Überraschender Fund

Archäologen finden Skelette im Klostergarten in Stralsund

Nach dem Fund eines gut erhaltenen mittelalterlichen Siegelstempels hatten die Archäologen in Stralsund nicht mehr viel erwartet. Doch im Garten des ehemaligen Katharinenklosters kam alles anders.
dpa
Jörg Ansorge, Archäologe und Grabungsleiter vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern,
Jörg Ansorge, Archäologe und Grabungsleiter vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, untersucht einen Skelettfund im ehemaligen Katharinenkloster in Stralsund. Stefan Sauer
Stralsund

Bei Grabungen am Meeresmuseum im ehemaligen Katharinenkloster in Stralsund haben Archäologen einen überraschenden Fund gemacht. Nachdem sie 90 Prozent des einstigen Klostergartens untersucht hatten, stießen sie auf die Skelette merkwürdig bestatteter Menschen. „Viele der Toten waren zu zweit oder dritt in einen Sarg gelegt worden, zum Teil mit abgetrennten Körperteilen”, sagte Grabungsleiter Jörg Ansorge. Die Bestattungen stammten nicht aus dem Mittelalter, wie das im 13. Jahrhundert gegründete Dominikanerkloster, sondern aus dem 18. Jahrhundert. Das sei anhand von Keramikfunden festgestellt worden.

Die Archäologen fanden die Erklärung für das Gräberfeld in der Explosion eines Pulverturms in der Stadtmauer beim Tribseer Tor. Das Unglück richtete 1770 laut Stadtarchiv schwere Verwüstungen an und kostete um die 100 namentlich aufgelistete Menschen das Leben.

Explosion durch Unachtsamkeit schwedischer Soldaten 1770

„Die Toten mussten schnell bestattet werden. Deshalb musste man auch auf andere Grabplätze zurückgreifen als auf die Friedhöfe an den Stadtkirchen”, sagte Ansorge. Der einstige Klostergarten, der inzwischen zum Hof des Armen- und Waisenhauses geworden war, lag etwa 200 Meter vom Pulverturm entfernt. Er schätzt, dass dort mindestens 30 Tote beerdigt wurden.

Die Explosion soll am 12. Dezember 1770 durch die Unachtsamkeit schwedischer Besatzungssoldaten ausgelöst worden sein. „Es wurde gemunkelt, dass sie geraucht haben”, berichtete der Archäologe. Auch das Hantieren mit einem Eisenspaten sei erwähnt worden. Dutzende Zentner Schwarzpulver seien in die Luft gegangen.

Zuvor bereits Siegelstempel aus um 1300 gefunden

Grund für die fast abgeschlossenen archäologischen Grabungen ist die geplante Erweiterung des Meeresmuseums im Kloster in den kommenden zwei Jahren. Auf dem Gelände soll ein großes Aquarium entstehen.

Im Klostergarten wurde ein weiterer, archäologisch gleich wertvoller Fund gemacht – ein aufwendig gearbeiteter, teilweise vergoldeter Siegelstempel eines Dominikanermönches aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert. Er gehörte einem Johannes Boycenborch und könnte das Privatsiegel eines Abtes gewesen sein, wie Ansorge sagte. Das Siegel zeige in gotischer Architektur den knieend betenden Inhaber des Siegels mit Maria und zwei Heiligen sowie dem gekreuzigten Jesus.

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