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Vor Gericht

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Angeklagter bestreitet Brandstiftung an Haus von Ex-Ministerin

Kurz vor der Landtagswahl 2016 wurde ein Feuer am Haus der damaligen Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) gelegt.
Kurz vor der Landtagswahl 2016 wurde ein Feuer am Haus der damaligen Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) gelegt.
Stefan Sauer

Kurz vor der Landtagswahl 2016 wurde ein Feuer am Haus der damaligen Justizministerin Kuder gelegt. Der Angeklagte sieht sich selbst als Opfer.

Dass kurz vor der Landtagswahl 2016 ein Feuer im Haus der damaligen Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) vorsätzlich gelegt wurde, ist laut Brandursachenermittler unbestritten. Doch am ersten Prozesstag am Mittwoch gegen einen 33-jährigen Bekannten der Familie bleibt weiter offen, wer das Feuer in dem bei Diedrichshagen (Vorpommern-Greifswald) stehenden Forsthaus legte und warum. Der Angeklagte schwieg vor Gericht. Über seinen Anwalt ließ er am Amtsgericht Greifswald erklären, an der Tat nicht beteiligt gewesen zu sein.

Verteidiger Wolfgang Kratz warf den Ermittlungsbehörden vor, schlampig gearbeitet zu haben. Das Verfahren habe einen politischen Anstrich und sei auch nur deshalb gegen seinen Mandanten eröffnet worden. Das Gericht, das ursprünglich nur einen Prozesstag angesetzt hat, will nun zwei weitere Polizisten als Zeugen laden. Das Verfahren gestaltet sich zäh, weil direkte Tatzeugen fehlen. Es wird am 6. Juni fortgesetzt.

Ehemann der Ministerin löschte Feuer

Laut Anklage soll der 33-Jährige am Abend des 31. August 2016 das Feuer mit einem Brandbeschleuniger gelegt haben. Zu einem größeren Brand sei es nur deshalb nicht gekommen, weil der Ehemann der Ministerin um 21.30 Uhr und damit etwa 15 Minuten nach der Brandstiftung von der Jagd zurückkam und das Feuer löschen konnte.

Die Kunststoffmöbel, auf die offenbar Brandbeschleuniger gespritzt wurde, waren zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem breiigen Haufen geschmolzen, die Fassade bis hoch an den Dachstuhl verraucht, der Rahmen eines Holzfensters angebrannt. Qualm zog in die ersten Räume, wie der passionierte Jäger Alexander Kuder (69) berichtete.

Angeklagter lebte teilweise auf dem Grundstück

Staatsanwalt Lars Wielert wirft dem Angeklagten schwere Brandstiftung vor – ein Delikt, das mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet wird. Zum möglichen Motiv des 33-jährigen machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Verletzt wurde niemand. Doch im Dachgeschoss des Hauses befand sich die heute 34-jährige Lebensgefährtin des Ehemannes der damaligen Ministerin. Die Ministerin lebte zu diesem Zeitpunkt bereits getrennt von ihrem Mann in Schwerin. Das Paar ist bis heute nicht geschieden.

Der angeklagte Bauhelfer aus Bandelin war ein jahrelanger Bekannter der Familie, der Hilfsdienste auf dem Grundstück versah, Rasen mähte, die Hunde beaufsichtige und zeitweise sogar dort lebte. Etwa ein dreiviertel Jahr vor der Brandstiftung war es zum Abbruch der Verbindung zwischen Kuders Ehemann und dem Angeklagten gekommen.

Über den Grund des Zerwürfnisses gibt es zwei Versionen: Alexander Kuder sagt, dass es zu einem tiefgreifenden Vertrauensbruch gekommen sei. Der Angeklagte selbst kann sich den Abbruch der Verbindung nicht erklären.

DNA-Merkmale des Angeklagten gesichert

Noch in der Nacht hatte der Brandursachenermittler Motorbenzin als Brandbeschleuniger im Blumenkasten und an den Sitzmöbeln festgestellt. Einen Tag später – im Hellen – stieß die Polizei auf einen schwarzen Benzinkanister unter einem Gebüsch in der Nähe der Brandstelle, an der das Landeskriminalamt dann später „dominante DNA-Merkmale” des Angeklagten sicherte. Laut Kuder stammte der Kanister nicht aus seinem Bestand.

Ein Kriminalhauptkommissar, der später die Handydaten des Angeklagten ausgewertet hatte, sagte, dass die Sim-Karte des Angeklagten zwischen 20.22 Uhr und 21.23 Uhr im Abstrahlbereich eines Funkmastes eingeloggt war, in dem sich auch das Forsthaus befindet. Allerdings konnte der Polizist im Gerichtssaal nicht sagen, wie nah sich das Handy am Tatort befand. „Das war nicht abgefordert worden.”

Wurde einseitig ermittelt?

Verteidiger Kratz warf den Ermittlungsbehörden vor, den Angeklagten ab Frühjahr 2017 unter Druck gesetzt und einseitig zu dessen Lasten ermittelt zu haben. In einer polizeilichen Vernehmung soll der Angeklagte angegeben haben, am Tatabend mit einem Nachbarn in vom Forsthaus etwa 30 Straßenkilometer entfernten Oberhinrichshagen Klaren getrunken und dann um 21 Uhr zu Bett gegangen zu sein. „Warum haben Sie die Ermittlungen nur auf meinen Mandanten konzentriert und einen politischen Hintergrund ausgeschlossen?”, fragt er.

Der ermittelnde Polizist, der zu diesem Zeitpunkt das Verfahren von anderen Kollegen übernommen hatte, erwiderte darauf, dass es nach Auswertung der Funkzellendaten und den Aussagen keinen Anlass gegeben habe, in andere Richtungen weiter zu ermitteln.