Laut Ärzteverband sei eine generelle PCR-Testungen als Bestätigung von Schnelltests nicht notwendig. Sie würden
Laut Ärzteverband sei eine generelle PCR-Testungen als Bestätigung von Schnelltests nicht notwendig. Sie würden nur unnötig Kapazitäten binden und seien teuer. Julian Stratenschulte
Coronavirus in MV

Ärzte kritisieren unnötige PCR-Testungen in MV

Weil die Situation in den Praxen oft angespannt ist, fordert der Hausärzteverband in MV nach positiven Schnelltests auf ein Nachtesten zu verzichten. Zudem gibt es Kritik an den Quarantäneregeln.
Schwerin

Der Hausärzteverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. fordert ein schnelles Umsteuern bei Isolations- und Quarantäneregeln und bei PCR-Testungen im Land, die strenger als in vielen anderen Bundesländern gehandhabt werden. „Verglichen mit dem Bundesdurchschnitt werden in unserem Land 50 Prozent mehr PCR-Tests vorgenommen“, betont Dr. Tilo Schneider, der erste stellvertretende Vorsitzende des Hausärzteverbandes MV. Beispielsweise seien in der 11. Kalenderwoche 4,7 Prozent der Bevölkerung von MV getestet worden. Im Bundesdurchschnitt seien es nur drei Prozent gewesen.

PCR-Tests sind zu zeitintensiv und teuer

Angesichts des milden Verlaufs der Omikronwelle bei hohen Inzidenzzahlen, sei es jetzt notwendig, die Landesverordnung anzupassen. „Generelle PCR-Testungen als Bestätigung von Schnelltests aus zertifizierten Zentren sind nicht notwendig, sie binden nur Kapazitäten und sind auch finanziell aufwändig“, unterstreicht Dr. Tilo Schneider. Denn die Tests aus qualifizierten Zentren seien nur „sehr selten falsch positiv“.

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Der Rostocker Allgemeinmediziner betont: „Wir brauchen symptomabhängige Individualtestungen.“ Der Arzt müsse entscheiden, bei welchen Patienten ein PCR-Test angeraten ist, um medizinische Konsequenzen festzulegen. Das gelte vor allem bei älteren und nichtgeimpften Patienten mit Vorerkrankungen. Anlasslose Testungen wie in Schulen und Kitas sollten sofort ganz entfallen.

Kinderärzte fordern Verzicht auf Testung in Schulen

Das fordern auch Kinder- und Jugendärzte, wie die Ostseezeitung am Mittwochmorgen vermeldete. Die Argumentation der Ärzte: „Infektionen könnten durch die Massentestungen in den Schulen nicht mehr verhindert werden.”

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Derzeit werden die Hausarztpraxen des Landes Mecklenburg-Vorpommern von Patienten mit PCR-Testanfragen überrannt. „Durch das PCR-Testen und die zahlreichen Anfragen zum Testen und zur Isolation binden wir Hausärzte große Kapazitäten, die wir an anderer Stelle dringend benötigen“, sagt Dr. Tilo Schneider. Denn auch in den Hausarztpraxen sind viele Mitarbeiter infiziert und befinden sich in häuslicher Isolation. Nach seiner Auffassung sei es an der Zeit, wieder dazu überzugehen: „Wer krank ist, der bleibt einfach zu Hause, so wie bei jeder anderen Krankheit auch”, so Dr. Tilo Schneider. Viele Nachbarländer Deutschlands hätten diesen Schritt längst vollzogen.

Krieg in Ukraine werde medizinische Versorgung erschweren

Der Hausärzteverband MV setzt sich für die Abschaffung jeglicher medizinisch nicht mehr begründbarer administrativer Aufgaben und der Vereinfachung der Quarantäneregeln ein. Das geschehe auch vor dem Hintergrund, dass der Krieg in der Ukraine und der damit einhergehende Zustrom von Flüchtlingen auf absehbare Zeit auch für die ambulante medizinische Versorgung eine enorme Herausforderung darstellen werde. Die Hausärztinnen und Hausärzte in MV seien jedoch trotz der existierenden Mehrfachbelastung bereit, sich diesen Aufgaben zu stellen.

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