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Laserangriff auf G20-Hubschrauber

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Anklage fordert ein Jahr Haft für Greifswalder

Beim G20-Gipfel wurde eine Laserattacke auf den Hubschrauber „Libelle 2” verübt (Archivbild).
Beim G20-Gipfel wurde eine Laserattacke auf den Hubschrauber „Libelle 2” verübt (Archivbild).
dpa

Ein Greifswalder ist angeklagt, während des G20-Gipfels einen Polizeihubschrauber mit einem Laserpointer geblendet zu haben. Die Verteidiger werfen der Heli-Besatzung vor, gelogen zu haben.

Im Prozess um einen Laserpointer-Angriff auf einen Polizeihubschrauber während des G20-Gipfels in Hamburg hat die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten aus Greifswald eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung gefordert. „Der Anklagevorwurf hat sich bestätigt”, hieß es am Mittwoch in ihrem Plädoyer vor dem Amtsgericht Hamburg-Altona. Der 27-Jährige muss sich wegen versuchten gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr sowie gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Pilot sekundenlang blind?

Laut Anklageschrift soll der gebürtige Greifswalder am 6. Juli aus dem Fenster einer Dachgeschosswohnung mehrmals einen grünen Laserstrahl auf den Helikopter gerichtet haben, der in etwa 400 Metern Höhe über Altona kreiste. Der Laserstrahl soll den Piloten der „Libelle 2” und einen Flugtechniker jeweils im rechten Auge getroffen haben. Der Pilot hatte ausgesagt, danach sekundenlang nichts mehr gesehen zu haben.

Die Verteidigung erhob in ihrem fast mehrstündigen Plädoyer schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden und forderte einen Freispruch für ihren Mandanten. Die Besatzung des Helikopters habe das Gericht „zu täuschen versucht” und ihre Aussagen seien „erstunken und erlogen”.

Die Anwälte sprachen gar von einem „Komplott” gegen ihren Mandanten. Sie begründeten dies damit, dass der Pilot in seiner ersten Aussage zunächst nicht von einer Gefährdungssituation gesprochen, später dann aber seine Meinung geändert habe.

Aussagen werden angezweifelt

Entgegen den Angaben der Besatzung, der Helikopter habe nach dem Laserangriff massiv an Höhe verloren, sei dies bei der Auswertung des Höhenmessers nicht bestätigt worden. Der Pilot „wollte uns hier einen Bären aufbinden”, davon sei die Verteidigung überzeugt. Auch die Aussagen der Insassen der „Libelle 2”, sie seien beide am rechten Auge geblendet worden, seien durch ein Gutachten widerlegt worden. Dies könne nur der Fall sein, wenn beide ein Glasauge hätten, da die Blendung eines einzelnen Auges nicht möglich sei.

Die Staatsanwaltschaft räumte ein, der Laserstrahl sei möglicherweise ungezielt auf den Hubschrauber gerichtet worden. Trotzdem sei sie überzeugt, dass der Beschuldigte zumindest billigend in Kauf genommen habe, dass er die Besatzung blenden könnte.

Hausdurchsuchung ohne richterlichen Beschluss

Auch die Hausdurchsuchung bezeichnete der Staatsanwaltschaft als rechtmäßig, da Gefahr im Verzug gewesen sei. Die Ermittlungsbehörden waren rund 24 Stunden nach dem Vorfall ohne richterlichen Beschluss nachts in die Wohnung des Angeklagten eingedrungen. Auch in diesem Fall widersprach die Verteidigung.

Zunächst war gegen den Beschuldigten Anklage wegen versuchten Mordes erhoben worden. Der Vater eines vier Jahre alten Mädchens hatte daher bereits fünf Monate lang in Untersuchungshaft gesessen. Das Urteil wird am 20. Juni erwartet.