MARODE AUTOBAHN

A20 bei Tribsees erst Ende 2023 fertig

Die Bilder vom Versinken einer Autobahn im Moor gingen im Herbst 2017 um die Welt. Und noch immer ist das „A20-Loch” von Tribsees nicht repariert.
Wie ist der Pegelstand an der A20 bei Tribsees? Der Verkehrsminister war am Mittwoch dort.
Wie ist der Pegelstand an der A20 bei Tribsees? Der Verkehrsminister war am Mittwoch dort. Bernd Wüstneck
Tribsees ·

Landesverkehrsminister Christian Pegel hat sich am Mittwoch bei seinem letzten Besuch auf der Großbaustelle an der Autobahn 20 bei Tribsees zufrieden mit dem Baufortschritt gezeigt. Die Autobahnverwaltung wird mit dem Jahreswechsel 2020/21 von der Länderverwaltung auf die extra dafür gegründete Bundesautobahngesellschaft übergehen.

Baustelle geht in die Zuständigkeit des Bundes

„Wir übergeben die Baustelle mit gutem Baufortschritt – 254 der insgesamt 308 Bohrpfähle sind bereits im Boden”, sagte Christian Pegel bei einem Vor-Ort-Termin. Die Baufirmen hätten laut Pegel von Beginn an alles gegeben, um schnell, effektiv und unkompliziert Lösungen zu finden, wie der Verkehr auf der wichtigsten Ost-West-Verbindung in Mecklenburg-Vorpommern schnellstmöglich wieder fließen könne.

Massive Kritik von Experten an der Bauweise der A20

Die Autobahn war im Oktober 2017 aus bisher ungeklärter Ursache zwischen den Anschlussstellen Tribsees und Bad Sülze im Trebeltalmoor versunken. Zwischenzeitlich hat es von erfahrenen Bauingenieuren massive Kritik an der Bauweise der Autobahn gegeben. Ein vermeintlich innovatives Verfahren sei bei der A20 angewendet worden, dass sich offenbar aufgrund des moorigen Untergrundes als nicht stabil erwiesen hatte.

200 Bohrpfähle sind fertig

Im Zuge der Instandsetzung der Autobahn bei Tribsees wird derzeit die nördliche Fahrbahn westlich der vorhandenen Trebeltalbrücke in Richtung Lübeck hergestellt. Sie umfasst zwei Teilbauwerke: Zum einen die rund 540 Meter lange Trebeltalbrücke-West – die direkt westlich an die bestehende Brücke anschließt. Die 200 Bohrpfähle dafür sind alle fertig und geben nun den notwendigen Halt im moorigen Untergrund. Nun werden nach Auskunft des Ministers sukzessive Baugruben ausgehoben und Pfahlkopfplatten bewehrt und betoniert. Diese liegen jeweils auf mehreren Bohrpfählen auf. Über sie wird das Gewicht der neuen Brücke auf die einzelnen Bohrpfähle in den tragfähigen Baugrund verteilt. Anschließend werden die Brückenpfeiler und der Brückenüberbau hergestellt.

Ab Ende 2021 vielleicht wieder auf zwei Fahrbahnen

Das zweite Bauwerk ist eine 210 Meter lange Bodenplatte, die ebenfalls auf Bohrpfählen gegründet ist. Die Bodenplatte wird später überschüttet und dient als Untergrund für die später zu errichtende Fahrbahn. Diese tief gegründete Bodenplatte schließt an die neue Trebeltalbrücke-West an und schließt damit die Lücke bis zur intakten A20 in Richtung Rostock. Die Hälfte der 108 Bohrpfähle dafür ist ebenfalls bereits fertiggestellt.

„Die Fachkollegen haben mir bestätigt, dass die Arbeiten im angesetzten Zeitplan liegen. Stand jetzt ist es realistisch, dass bis Ende 2021 alle Bauwerke der Richtungsfahrbahn Lübeck hergestellt sind”, sagte der Minister. Dann kann der gesamte Verkehr von der Behelfsbrücke auf die neu gebaute Fahrbahn um verlegt und auf jeweils zwei verengten Fahrspuren in beide Richtungen geführt werden. Die Petersdorfer Brücke der A19 bei Malchow habe gezeigt, dass sich der Verkehrsfluss unter diesen Bedingungen deutlich verbessere, so der Minister.

Baukosten liegen bei über 150 Millionen Euro

Die Gesamtfertigstellung der A20 bei Tribsees hält Pegel aus heutiger Sicht für Ende 2023 möglich. Die Baukosten für die Instandsetzung belaufen sich aktuell auf rund 92 Millionen Euro. Die Behelfsumfahrung sowie die Behelfsbrücke kosteten zusätzlich etwa 65 Millionen Euro. „Die tatsächlichen Gesamtkosten lassen sich aber erst nach Vergabe aller Bauleistungen beziffern”, schränkte Pegel ein.

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Kommentare (2)

Das Datum halte ich für sehr optimistisch. Derzeit ist die Volkswirtschaft Corona untergeordnet.

In China wäre das Problem in einem Jahr gelöst gewesen .In Deutschland benötigt man für ca 1km 5 Jahre. Davon die Hälfte für die Planung und Genehmigung. Ein Trauerspiel .