Wassertourismus in MV

81 Prozent der Schleusen im kritischen Zustand

Der Wassertourismus ist in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ein wichtiger Wirtschaftszweig. Doch der ist durchaus einsturzgefährdet.
Die Wasserstraßen und die dafür notwendigen Schleusen gehören in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zum Er
Die Wasserstraßen und die dafür notwendigen Schleusen gehören in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zum Erscheinungsbild des Tourismus einfach dazu. Tobias Lemke
Schwerin

Claudia Müller, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Mecklenburg-Vorpommern, arbeitet sich an einem prominenten politischen Kontrahenten ab. Nachdem die Grüne vor vier Wochen bereits den ihrer Meinung nach schlechten Zustand der Infrastruktur rund um Seenlandschaft und Wasserstraßen im Nordosten bemängelt hatte, nimmt sie jetzt konkret die Schleusen und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ins Visier.

„Die Infrastruktur an den Freizeitwasserstraßen ist stark verbesserungswürdig. Immer wieder neue Masterpläne aus dem Hause Scheuer sind wenig zielführend – was wir brauchen ist ein Programm für mehr Investitionen. Dafür muss die Bundesregierung zusammen mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern sorgen“, macht Müller deutlich und fordert ein „Investitionsprogramm Wassertourismus“ zur Schleusensanierung.

Made with Flourish

Weiterlesen: 30 Prozent des MV-Tourismus in Existenznot

Bundesregierung stoppt den Werteverfall nicht

Wie dringend diese Sanierung sei, beweist laut Müller die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen. „Von insgesamt 179 aufgeführten Schleusen im Jahr 2021 befinden sich demnach 145 im kritischen Bereich (81 Prozent), davon 13 im besonders kritischen Zustand. 2015 waren noch 93 von insgesamt von 154 aufgeführten Schleusen im kritischen Bereich (68 Prozent), im besonders kritischen Zustand 12“, sagt die grüne Politikerin. Das heißt: Die Schleusen befinden sich bei der Bewertung in Bereichen, in denen es zu Beeinträchtigungen beziehungsweise fehlender Tragfähigkeit von einzelnen Objekten kommen könne.

„Unzuverlässige und defekte Schleusen können wir uns nicht leisten – das geht zulasten des Tourismus in der Region“, stellt Müller unmissverständlich fest. Die Bundesregierung komme dem Werteverfall an der Infrastruktur für Freizeitwasserstraßen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin nicht hinterher.

Wassertourismus als wichtiger Zweig

Für den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin sei der Wassertourismus ein wichtiger und wachsender Zweig, der gerade für die Stärkung des nachhaltigen Tourismus entscheidend sein werde, betont Müller. „Dafür bräuchten wir die richtigen Rahmenbedingungen und dazu gehört unbedingt die durchgängige Befahrbarkeit.”

In dem Zusammenhang weist Müller ausdrücklich darauf hin, dass die Zuständigkeit für den Tourismus Länderaufgabe sei, die Wasserstraßen inklusive ihrer Bauwerke aber überwiegend in Bundeszuständigkeit seien. „Deshalb sind hier Bund und Länder gemeinsam gefordert“, so die grüne Bundestagsabgeordnete.

Claudia Müller im Interview: „Der schleppende Breitbandausbau enttäuscht viele Menschen”

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

zur Homepage