Dieses Foto entstand während der Protestaktion im November 2020. So ähnlich soll es diesmal wieder aussehen.
Dieses Foto entstand während der Protestaktion im November 2020. So ähnlich soll es diesmal wieder aussehen. Benjamin Nolte
Abseil-Aktion

Aktivisten wollen über A20 protestieren – zeitweise Sperrung

Umweltaktivisten wollen sich für eine Protestaktion über der A20 bei Tribsees abseilen. Sie fordern mehr Schienenverkehr in MV und werden zeitweise Autofahrer ausbremsen.
Tribsees

Umweltaktivisten haben eine Protestaktion über der A20 bei Tribsees (Landkreis Vorpommern-Rügen) angekündigt. Sie wollen sich am Sonnabend von einer Brücke über der Autobahn abseilen und „für eine echte Verkehrswende” demonstrieren, wie es in einer Ankündigung heißt. Parallel sollen bundesweit noch weitere Aktionen stattfinden.

Geplant ist, dass sich zwei Personen von einer Brücke über der Fahrbahn nahe der Baustelle für die neue Trebeltalbrücke abseilen und dort Spruchbänder hissen. Die Performance soll am Sonnabend zwischen 11 und 12 Uhr stattfinden. Ein Polizeisprecher und der Landkreis Vorpommern-Rügen bestätigten auf Anfrage, dass in dieser Zeit eine Versammlung mit bis zu 150 Teilnehmern angemeldet worden sei. Dementsprechend werde es auch einen Polizeieinsatz geben.

Autobahn zeitweise gesperrt

Autofahrer sollten mit geringen Verkehrsbeeinträchtigungen rechnen, so der Polizeisprecher. Die Autobahn 20 werde voraussichtlich zwischen den Anschlussstellen Tribsees und Bad Sülze in beiden Richtungen gesperrt sein. Die Umleitung führt, wie sonst auch bei Bauarbeiten an der Brücke bei Tribsees, über Landstraßen und Bundesstraßen.

Eine ähnliche Aktion hatte es bereits im November 2020 gegeben. Sie wurde seinerzeit von der Polizei aufgelöst, die zeitweise den Verkehr auf der Autobahn gesperrt hatte. Nach Angaben eines Sprechers der Aktionsgruppe, die sich „Bahnhof Tribsees” nennt, habe die Aktion damals einige Gerichtsverfahren nach sich gezogen. Ziel sei es nun, zu zeigen, dass solche Demonstrationen an ungewöhnlichen Orten funktionieren könnten und keine Straftaten seien.

Weniger Straßen-, mehr Schienenverkehr

Die Sicherheit für die Teilnehmer werde höchste Priorität haben, versicherte der Sprecher. Sie seien gut vorbereitet und hätten professionelle Ausrüstung. Die Aktivisten wollen gegen den Ausbau von Straßennetzen und für den Ausbau des Schienenverkehrs protestieren. „Die Verkehrswende ist ein notwendiger und längst überfälliger Schritt gegen eine weitere Belastung des Klimas”, schreiben sie. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern sei die Abdeckung durch das Schienennetz katastrophal: „Ohne Auto ist es kaum möglich, von A nach B zu kommen; Busse fahren zu selten. Viele Orte sind gar nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.” Dies müsse sich ändern.

Daher fordern sie Investitionen in einen flächendeckenden und gut getakteten Nahverkehr. Stattdessen würden zu oft Straßen ausgebaut, Flächen versiegelt und dafür Natur- und Lebensräume zerstört.

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Autobahn als Schauplatz „ungezügelter Raserei”

Die Aktivisten kommen aus Greifswald, Stralsund und Rostock. Bei der ersten Aktion im November 2020 nahmen sie Bezug auf Proteste, die gleichzeitig am Dannenröder Forst in Hessen stattfanden. Dieser wurde für den Ausbau der Autobahn 49 gerodet. Nach Abseil-Aktionen stehen dort nun einige Aktivisten ab dem 1. Februar in Frankfurt/Main vor Gericht. Dabei wurden zahlreiche Juristen und Staatsanwaltschaften in den Aktionen keine Strafbarkeit sehen, so die Gruppe „Bahnhof Tribsees”

„Wir zeigen mit der Wiederholung der Abseil-Aktion, dass diese legal ist – sowohl bei uns als auch in Hessen”, schreibt die Gruppe dazu in ihrer Ankündigung. Und weiter: „Autobahnen sind Schauplatz von energetisch ineffizienten Güter-Transporten, ungezügelter Raserei, vermeidbarem CO₂-Ausstoß und tödlichen Unfällen und daher auch genau der richtige Ort, um dagegen zu protestieren.”

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Kommentare (1)

Bravo Aktivisten! Autobahnen sind ein Teil des Problems. Wir brauchen endlich eine Verkehrswende und keine neuen ungezügelten Asphaltbänder, die die Landschaft, Wälder und Tier-Reviere durchschneiden und zuvielen Menschen und noch mehr Tieren das Leben kosten. Dieser Protest ist daher mehr als sinnvoll!