Storchennester ihre Bewirtschaftungsintensität zu überprüfen und dort Agrar- und Umweltmaßnahmen in Betracht zu ziehen. Wer aus Rücksicht auf Natur und Umwelt auf maximale Gewinne aus Landwirtschaft verzichtet, kann aus diesem Programm zum Ausgleich Geld von der EU bekommen.

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Kommentare (1)

"Die Populationsentwicklung der Störche in Mecklenburg-Vorpommern ist alarmierend.” Das muss ausgerechnet Till Backhaus sagen. Was ist mit den Feldhecken, die er uns versprochen hat? Nach dem verheerenden Auffahrunfall mit vielen Toten im dichten Erosionsstaub der wegwehenden Böden in unserem schönen Bundesland wollte er Feldhecken pflanzen lassen, die die Bodenerosion durch Wind und Regen stoppen sollten. Wo sind die Feldhecken, Herr Backhaus?! Soll was tun der Mann und nicht immer nur reden!