SCHÄUBLE WARNT

Antisemitismus offen, hemmungslos und gewaltbereit

Der Bundestag gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus. Doch wird Deutschland seiner Verantwortung für den Holocaust noch gerecht? Der Bundestagspräsident meldet Zweifel an.
dpa
Wolfgang Schäuble (CDU), Bundestagspräsident, spricht vor der Gedenkrede bei der Gedenkstunde des Deutschen Bundestags aus Anlass des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.
Wolfgang Schäuble (CDU), Bundestagspräsident, spricht vor der Gedenkrede bei der Gedenkstunde des Deutschen Bundestags aus Anlass des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Michael Kappeler
Berlin ·

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat vor neuen Formen von Rassismus und Antisemitismus in Deutschland gewarnt. „An Gedenktagen wird stets Verantwortung angemahnt, aber werden wir ihr auch gerecht? Auch bei uns zeigen sich Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit wieder offen, hemmungslos, auch gewaltbereit“, warnte der CDU-Politiker am Mittwoch im Bundestag in einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus. Daran nahmen auch Vertreter der jüdischen Gemeinschaft sowie die Repräsentanten der Verfassungsorgane teil.

Die Nationalsozialisten und ihre Helfer hatten während des Zweiten Weltkrieges sechs Millionen Juden ermordet. Seit 1951 erinnert Israel am Holocaust-Gedenktag an die Opfer. Die Vereinten Nationen legten 2005 den Internationalen Holocaust-Gedenktag auf den 27. Januar. An diesem Tag erreichte die Rote Armee 1945 das deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und befreite mehr als 7000 überlebende Häftlinge.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, berichtete in bewegenden Worten vom Leid ihrer Familie in der NS-Zeit. Sie erzählte, wie ihr die Tränen in die Augen schossen, als die Hausmeisterfrau zu ihr sagte: „Judenkinder dürfen hier nicht spielen.“ Wie der Schulweg zum Spießrutenlauf voller Anfeindungen wurde. Wer die heutigen Corona-Maßnahmen mit dem vergleiche, was die Juden einst in Deutschland ertragen mussten, der „verharmlost den antisemitischen Staatsterror und die Schoa“, sagte sie.

„Wir dürfen stolz sein auf unsere Bundesrepublik, aber wir müssen sie wehrhaft verteidigen“, forderte Knobloch. Antisemitisches Gedankengut und Verschwörungsmythen erhielten wieder mehr Zuspruch – von der Schule bis zur Corona-Demonstration. In ihrem Bekanntenkreis spielten etliche Juden inzwischen mit dem Gedanken, auszuwandern.

AfD bleibt sitzen

An die Adresse der AfD-Fraktion sagte Knobloch: „Sie werden weiter für ihr Deutschland kämpfen, und wir werden weiter für unser Deutschland kämpfen.“ Und: „Ich sage Ihnen, Sie haben Ihren Kampf vor 76 Jahren verloren.“ Nach ihrer Rede standen die Abgeordneten auf, um zu applaudieren. Aus den Reihen der AfD blieben einige Abgeordnete sitzen, darunter Albrecht Glaser, der als erster AfD-Abgeordneter mit seiner Kandidatur für den Posten des Bundestagsvize gescheitert war.

Schäuble beklagte, dass jüdische Einrichtungen von der Polizei geschützt werden müssten. „Juden verstecken ihr Kippa, verschweigen ihre Identität. In Halle entkam die jüdische Gemeinde nur durch einen Zufall einem mörderischen Anschlag“, sagte er. Nach Jahrzehnten der Zuwanderung dächten deutsche Juden über Auswanderung nach.

„Und das beschämt uns. Es ist niederschmetternd, eingestehen zu müssen, unsere Erinnerungskultur schützt nicht vor einer dreisten Umdeutung oder sogar Leugnung der Geschichte“, warnte Schäuble. „Und sie schützt auch nicht vor neuen Formen des Rassismus und des Antisemitismus, wie sie sich auf Schulhöfen, in Internetforen oder in Verschwörungstheorien verbreiten.“

„Es steht das Selbstverständnis unseres Landes auf dem Spiel”

Schäuble forderte, die Formen des Erinnerns zu erneuern. Die kollektive Verantwortung für das Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten bleibe bestehen. „Sie schließt auch nachfolgende Generationen ein und Deutsche, deren Familien erst nach dem Nationalsozialismus nach Deutschland gekommen sind“, sagte er. „Machen wir uns bewusst: Es steht das Selbstverständnis unseres Landes auf dem Spiel.“

