Numerus clausus

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Ärztekammer MV will Reform des Auswahlverfahrens fürs Medizinstudium

Top-Abitur oder lange Wartezeiten sind derzeit die Zugänge zu einem Medizinstudium in Deutschland.
Top-Abitur oder lange Wartezeiten sind derzeit die Zugänge zu einem Medizinstudium in Deutschland.
Waltraud Grubitzsch/Symbolbild

Soll vor allem die Abiturnote Kriterium für die Zulassung sein? Nein, sagt die Kammer und schlägt Alternativen vor. Im Nordosten könnte so dem Ärztemangel begegnet werden, hoffen Politiker.

Selbst die Halbgötter in Weiß wollen keinen beinharten Numerus clausus mehr: Auch die Ärztekammer MV macht sich nun für eine Reform des Zulassungsverfahrens zum Medizinstudium stark. „Die Eignung für den Arztberuf mit seinen vielfältigen Anforderungen lassen sich nicht allein über die Abiturnote abbilden“, sagte Kammer-Präsident Dr. Andreas Crusius jetzt dem Nordkurier.

Bislang gilt: Arzt wird nur, wer einen Notendurchschnitt von 1,0 vorweisen kann oder jahrelang auf eine Zulassung zum Studium wartet. Die Ärztekammer favorisiert ein anderes Modell. „Wir befürworten Auswahlverfahren, die zusätzlich auch Kriterien wie zum Beispiel Berufserfahrung, soziales Engagement und psychosoziale Kompetenzen berücksichtigen, so Crusius.

CDU: Einfühlungsvermögen vor Abischnitt

Auch aufgrund der fehlenden bundesweiten Vergleichbarkeit der Abiturnoten sei ein rein auf dem Numerus clausus basierendes Zulassungsverfahren reformbedürftig. Es bleibe aber abzuwarten, wie das Bundesverfassungsgericht (BVG) zu dieser Frage urteilt.

Aufgrund des Ärztemangels in Mecklenburg-Vorpommern sieht auch die CDU-Fraktion im Landtag Handlungsbedarf. Bei der jüngsten Parlamentssitzung forderte Abgeordneter Sebastian Ehlers sogar, Bewerber mit einer Abiturnote von 2,5 zuzulassen. Wer beispielsweise viel Einfühlungsvermögen besitze, könne auch mit diesem Abischnitt ein guter Arzt sein.

Die oppositionelle AfD sah das skeptisch: „Ich halte die Reduktion des intellektuellen Niveaus für bedenklich“, so Abgeordneter Gunter Jess. Die Linken forderten mehr Studienplätze an den beiden Unis in Rostock und Greifswald. Derzeit gibt es 1600 Bewerber für 400 Erstsemesterplätze.