50-jähriges Bestehen

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Agroneum macht Besuchern Dampf

Hans Jörgen Ehlers aus Haßmoor wischt sich vor einer Dampfwalze den Schweiß von der Stirn.
Hans Jörgen Ehlers aus Haßmoor wischt sich vor einer Dampfwalze den Schweiß von der Stirn.
Jens Büttner

Spätestens seit dem Film „Die Feuerzangenbowle“ kennen die meisten die Definition für die Dampfmaschine. Wie die teuren Einzelstücke in Wirklichkeit schnaufen, haben Hunderte am Wochenende bestaunt. Nur die Zuschauer hatten Rauchverbot.

Alt Schwerin. „Das sieht einfach gigantisch und schön aus“, staunt Simone Herwig. Sie filmt, wie ein riesiges, rauchendes Dampflokomobil über einen langen Riemen ein Sägegatter antreibt. Herwig ist mit ihrem Mann extra aus dem brandenburgischen Seelow an die Mecklenburgische Seenplatte gekommen, um am Wochenende uralte Dampfmaschinen zu bestaunen – wie Hunderte andere auch. Anlass ist ein Jubiläum: Das 10. Internationale Dampftreffen im Agroneum Alt Schwerin. „Es gehört neben Flensburg (Schleswig-Holstein) und Mildenberg (Brandenburg) zu den größten seiner Art in Deutschland“, erläutert Hans-Joachim Schmidt vom Freilichtmuseum Kiekeberg bei Hamburg – dem Kooperationspartner. Rund 160 Dampfmaschinen, sind aus England, den Niederlanden und Deutschland dabei. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Museumsleiterin Anke Gutsch.

Bei Temperaturen bis zu 30 Grad steigen am Samstag auf dem weitläufigen Gelände überall schwarze Rauchsäulen in den Himmel. Wegen der Brandgefahr haben die Gäste Rauchverbot, aber die Maschinen zischen und puffen, Steine werden zerschmettert, Getreide gedroschen und Besucher auf „The Elephant“ oder „Majoor“ durch die Gegend gefahren. „Und das alles mit Dampfkraft, wie schon vor mehr als Hundert Jahren“, sagt Schmidt. So wie „Lena“. Das ist eine Art Dampftraktor, der der Niederländerin Carolina Schriever gehört. Der Dampftraktor wurde früher zum Kohleausfahren in England benutzt. Die 44-Jährige ist mit ihrer ganzen Familie. Ihre Kinder haben auch schon eine eigene kleinere Dampfmaschine.

Schriever ist eine der wenigen Frauen in der männerdominierten Bastlerwelt. „Bei den Maschinen muss man nicht nur den Schlüssel rumdrehen“, sagt sie. Bevor „Lena“ losfährt, ölt Schriever einen Antrieb. „Sind wir ölig, sind wir fröhlich“, lautet das Motto der Dampf-Fans. „In den 70er Jahren wurden in Deutschland die Dampfmaschinen wiederentdeckt“, erinnert sich Dampf-Experte Schmidt. Trotzdem würden immer noch ab und zu welche gemeldet, die bisher in Scheunen herumstünden. Allerdings sind Dampfmaschinen kein billiges Hobby. Bei einer Kesselreparatur muss man mit 40 000 Euro Kosten rechnen. Viele Einzelteile müssen per Hand hergestellt werden. Für eine echte Großmaschine – je nach Seltenheit – muss der Liebhaber zwischen 70 000 und 150 000 Euro oder noch mehr hingeblättern.

„Dazu kommt der TÜV mit mindestens 250 Euro“, sagt Schmidt. Und um solche heißen Maschinen betreiben zu dürfen, braucht der Besitzer einen „Kesselschein“. Schmidt und seine Kollegen haben ihre „Kesselschein-Prüfungen“ in Rostock abgelegt. „So ein Dampfkessel kann bei Überdruck gefährlich werden, da muss man genau wissen, was man tun muss.“

Für das Alt Schweriner Agroneum ist die Zusammenarbeit mit dem Hamburger sehr viel wert. Das agrarhistorische Museum, zu dem auch Holländerwindmühle, Schmiede, Seilerei, Agrarflugzeuge, Feldbahn und Stellmacherei gehören, begeht gerade sein 50-jähriges Bestehen. Die Alt Schweriner haben allein vier riesige Dampf-Lokomobile in ihrer Sammlung. Für Aufsehen sorgt bei den Bastlern auch eine der umfangreichsten Sammlungen von Traktoren und Geräten, die kreative Bastler aus Ostdeutschland in der DDR selbst zusammenbauten.