Welche Rolle spielen Philipp Amthor und Franz-Robert Liskow (r.) bei der Neubesetzung des Parteivorsitzes in der Nordost-CDU?
Welche Rolle spielen Philipp Amthor und Franz-Robert Liskow (r.) bei der Neubesetzung des Parteivorsitzes in der Nordost-CDU? Jens Büttner
MV-Politik

Amthor, Hoffmeister, Sack oder Liskow – Wer wird neuer CDU-Chef?

Gut zehn Wochen nach der Landtagswahl steht die CDU in MV immer noch ohne gewählten Landeschef da. Wie geht es weiter? Wer wird der neue starke Mann oder die neue starke Frau?
Schwerin

Aller Anfang ist schwer – auch für die CDU. Nach Corona-Sondersitzungen und Ministerpräsidenten-Wahl folgt ab Mittwoch der erste reguläre Landtag nach der Wahl in MV Ende September. Fast drei Monaten sind nach der Wahlschlappe der CDU ins Land gezogen – erstmals müssen sich die Christdemokraten, die die vergangenen 15 Jahre gemeinsam mit der SPD die Regierung gestellt hatten, von den Oppositionsbänken zu Wort melden.

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Dabei hat sich die CDU-Riege im Parlament an der Spitze neu aufgestellt. Franz-Robert Liskow (34) als Fraktionschef und Sebastian Ehlers (39) als Parlamentarischer Geschäftsführer sitzen jetzt in der ersten Reihe – und werden die politische Auseinandersetzung mit der rot-roten Landesregierung federführend bestreiten. Wobei Liskow mit großer Wahrscheinlichkeit und aus besten Gründen ausnahmsweise fehlen dürfte – der CDU-Politiker wird in diesen Stunden und Tagen erstmals Vater.

Kokerts Rückzug traf CDU am Lebensnerv

Im Gegensatz zur CDU-Fraktion herrscht in der Führung des CDU-Landesverbandes noch ein Machtvakuum. So richtig traut sich in der CDU noch keiner an die Machtfrage auf Landesebene heran, der Faktor Zeit soll beim Frustabbau helfen – die nach der Wahl ausgelöste Schockstarre steckt dem Landesverband noch in den Knochen.

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Zumal das Wahlergebnis vom letzten Septemberwochenende nicht der erste Schock war, der die CDU in Mecklenburg-Vorpommern in der jüngeren Vergangenheit an ihrem Lebensnerv erwischt hat. Noch immer wirkt der plötzliche Rückzug des einstigen Hoffnungsträgers Vincent Kokert im Januar 2020 unter den Christdemokraten nach – inklusive der dann folgenden unglücklichen Suche nach einem Nachfolger. Die endete schließlich nach etlichen Irrungen und Wirrungen bei Michael Sack. Dessen politisches Aus auf Landesebene ist die vorerst letzte Wunde, die der mittlerweile vernarbten christdemokratischen Seele zugefügt worden ist.

Landesparteitag geplant

Die CDU-MV lasse erst mal der Bundespartei bei ihrer Vorsitzenden-Wahl den Vortritt und werde im ersten Quartal 2022 auf einem Landesparteitag sowohl personell als auch inhaltlich einen Neustart wagen – so heißt es derzeit offiziell aus der Parteizentrale in Schwerin. Bis dahin wird weiterhin mit Eckhardt Rehberg ein erfahrenes politisches Schlachtross kommissarisch an der Landes-Spitze stehen.

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Doch wer kann künftig die CDU im Nordosten in Richtung Landtagswahl 2026 führen? Wer hat die Kraft, das Format und den Rückhalt in der Partei, um den intern geschätzten Vincent Kokert zu ersetzen? Von der geschliffenen und angriffslustigen Rhetorik sowie dem scharfen Intellekt wäre normalerweise Philipp Amthor zwangsläufig ein Kandidat – doch der Politiker aus Vorpommern hat durch seine zweifelhafte Lobby-Arbeit für das US-Start-up-Unternehmen Augustus Intelligence und den Verlust seines Wahlkreises bei der Bundestagswahl seinen Nimbus als Jungstar der CDU verloren.

Ex-Justizministerin Katy Hoffmeister, die unmittelbar nach dem Kokert-Rückzug noch ihren Ring in den Hut geworfen hatte, ist durch die Wahlschlappe zur einfachen Landtagsabgeordneten degradiert worden und eher in die zweite Reihe gerutscht. Auch die Namen der beiden derzeitigen Vize-Landeschefs Ann-Christin von Allwörden und Sascha Ott werden zwar genannt – aber ob sie wirklich mehrheitsfähig in der CDU wären, dürfte eher unwahrscheinlich sein.

Und was ist mit dem neuen Fraktionschef Franz-Robert Liskow? Jung, unverbraucht und doch schon mit der notwendigen Portion christdemokratischer Parteierfahrung ausgestattet – das könnte passen, meinen nicht wenige in der MV-CDU. Was eigene Ambitionen angeht, hält sich Liskow aktuell zurück – sagt aber, wen er für den Bundesvorsitz der CDU favorisiert: Friedrich Merz. Am kommenden Samstag ist zumindest diese Personalie entschieden, wenn das bundesweite Votum der CDU-Mitglieder vorliegt.

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