GASTKOMMENTAR

Armut durch Pflege – wie die Kosten explodieren

Wer auf Pflege angewiesen ist, der hat hoffentlich viel Geld zurückgelegt. Die Kosten in Deutschland steigen und steigen – zuletzt geradezu dramatisch. Dietmar Bartsch, Ko-Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Linken, fordert eine Finanzreform der Pflege.
„Jeder Dritte in Deutschland bezieht Sozialhilfe, um das Pflegeheim bezahlen zu können, in Mecklenburg-Vorpommern l
„Jeder Dritte in Deutschland bezieht Sozialhilfe, um das Pflegeheim bezahlen zu können, in Mecklenburg-Vorpommern liegt diese Quote sogar etwas höher, in Brandenburg etwas niedriger.” Jonas Güttler
Dietmar Bartsch fordert, dass die Pflegeversicherung auf ein breiteres Fundament gestellt wird: Auch Beamte, Politiker, Selbst
Dietmar Bartsch fordert, dass die Pflegeversicherung auf ein breiteres Fundament gestellt wird: Auch Beamte, Politiker, Selbstständige und Topverdiener sollen Beiträge zahlen, die ihrem Einkommen entsprechen. Wolfgang Kumm/dpa
Neubrandenburg.

Die Kosten in Pflegeheimen explodieren. Für Bewohner steigen die Eigenanteile von Jahr zu Jahr. In Mecklenburg-Vorpommern kostete laut Verband der Ersatzkassen ein Platz im Pflegeheim noch im Jahr 2018 durchschnittlich 1159 Euro, aktuell sind es bereits 1540 Euro. In Brandenburg gab es einen Anstieg von 1372 Euro auf 1697 Euro. Bundesweit liegen die Eigenanteile durchschnittlich bei 2015 Euro, in Ostdeutschland stiegen sie zuletzt besonders rasant.

Erst das Pflegeheim, dann die Sozialhilfe

Es verwundert nicht, dass immer mehr Menschen diese Kosten nicht aufbringen können. Die Rente reicht in vielen Fällen nicht. Jeder Dritte in Deutschland bezieht Sozialhilfe, um das Pflegeheim bezahlen zu können, in Mecklenburg-Vorpommern liegt diese Quote sogar etwas höher, in Brandenburg etwas niedriger.

Armutsfalle Alter

Sozialhilfe wird jedoch erst bewilligt, wenn Erspartes und Vermögen aufgebraucht sind. Dinge, die man sich ein Leben lang aufgebaut hat, versickern in den Pflegeheimen, weil die Pflegeversicherung nur einen Teil der Leistungen übernimmt. Diejenigen, die die Kosten selbst tragen können, müssen sich häufig weiter einschränken. Der Friseurbesuch und anderes, was man sich noch gönnte, fallen weg. Das Pflegeheim wird zur Armutsfalle.

So kann es nicht weitergehen. Bundesgesundheitsminister Spahn hat dieses Thema verschleppt und ausgesessen. In diesem Frühjahr wollte er Vorschläge präsentieren. Er muss endlich etwas gegen die Kostenexplosion unternehmen.

Pflegevollversicherung, in die alle einzahlen

Menschen, die seit Bestehen der Pflegeversicherung Beiträge gezahlt haben und dann im Pflegefall verarmen, stellen sich zurecht die Frage, wofür sie eigentlich pflegeversichert sind. Die Pflegeversicherung ist nicht ausreichend leistungsfähig. Laut einer Studie der DAK aus dem vergangenen Jahr befürchten 80 Prozent der Deutschen den finanziellen Ruin durch Pflegebedürftigkeit.

Die Akzeptanz und die Legitimation der gesetzlichen Pflegeversicherung stehen auf dem Spiel, wenn es keine Umkehr gibt. Wir brauchen eine Finanzreform der Pflege. In einem ersten Schritt müssen die Eigenanteile deutlich reduziert werden.

An den Löhnen der Pflegekräfte liegt es nicht

Im Übrigen sind gestiegene Löhne nicht in erster Linie die Ursache für das Kostenproblem. In Ostdeutschland sind die Eigenanteile zuletzt über 30 Prozent gestiegen, die Lohnerhöhungen blieben weit darunter. Die Kosten laufen aus dem Ruder, weil der Anteil, den die Pflegekasse übernimmt, stagniert. Wir als Linke wehren uns dagegen, dass Menschen, die hart und häufig schlecht bezahlt in der Altenpflege schuften, und Menschen, die nach einem langen Leben ein Recht auf Pflege haben, gegeneinander ausgespielt werden.

