CORONA-REGELN IM FLÜCHTLINGSHEIM

Abstand halten! Leichter gesagt als getan

Immer mehr breitet sich das Coronavirus auch in Flüchtlingsheimen aus. Während die Verantwortlichen in Schwerin immer noch beschwichtigen, wird woanders gehandelt.
Mitarbeiter der Erstaufnahmeeinrichtung sprechen von „Völkerwanderung“: Am Dreescher Markt in Schwerin tummel
Mitarbeiter der Erstaufnahmeeinrichtung sprechen von „Völkerwanderung“: Am Dreescher Markt in Schwerin tummelten sich Mitte der vergangenen Woche noch Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Stern-Buchholz an einer Bushaltestelle.
Schwerin.

Aus dem innersten Zirkel der Flüchtlingsunterkunft in Stern-Buchholz vor den Toren der Landeshauptstadt Schwerin hält die Kritik an den Zuständen in der Einrichtung an. Am Wochenende erhielt der Nordkurier vertrauliche Hinweise, dass sich Mitarbeiter nicht nur mit Coronaviren infiziert hätten, sondern dass der Krankenstand bei der Belegschaft grundsätzlich in die Höhe geschnellt sei und sich viele Mitarbeiter krank gemeldet hätten. Es sei mittlerweile fast unmöglich, in den einzelnen Häusern der weitläufigen Flüchtlingsunterkunft die notwendige Zahl an Mitarbeitern einzusetzen, um einen ordnungsgemäßen Ablauf zu gewährleisten, so ein Insider zum Nordkurier.

Flüchtlingsheim unter Quarantäne

Dass es in der Flüchtlingsunterkunft „drunter und drüber“ gehe und sich die Flüchtlinge „kreuz und quer“ bewegen und sich nicht um Abstandsregelungen scheren würden, hatten das Innenministerium des Landes und das Gesundheitsamt der Stadt Schwerin in den vergangenen Tagen energisch dementiert und darauf verwiesen, dass alles korrekt ablaufe. Allerdings hatte es drei Tage gedauert, ehe die Verantwortlichen in Ministerium und Behörde öffentlich gemacht hatten, dass sich in Stern-Buchholz auch Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten.

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Offensichtlich entschiedener geht beispielsweise die Bezirksregierung in Köln mit dem Ausbruch des Coronavirus in einer Flüchtlingsunterkunft um. Nach dutzenden Corona-Fällen wurde ein Flüchtlingsheim in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) unter Quarantäne gestellt. In der Zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes seien 39 Bewohner sowie sieben Betreuer vom Roten Kreuz und vom Wachdienst infiziert, teilte die Bezirksregierung Köln mit. Insgesamt seien in dem Heim 298 Flüchtlinge untergebracht, die alle getestet worden seien. 219 der Tests seien negativ ausgefallen, weitere Ergebnisse stünden noch aus. Die infizierten Betreuer seien nun zu Hause in Quarantäne.

Kontaktverbot bei Mehrbettzimmern nicht möglich

Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, seien eine Reihe von Maßnahmen getroffen worden. Unter anderem dürften die Bewohner in Euskirchen nun nur noch in ihren Zimmern essen, für die Mitarbeiter sei zusätzliche Schutzkleidung beschafft worden.

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Dass es in der Erstaufnahmeeinrichtung in Stern-Buchholz entgegen der Verlautbarungen der Verantwortlichen nicht optimal läuft, befürchtet auch Karen Larisch, Sprecher für Migration in der Linksfraktion im MV-Landtag. „Die Situation und besonderen Herausforderungen in den Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber und Geflüchtete und mögliche Auswirkungen einer Pandemie waren früh bekannt. Ein zeitiges Treffen von Vorkehrungen zur Abwehr der Gefahrenlage war angeraten, hat aber lange auf sich warten lassen“, übt Larisch Kritik.

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Die Linkspolitikerin teilt in dem Zusammenhang die Kritik des Flüchtlingsrates Mecklenburg-Vorpommern. Der hatte deutlich gemacht, „dass das Einhalten von Abstandsregeln, Maßnahmen zum eigenen Schutz und zum Schutz anderer, insbesondere zur Selbstisolation unter den Bedingungen nicht umfänglich möglich sind. Mehrbettzimmer, Gemeinschaftsküchen und -bäder in den Unterkünften konterkarieren Kontaktverbote und -einschränkungen.“ Die Linksfraktion erwartet nach den Worten Larischs nun, „dass die Landesregierung hier für gute Lösungen sorgt und diese Hand in Hand mit den Trägern und den beteiligten Strukturen umsetzt.“

 

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Kommentare (1)

Diese Leute kennen es nicht sich an Regeln zu halten und sind dazu auch nicht bereit. Wer in unserm Land nichts zu suchen hat sollte deswegen sofort das Land verlassen. Regelverstöße müssen die gleichen Folgen haben und zwar sofort.