In Schwerin fehlten große Teile der AfD

Auch in Schwerin legte der Landtag vor seiner Sitzung einige Gedenkminuten ein. „Als der zentrale Ort der Demokratie in unserem Land ist es unser Auftrag, die Erinnerung an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte wach zu halten“, sagte Landtagspräsidentin Birgit Hesse (SPD). Sie äußerte sich besorgt darüber, dass die Geltungskraft des Grundgesetzes und damit die Demokratie von den äußeren Rändern infrage gestellt werde. Solchen Tendenzen gelte es entschieden entgegenzutreten, sagte sie vor dem Parlament, in dem bei der AfD-Fraktion zu Beginn auffallend viele Plätze leer blieben.

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz. Seit 25 Jahren ist der 27. Januar daher in Deutschland der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 Internationaler Holocaust-Gedenktag der Vereinten Nationen.

 

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Kommentare (12)

Müssen sie aber nicht. Wir leben nicht mehr in der Vergangenheit. Und wenn jetzt einer wieder meckert ich wäre eine Nazi etc. Nein meine Großeltern sind im KZ umgekommen. Trotzdem sehe ich das alles anders man sollte diesen Tag gedenken ja aber man sollte nicht immer wieder auf die selben Schiene fahren und immer diesen Schuldkult zeigen. Das was passiert ist war schrecklich aber wir leben in einer anderen Zeit.

Sie das Wort "Schuldkult" weglassen müssen.
So glaube ich Ihnen Ihre Geschichte von den Großeltern nicht.
Sorry, erst überlegen und dann schreiben oder besser nicht und still Ihrer Großeltern gedenken.

Nein.

Obwohl meine Großeltern den Krieg überlebt haben, habe ich trotzdem genug Anstand, nichts von einem "Schuldkult" zu faseln.
Auch in 1000 Jahren werden die Taten unserer Vorfahren nicht vergessen zu sein. Und das ist richtig so: Man muss sich ERINNERN, um zu lernen. Der Antisemitismus und Rassismus von heute ist der Beleg.

Was sie mir glauben oder nicht ist mir egal. Ich kann ihnen nur sagen es ist so. Aber irgendwann muss man auch nach vorne blicken. Sie als Kommentarleser nehme ich nicht für voll. Sie nehmen den Mund voll, maßen sich an Leute hier zu diffamieren. Sie sind ein ganz ekelhafter Mensch. Das muss ich hier mal loswerden.

aus der Geschichte gelernt.
Und was Diffamierungen und Beschimpfungen angeht: Da liegen Sie weit vorne!

Ich erzähle ihnen kurz den Sachverhalt. Mein Opa war Offizier bei der Wehrmacht und wegen mehrfacher Befehlsverweigerung wurden er und meine Oma ins kz gesteckt dort sind sie an Hunger und der schweren Arbeit verstorben ihre Kinder wurden bei Verwandten untergebracht. So und sie wollen mir was erzählen? Sie sind ein armer Mensch Hauptsache ne große Klappe.

der von außen 2015 reingetragene und wir sollen es wieder ausbaden - NO -
https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/01/19/israelische-touristen-benehmen-sich-in-emiraten-daneben/

Jeffrey Edward Epstein, Ghislaine Maxwell, Weinstein, .......

https://www.nordbayern.de/region/corona-wahnsinn-7000-new-yorker-feiern-heimlich-mega-hochzeit-1.10649298

Sie dämlicher Antisemit.

schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.

Es ist RELATIVIERUNG, die Sie hier verteidigen!

warum das passiert ist, die Trigger zum Holocaust waren - leider wie so oft in der Geschichte hat es die falschen Getroffen, vom importierten Antisemitismus in D mal ganz abgesehen den hat sich unsere Regierung auf IHRE Fahnen zu schreiben und nicht auf des Volkes Rücken abwälzen - meine Familie sollte auch deportiert werden im Auftrage deutscher Behörden, der Ahnennachweis über 7 Generationen rettete sie;
Letztendlich wurde sie im Auftrage von Juden, der Beschlüsse von Jalta zwangsdeportiert - Papiere vorhanden - - und solange wie die politische Administration der Juden in diesem Punkt nicht an einer ehrlichen internationalen Aufarbeitung interessiert ist wird es keinen Frieden geben!