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Achtjährige Kinder sollen für ihre Noten unterschreiben

Sollen Schulkinder künftig mit ihrer Unterschrift den Erhalt einer Arbeit quittieren?
Sollen Schulkinder künftig mit ihrer Unterschrift den Erhalt einer Arbeit quittieren?
Thomas Lohnes

Ob Eltern künftig noch Klassenarbeiten zu sehen bekommen, liegt in den Händen der Kinder.

Aufruhr bei der Elternversammlung von Klasse 7a. Die Lehrerin hat zwölf Klassenarbeiten fürs Schuljahr angekündigt, doch wie die Eltern künftig deren Ergebnisse begutachten können, ist unklar. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hebt die Pflicht der Schule zur Archivierung von Klassenarbeiten in den Jahrgangsstufen 1 bis 10 auf und überlässt sie gegen eine Unterschrift den Kindern.

Ab Klasse 2 sollen Schülerinnen und Schüler den Erhalt im Übergabeprotokoll quittieren. Ob und wie die Eltern davon erfahren? „Das liegt nicht mehr in Verantwortung der Schule“, erklärt die Klassenlehrerin der 7a. Bislang hatte sie die Arbeiten ausgehändigt, von den Eltern abzeichnen lassen und zwei Jahre eingelagert.

"Ein Übergabeprotokoll ist Unfug"

Das sei – im Gegensatz zu Prüfungsarbeiten und Zeugnissen, die 15 Jahre aufzubewahren sind – nicht nötig, hat Mathias Brodkorb festgestellt. In einem Brief an die Schulleitungen wirbt er für die Neuerung. „Sofern eine Schule an der bisherigen Archivierungspraxis festhalten will, ist auch dies möglich. Im Interesse der Lehrerentlastung plädiere ich jedoch für die Umsetzung des Verfahrens.“

Dass der Mensch von 7 bis 18 Jahren laut Gesetz nur beschränkt geschäftsfähig ist, stört das Ministerium nicht. „Im Falle von Rechtsstreit kann das unterschriebene Übergabeprotokoll vorgewiesen werden“, erklärte der Sprecher.

Eltern sehen „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“. Zwar müssten Klassenarbeiten nicht über Jahre aufgehoben werden. Doch stehen Informations- und Rechtssicherheit auf dem Spiel, wenn Kindern allein die Verantwortung dafür aufgebürdet wird. „Ein Übergabeprotokoll ist Unfug“, sagt Claudia Metz vom Landeselternrat. „Außerdem entstehen damit doch auch wieder Papierberge.“ Ihr Vorwurf: „Einmal mehr wurden wir Elternvertreter bei dieser Sache nicht informiert, geschweige denn angehört.“ Diese „auf dem Papier gemachte Entlastung“ sei Augenwischerei.

Die Lehrerschaft sieht das offenbar ebenso: Die meisten Grundschulen im Land wollen alles beim Alten lassen. Auch am Gymnasium der 7a heißt es letztlich „Nein, danke“ zu dieser „Entlastung“.