CORONAKRISE

„Absolute Ausnahmesituation“ – Bauern sorgen sich um Ernte

Mitten in der Coronakrise könnte die geplante neue Düngemittelverordnung für sinkende Ernten sorgen. Der Kopf der Protest-Bauern von „Land schafft Verbindung” schlägt deshalb Alarm.
Bauern protestieren mehrmals mit Konvois gegen die Agrarpolitik – wie hier in Neubrandenburg.
Bauern protestieren mehrmals mit Konvois gegen die Agrarpolitik – wie hier in Neubrandenburg. Matthijs van der Ham
Neubrandenburg.

Die Lebensmittelversorgung sei gesichert – es ist nur wenige Tage her, dass das Joachim Rukwied, Bundespräsident des Bauernverbandes, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Vertretern des Einzelhandels sagte. Eine Botschaft an die Bürger mit wichtiger Funktion, denn Panik und noch mehr Hamsterkäufe will hier in der Coronakrise niemand provozieren. Die Lieferketten stehen ohnehin schon unter Druck.

Kommentar: Politiker, bringt jetzt nicht die Ernte in Gefahr!

Andererseits war diese Aussage vielleicht nicht hilfreich für die im Hintergrund laufenden Verhandlungen zu Themen wie der anstehenden Gesetzesänderung in Sachen Schweinekastration oder der Düngeverordnung. Letztere soll am Freitag vorgezogen im Bundesrat beschlossen werden.

Landwirte sehen sinkende Ernten als sicher an

Die Schnelligkeit, mit der das Thema jetzt behandelt werden soll, führte dazu, dass eine Änderung des Gesetzesentwurfs durch die Länder kaum mehr möglich war. Dabei ist die Düngeverordnung ein weitreichender Beschluss für die landwirtschaftliche Praxis, denn sie wird dafür sorgen, dass in vielen Gebieten bis zu 20 Prozent weniger Dünger als bisher erlaubt sind. Praktiker sehen sinkende Ernten als sicher an. Für Dirk Andresen, einer der führenden Köpfe Mecklenburg-Vorpommerns im Bauern-Zusammenschluss „Land schafft Verbindung“, ist das in Corona-Zeiten überhaupt nicht nachvollziehbar.

„Wir befinden uns in einer absoluten Ausnahmesituation“, sagte er jetzt aufgewühlt in einem Video, das auf Youtube verbreitet wird. In Zeiten einer Pandemie müsse die Sicherstellung der Lebensmittelerzeugung absolute Priorität haben. Denn sie sei gefährdet. Deutschland fehlten viele Erntehelfer aus dem Ausland, dazu komme, dass es in vielen anderen Ländern durch die Pandemie auch großen Druck auf die Landwirtschaft gebe. „Wer sagt uns, dass nicht auf einem anderen Kontinent oder sogar in Europa eine Hungersnot drohen kann?“, fragt er. Und weiter: „Wer soll dann hier bei uns die Versorgung sicherstellen? Doch wohl die Bauern! Aber im Moment arbeitet die Politik gegen sie und nicht für sie.“

Denn die geplante Düngeverordnung werde zweifelsfrei dafür sorgen, dass der Selbstversorgungsgrad sinke und viele Betriebe in die Insolvenz gehen müssten.

Nicht nur Toilettenpapier kann knapp werden

„Die Regierung agiert gegen systemrelevante Landwirte. Dabei sollte gerade die Ernährungssicherheit in dieser Krisenzeit nicht auf dem Spiel stehen“, sagt Andresen. „Wir stehen vor einer Zeit, in der nicht nur das Toilettenpapier knapp werden kann. Wir können davon ausgehen, dass viele landwirtschaftliche Produkte knapp werden“, widerspricht er dem Bauernverbandspräsidenten und der Landwirtschaftsministerin. Deutschland müsse jetzt in Brüssel für eine Aufschiebung der Düngemittelverordnung sorgen, bis die Krise überstanden sei. Stattdessen erpresse der Bund die Länder und stelle sie unter Zeitdruck.

„Eine Ernährungssicherung aktuell zu prophezeien und anderswo die Produktion durch Verordnungen runter zu fahren ist nicht nur fahrlässig, sondern systemgefährdend. Welcher Politiker kann eigentlich dafür die Verantwortung übernehmen?“, fragt der Landwirt aus Siedenbollentin.

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Kommentare (3)

was bitteschön, haben fehlende Erntehelfer aus den Balkanländern und Polen mit der neuen "Düngemittel-Verordnung zu tun?". Zwanzig Prozent Ernterückgang wären locker kompensierbar durch ggf. Zukäufe am Internationalen Rohstoffmarkt (Warentermin-Börse Chikago, Illinois, Vereinigte Staaten von Amerika/USA. Wurde der Landwirt aus Siedenbollentin von Bayer/Monsanto-Vertretern nur indoktriniert oder etwa sogar bestochen und/oder erpresst, das er solch eine widersinnigen Argumention vorträgt. Im übrigen steigen im Normalfall die Preise für Agrargüter, wenn sich das Angebot durch Ernterückgänge tatsächlich verringern würde, kein echter Bauer braucht hier Angst zu haben, holt auch Studenten und ggf. Flüchtlinge als Erntehelferersatz, wie von Bundes-Landwirtschafstminiserin Klöckner (CDU) empfohlen.

Bauern macht das was ihr sollt! Für den Rest hat die Regierung alternativen, oder hört auf mit eurer 3 felderwirtschaft und geht zum kollegen spargelstechen...Als ob es nicht schon genug andere probleme gibt als euer gejammer jedes jahr und immer ist jemand anders daran schuld.

Weg von der Industrielandwirtschaft!
Die Landwirtschaft muss sich wegwenden von der Industriealisierung, ein Landwirt muss keinen Strom erzeugen, zumindest nicht aus Mais ect.
Ernährung der Bevölkerung mit guten Produkten, ohne Chemie und mit einem absolutem Tierwohl, das muss die Zukunft der Landwirtschaft nach der Kriese sein. Nur dann dürfen Steuermittel eingesetzt werden.