CORONA-KRISE

Als würde die DDR-Führung das Flüchtlingsheim besuchen

Am Donnerstag kommt hoher Besuch. Und da soll die Asylbewerberunterkunft in Stern-Buchholz ein tolles Bild abgeben. Manche erinnern sich an DDR-Zeiten. Ob die Coronaviren mitspielen?
Verursacht bundesweit Schlagzeilen: das Asylbewerberheim in Stern-Buchholz vor den Toren der Landeshauptstadt in Schwerin.
Verursacht bundesweit Schlagzeilen: das Asylbewerberheim in Stern-Buchholz vor den Toren der Landeshauptstadt in Schwerin. Jens Büttner
Schwerin.

Seit einer Woche steht fest, dass sich Mitglieder des Landtages im Flüchtlingsheim in Stern-Buchholz ein eigenes Bild von den Zuständen machen wollen. Deutschlandweit haben Vorwürfe, in der ehemaligen Bundeswehr-Kaserne, wo aktuell 550 Asylbewerber untergebracht sind, würden Kontaktverbote, Abstandsregelungen und Corona-Hygienestandards nicht eingehalten, Schlagzeilen gemacht.

„Jubelbilder für Honecker und Co.”

Als der Druck der Öffentlichkeit immer größer geworden war, hatte sich der Innenausschuss am Gründonnerstag in einer vertraulichen Telefonschalte verständigt, eigene Vertreter in das Heim zu schicken. Kaum war die Nachricht vom hohen Besuch raus, begann in Stern-Buchholz das große Reinemachen. Es wurde rund um die geputzt, heißt es von einem Teil der Mitarbeitern.

„Das erinnert an alte DDR-Zeiten, als die Staatsführung aus Berlin irgendwo aufs Land anrückte. Auch Honecker und Co. wurden dann Jubelbilder präsentiert”, sagt ein langjähriger Kenner der Einrichtung, der aus Angst vor Repressalien seinen Namen nicht in der Öffentlichkeit preis geben möchte. Der Hausmeister habe auch über Ostern ran gemusst, um alles schön herzurichten, so der Tenor.

Offenbar kurzfristige bauliche Veränderungen in Stern-Buchholz

Dazu gehören nach Informationen des Nordkurier auch kurzfristige bauliche Veränderungen, um den Politikern zu zeigen, dass auch alles schön korrekt abgesperrt sei. Damit nicht genug: Ausgewählte Mitarbeiter sollen verkünden, dass in der Einrichtung alles vorbildlich laufe. Der Besuch könnte eine Farce werden, befürchten Mitarbeiter und hoffen, dass sich die Politik nicht von „schönen Bildern täuschen lässt”.

Die Angst unter den Mitarbeitern sei groß, mehrere hätten sich mittlerweile mit dem Coronavirus infiziert. Auch eine hohe Zahl von Asylbewerbern habe sich angesteckt – in der vergangenen Woche hatte das Innenministerium die Zahl 43 genannt.

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Innenministerium stellt Schutzkleidung

Das Innenministerium sicherte am Dienstag zu, dass den „Abgeordneten vor Ort persönliche Schutzkleidung zur Verfügung gestellt werden kann”. Über die Dauer des Besuchs konnte das Innenministerium im Vorfeld keine Auskunft geben. Das hänge auch von den Nachfragen der Politik ab.

Staatssekretär: Vorwürfe „haltlos”

Ministerium und die Malteser Werke als Betreiber der Einrichtung hatten in den vergangenen Wochen die Vorwürfe stets energisch dementiert. Innen-Staatssekretär Thomas Lenz war in der vergangenen Woche bereits auf Stippvisite in der Unterkunft und hatte anschließend die Vorwürfe als „haltlos” bezeichnet.

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Kommentare (1)

Weder im vorherigen, noch diesem Artikel kann ich investigativen Journalismus erkennen. Haben Sie sich eigentlich auch bemüht, mal rein zu kommen? Mit welcher Begründung wurde das ggf. abgelehnt?
Ist doch seit 2007 / 2008 kein Milit. Sicherheitsbereich mehr. Müsste doch noch Privatgelände von Schockemöhle sein, oder nicht?