LEHRER-MANGEL IN MV

83 Prozent der Studenten brechen Lehramts-Studium ab

MV sucht dringend Lehrer – gleichzeitig bricht ein Großteil der Lehramts-Studenten sein Studium im Nordosten ab. Ist das Studium zu schwer? Oder haben die Studenten falsche Erwartungen?
Viele Lehramtsstudenten brechen ihre Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern ab.
Viele Lehramtsstudenten brechen ihre Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern ab. Waltraud Grubitzsch
Schwerin ·

Beim ersten Blick auf die Zahlen kommt unwillkürlich der Gedanke an einen Schreibfehler: Laut einer am Montag vom Bildungsministerium in Schwerin veröffentlichten Studie liegt der sogenannte Schwundanteil von Lehramts-Studenten für Regionale Schulen an der Uni Rostock bei 67 Prozent, an der Uni Greifswald gar bei 83 Prozent. „Doch, doch, die Zahlen stimmen“, versichert der Leiter der Studie, Prof. Dr. Falk Radisch von der Uni Rostock.

Laut Studie gehören zum Schwundanteil Studierende, die ihr Studium abgebrochen, ein Urlaubssemester eingelegt oder das Fach oder die Universität gewechselt haben. Zum Vergleich: Die Schwundquote ist mit 33 und 20 Prozent beim Grundschullehramt und Lehramt für Sonderpädagogik landesweit am geringsten. Schon 2017 war die Abbrecherquote hoch: Jeder zweite Lehramtsstudent im Land brach die Ausbildung ab.

Vor allem Informatiker brechen oft ab

Doch warum haben die Studenten, die ursprünglich an Regionalen Schulen Lehrer werden wollten, plötzlich keine Lust mehr auf diese Ausbildung? Radisch kennt die Antwort: „Weil sich die fachliche Realität des Studiums nicht mit den Erwartungen der Studierenden deckt.“ Das heißt: Die Studierenden scheitern daran, dass sie sich während ihres Studiums wissenschaftlich mit einem Fach auseinandersetzen müssen. Und sie scheitern am vermeintlichen Leistungsdruck und privaten Gründen.

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Nach Informationen des Nordkurier gibt es sogar Fächer, da erreicht keiner der Lehramts-Studenten das Ende seiner Ausbildung. Dazu gehört auch das Fach Informatik. Offenbar werden die Studenten zwischenzeitlich vom Bedarf in der freien Wirtschaft abgeworben – dort wird besser gezahlt als an staatlichen Schulen.

Regelstudienzeit ist die Ausnahme

„Wir wissen, dass die Situation trotz leichter Verbesserungen weiter angespannt ist und dass wir weiter handeln müssen“, machte MV- Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) gestern deutlich. Konkret: In Rostock und Greifswald wurde für das Lehramt an Regionalen Schulen vor Jahresfrist eine Erstsemesterwoche eingeführt. Dadurch sollen sich die Studierenden besser kennenlernen und besser mit dem gewählten Lehramt identifizieren.

Gleichzeitig macht eine weitere Entwicklung Sorge: Lehramtsstudierende im Nordosten absolvieren das Studium kaum in der Regelzeit. Je nach Schwerpunkt seien dies nur zwischen zwei und 19 Prozent. Wie MV im bundesweiten Vergleich stehe, kann laut Martin nicht gesagt werden, da MV das einzige Bundesland sei, das die Verläufe von Lehramts-Studenten wissenschaftlich untersuchen lasse.

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Kommentare (3)

hätten sie sich mal VOR dem Studium besser informieren sollen! Einmal Schule, immer Schule und dann nahtlos zum Pensionär, so einfach ist das nicht.

...hier wie überall gilt mittlerweile leider, dass der Abschluss nichts mehr wert ist. Wenn ich als ausgebildeter Gymnasiallehrer in meiner Heimatregion lediglich an einer Grundschule eingestellt werde, frage ich mich, ob es das alles wert war. Um dann tatsächlich an einem
Gymnasium angestellt zu werden, muss man hunderte von Kilometer in ein anderes Bundesland ziehen. Vielleicht noch in eine Brennpunktregion. Nein.....danke.

Ich bin beeindruckt von der schlecht Recherche. Der Druck ist nicht vermeintlich zu hoch sondern er ist (!) einfach zu hoch. Viele wundern sich warum wir Fachkräfte- / Lehrerkräfte- mangel haben, beschäftigen sich aber nicht ausführlich mit dem warum.