LANDGERICHT SCHWERIN

Angeklagter gesteht Missbrauch eines Jungen

Wendung im Prozess gegen einen 63-jährigen Schweriner: Sein Geständnis erspart dem Opfer die Aussage. Dafür gab es einen Deal. Am Freitag fällt das Urteil.
Marlis Tautz Marlis Tautz
Der Prozess gegen 63-jährigen Jürgen S. vor dem Landgericht in Schwerin findet ein schnelles Ende.
Der Prozess gegen 63-jährigen Jürgen S. vor dem Landgericht in Schwerin findet ein schnelles Ende. Jens Büttner
Schwerin.

Der Prozess wegen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauchs gegen einen 63-jährigen Mann aus Schwerin geht überraschend schnell zu Ende. Schon am Freitagvormittag will das Landgericht sein Urteil verkünden. Hintergrund ist ein Deal zwischen Strafkammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Nachdem der Angeklagte die Tatwürfe zunächst bestritten hatte, bot sein Anwalt am dritten Verhandlungstag ein Geständnis an, das dem betroffenen Jungen die Aussage im Zeugenstand erspart hat. Im Gegenzug wurde der Strafrahmen auf sechs bis sechseinhalb Jahre festgelegt. Die Verteidigung sprach sich in ihrem Plädoyer für die untere Grenze von sechs Jahren aus, die Staatsanwaltschaft forderte das Maximum.

Vom Begrapschen bis zur Vergewaltigung

Laut Anklage soll der Mann zwischen Juli 2013 und Ende 2017 acht Straftaten begangen haben. Es geht um Vergehen und Verbrechen, die vom Begrapschen bis zur Vergewaltigung reichen. Zu jener Zeit war das betroffene Kind elf bis 15 Jahre alt. Der Junge hatte den Mann über zwei Freunde kennen gelernt, Söhne einer Familie mit fünf Kindern. Mit dieser Familie war der 63-Jährige seit Jahren eng befreundet, er galt als der „liebe Opa“ und half großzügig bei finanziellen Engpässen. Durch benachbarte Gärten und die Leidenschaft fürs Angeln war so etwas wie eine verschworene Gemeinschaft entstanden: Neben dem Angeklagten, den Eltern und Kindern zählte auch deren Freund dazu.

Man traf sich regelmäßig, grillte und trank zusammen und fuhr zum Angeln. Dabei wurde häufig gezeltet. Bei solchen Gelegenheiten soll sich der Angeklagte mit wachsender Intensität an dem Jungen vergangen haben. Besonders tragisch: Der mittlerweile 17-Jährige gehörte schon im spektakulären Missbrauchsfall um den Jugendtreff „Power for kids“ zu den Betroffenen. Der berüchtigte Klubgründer war 2018 wegen schwerster Missbrauchstaten zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Angeklagter ist einschlägig vorbestraft

Beim Urteil gegen den Angelfreund haben die Richter auch zu berücksichtigen, dass der Mann einschlägig vorbestraft ist. Er war 1998 vom Landgericht Rostock zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 8 Monaten verurteilt worden. In seiner damaligen Heimatstadt Bützow hatte der gelernte Maurer die kleine Tochter einer befreundeten Familie missbraucht. Nachdem er seine Strafe vollständig abgesessen hatte, war er nach Schwerin gezogen.

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