GROßE FUGEN

A20-Brücke bei Tribsees hat "eingebautes Tempolimit"

Wegen der vielen Kanten in der Fahrbahn traut sich kaum ein Autofahrer, das Tempolimit an der A20-Behelfsbrücke bei Tribsees auszureizen.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Die Behelfsbrücke hat durch ihre großen Fugen eine Art natürliches Tempolimit.
Die Behelfsbrücke hat durch ihre großen Fugen eine Art natürliches Tempolimit. Bernd Wüstneck
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Tribsees.

Kein Rauschen mehr vor der Haustür, dafür leises Geklapper, wenn der Wind richtig steht: Das hat die Eröffnung der Behelfsbrücke auf der A 20 für die Anwohner von Lindholz gebracht. Sie überbrückt die Reparaturarbeiten an dem als A-20-Krater bekannt gewordenen Autobahnabschnitt, der im Herbst 2017 spektakulär weggebrochen war. Bis im Dezember 2018 die Brücke in Betrieb genommen wurde, war der Verkehr durch die Gemeinde Lindholz umgeleitet worden, sehr zu Lasten der Anwohner.

„Durchschnittlich 20.000 Autos sind täglich hier durchgewälzt”, erinnert sich Bürgermeister Hartmut Kolschewski. Die Behelfsbrücke habe nun endlich für Entlastung gesorgt. Die Behelfsabfahrt Richtung Lindholz bleibe aber bestehen, um im Falle einer Vollsperrung, etwa nach einem Unfall, den Verkehr abzuleiten, so das zuständige Landesministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung.

Viele fahren auf der Brücke nur 30 km/h

Kolschewski ist zufrieden, auch wenn die Brücke ist, was sie ist: ein Provisorium. Zwar sei ein Tempo von 60 km/h vorgesehen. De facto wurden viele aber aus Angst vor Fahrzeugschäden hier kaum mehr als 30 km/h fahren, was eine Staubildung vor der knapp 800 Meter langen Behelfsbrücke begünstige. Die Brücke hat somit eine Art „eingebautes Tempolimit” – fragt sich eigentlich, warum die Behörden dort trotzdem in jede Richtung einen Blitzer aufgestellt haben...

Schuld an den Fugen sind laut dem Ministerium die zwischen den 27 Segmenten eingebauten Stahlelemente, die Längenänderungen infolge von Temperaturschwankungen ausgleichen sollen. Fährt man darüber, klappert es – das hatte in der Anfangszeit der Brücke bereits für allerlei Heiterkeit gesorgt.

Hätte man das nicht besser hinkriegen können?

Kolschewski weiß um die technische Notwendigkeit der Fugen, fragt sich aber dennoch, ob es nicht besser gegangen wäre: „Sicher hätte man das auch anders hingekriegt, eine andere Lösung wäre bei dem Preis bestimmt drin gewesen”, findet der Bürgermeister. Die Gesamtkosten für den Bau der Behelfsbrücke belaufen sich auf insgesamt circa 50 Millionen Euro. Das Ministerium versichert jedoch: „In der benötigten Größenordnung sind keine anderen Konstruktionen am Markt verfügbar gewesen.” Die betroffene Teilstrecke sei keine Autobahn, sondern eine Übergangslösung für Notfälle, betont die Pressesprecherin.

Eine ernsthafte Alternative zu einer Behelfsbrücke habe es auch nicht gegeben. Die kurz diskutierte Wiederinstandsetzung einer alten Baustraße zur A 20 ließ sich wegen ihrer Lage in einem Vogel- und Naturschutzgebiet und schwer zu klärender Grundstücksfragen nicht realisieren.

Wie lange das jetzt so bleibt, ist noch unklar

Eine konkrete Prognose über die Dauer der Baumaßnahmen an der eigentlichen Autobahn ist derzeit noch nicht möglich, die Behelfsbrücke ist allerdings für zwei Jahre gemietet. Sobald die erste Brückenhälfte fertig saniert ist, wird der Verkehr darüber geleitet und das Provisorium nicht mehr gebraucht. „Die Straßenbauverwaltung Mecklenburg-Vorpommern arbeitet daran, die Autobahn schnellstmöglich wiederherzustellen”, so das Ministerium.

 

 

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