Michael Sack (CDU) ist wegen Körperverletzung angezeigt worden.
Michael Sack (CDU) ist wegen Körperverletzung angezeigt worden. Stefan Sauer
Corona-Zahlen

Anzeige wegen Körperverletzung gegen CDU-Chef Michael Sack

Hat der Meldeverzug der Corona-Zahlen für Landrat und CDU-Chef Michael Sack juristische Folgen?
Greifswald

Die Staatsanwaltschaft Stralsund hat gestern gegenüber dem Nordkurier bestätigt, dass gegen Michael Sack eine Anzeige wegen des Verdachts der Körperverletzung vorliegt. Es sei ein Prüfvorgang angelegt worden – ob dieser in ein offizielles Ermittlungsverfahren münde, sei erst in ein paar Tagen zu beantworten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

In der Anzeige wird dem Landrat aus Vorpommern Greifswald, der auch CDU-Landeschef und CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im September diesen Jahres ist, vorgeworfen, dass er durch den Meldeverzug bei den Corona-Zahlen in seinem Landkreis die Gesundheit der Bürger gefährdet habe. Es könne sein, dass Sack mit der verzögerten Weitergabe von Infektionszahlen an das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) die Erkrankung oder sogar den Tod von Menschen „billigend in Kauf genommen“ habe, so der Vorwurf. Bei Berechnungen ohne Meldeverzug sei die Inzidenz laut Anzeige so hoch gewesen, dass Schulen und Kitas geschlossen hätten müssen.

Meldeverzug durch Missverständnis

Vor rund einer Woche hatte eine gemeinsame Prüfung durch den Landkreis Vorpommern-Greifswald und dem Lagus ergeben, dass der Meldeverzug im Kreis durch ein Missverständnis entstanden sei. Landrat Sack kündigte an, dass die Neuinfektionen des Kreises ab sofort unverzüglich gemeldet würden.

Mit der Anzeige konfrontiert, sagte ein Sprecher des Landkreises: „Sobald uns die Anzeige vorliegt, werden wir sie an das Rechtsamt zur Prüfung weitergeben. Wir konnten zu jeder Zeit durchweg in knapp 90 Prozent aller Fälle sämtliche Infektionsketten erkennen und somit unterbrechen. Somit dürfte sich die Sorge, dass durch den Meldeprozess allein Menschen einer Gefahr ausgesetzt worden sein könnten, als unbegründet erweisen.“

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