Mittelfristig brauchen wir eine Pflegevollversicherung, in die alle einzahlen und die alle Leistungen trägt. Die nächste Bundesregierung sollte dafür die Weichen stellen. Wir wollen, dass auch Abgeordnete, Beamte, Selbstständige und Topverdiener entsprechend ihres Einkommens Beiträge leisten. Wenn wir die Pflegeversicherung auf ein breites Fundament stellen, an dem sich alle Bürger beteiligen, muss Pflege nicht arm machen.

 

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Kommentare (12)

Was wird, wenn unsere Gäste, die wir natürlich gerne integrieren und bei uns aufnehmen, pflegebedürftig werden?
Die haben und werden zum überwiegenden Teil nie etwas zum Sozialsystem beitragen (können).
Diesen Leuten kann man zumindest dann kein Erspartes aus der Tasche ziehen. Das wird rechtzeitig ins Ausland transferiert. Wie also zu den "Willkommensleistungen" auch noch die Pflege bezahlen?
Über dieses Thema kann sich auch gerne unsere Kommmentatoren-Linksfraktion Gedanken machen. Es wird Euch genauso tangieren und hoffentlich mit voller Wucht erwischen.

Wer so dermaßen vom Hass auf Ausländer zerfressen ist, wie sie gehört in die Psychatrie.
Wenn ich mir aussuchen dürfte, wer von meinen Steuergelder den Arsch vollgeblasen bekommt, würden Sie keinen müden Cent von mir kriegen.
Aber da Rechtsradikale grundsätzlich asozial und arbeitsscheu sind muss ich sowas wie sie wohl schon zwangsdurchfüttern.

Ich arbeite in der Psychiatrie.
Schöne Grüße von Ihresgleichen!

Was denn nun? Liegen uns die Migranten auf der Tasche oder scheffeln sie die Kohle fürs Ausland?

Zugezogene könnten tatsächlich den Mangel an Pflegekräfte ausgleichen. Wir brauchen motivierte und qualifizierte Mitarbeiter. Und deshalb gibt es auch schon entsprechende Kurse, die - Sie werden staunen - auch gut besucht sind.

Nicht Armut durch Pflege - sondern - das Setzen von Prioritäten zur falschen Zeit und im falschen Rahmen, im Staate durch die Politik

Was spricht eigentlich dagegen, dass "Erspartes und Vermögen" für die Pflege ausgegeben werden? Ich dachte, das nennt man private Vorsorge.

Volle Zustimmung. Diesmal👍

Sozialstaat heißt nicht, dass alle Allen Alles zahlen. Jeder hat die Freiheit im Alter arm oder reich zu sein. Können die am besten erklären, die '89 dafür auf der Straße eingelaufen sind.

Volle Zustimmung. Diesmal👍

Sozialstaat heißt nicht, dass alle Allen Alles zahlen. Jeder hat die Freiheit im Alter arm oder reich zu sein. Können die am besten erklären, die '89 dafür auf der Straße eingelaufen sind.

🤦🏼‍♂️

Jetzt fehlen Ihnen die letzten Argumente Ihren linken Schwachsinn zu verteidigen und Sie können nur noch beleidigen. Das war mir aber klar, denn bei dem Thema gibt es ja auch keine brauchbaren Gegenargumente von links unten.
Ich möchte dieses Thema nur ansprechen und jeden mal zum nachdenken anregen. Nachdenken ist ja bekanntlich auch nicht so gewollt aus Ihrer Sicht. Hauptsache man passt schön auf Sie auf wenn Sie im Pflegebett verfaulen.
Ich gehe gerne arbeiten und lache Sie kleinen Wurm aus, denn wer immer nur die "Nazileier" durchzieht dem fehlt es nicht nur an passenden Argumenten.

Wer nicht in die Pflege einzahlt, erhält auch keine Leistungen.
Ist wie bei arbeitslosen Selbständigen. Nicht in die Rente oder Arbeitslosenversicherung eingezahlt - keine Leistungen.

An sich jedem Beitragszahler bekannt und klar.

Sie verstehen wirklich nicht, dass die meisten vor Krieg und Elend fliehen. Und Deutschland zwar Sicherheit bietet aber die Leute ihr Land mit allem Vertrauten oft vermissen. Und ihre Familien... denn im Gegensatz zu uns, ist die Verlagerung in Institutionen keine Selbstverständlichkeit! Und da besteht Handlungsbedarf - Leben und Pflege in der Häuslichkeit ermöglichen und noch mehr fördern.