CORONA-VERDACHT

Asylbewerber in Awo-Rehaklinik isoliert

Abstandsregelungen und Kontaktverbote sind die Gebote der Corona-Zeit. Doch was ist mit Gemeinschaftsunterkünften? Meldungen über Corona-Ausbrüche machen in MV erneut die Runde.
Im südwestlichsten Zipfel des Landes MV untergebracht: Asylbewerber im Erstaufnahmelager in Nostorf-Horst (Landkreis Ludw
Im südwestlichsten Zipfel des Landes MV untergebracht: Asylbewerber im Erstaufnahmelager in Nostorf-Horst (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Im direkten Umfeld der Unterkunft soll es Corona-Verdachtsfälle geben. Jens Büttner
Schwerin.

Am Wochenende schlug die Asylinitiative „Pro Bleiberecht“ Alarm: 20 mit dem Coronavirus infizierte Asylbewerber seien aus dem Aufnahmelager Nostorf-Horst (Landkreis Ludwigslust-Parchim) in die Quarantäne-Station nach Parchim transportiert worden. Und „Pro Bleiberecht“ legte auch gleich nach: „ Das zeigt: In den Lagern besteht kein ausreichender Schutz gegen eine Ansteckung. Im Gegenteil: Massenlager sind keine gute Wohnsituation. Corona macht dies noch deutlicher. Kein Raum für sich, kein selbstbestimmter Alltag. Deswegen: Dezentral unterbringen!“

Kritik, die an die Situation im Erstaufnahmelager Stern-Buchholz vor den Toren der Landeshauptstadt Schwerin vor wenigen Wochen erinnert. Dort hatte es bis zu über 40 infizierte Asylbewerber gegeben. Mitarbeiter der Einrichtung hatten massive Kritik an den Zuständen in der ehemaligen Kaserne geäußert. Der Fall hatte überregional für Schlagzeilen gesorgt. Zumal auch moniert worden war, dass Abstandsregeln und Kontaktverbote in den engen Räumlichkeiten kaum eingehalten würden.

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Lage in Stern-Buchholz „unter Kontrolle”

Nach wochenlanger Berichterstattung war Thomas Lenz, Staatssekretär im Innenministerium, in der Woche vor Ostern eigens in der Unterkunft auf Stippvisite – und hatte anschließend die Vorwürfe als „haltlos“ bezeichnet. Gleichzeitig hatten Mitarbeiter der Malteser Werke, sie betreiben die Einrichtung im Auftag des Landes MV, kritisiert, dass Lenz sich gar nicht jene Häuser auf dem weitläufigen Areal angeschaut habe, in denen die Corona-Regeln explizit verletzt würden.

Wenige Tage später hatte sich auch der Innenausschuss aus der Landeshauptstadt auf den Weg ins wenige Kilometer entfernte Stern-Buchholz gemacht – und je nach Parteifärbung – sehr unterschiedliche Eindrücke aus dem Lager mitgebracht.

Aktuell, so versicherte das Innenministerium in Schwerin dem Nordkurier, sei die Lage in Stern-Buchholz, dort leben derzeit 534 Asylbewerber, unter Kontrolle. In Zahlen ausgedrückt: Aktuell seien nur zwei Asylbewerber mit den Coronaviren infiziert und im eigens errichteten Quarantäne-Lager in Parchim isoliert worden. Damit dementiert das Innenministerium auch die Meldung von „Pro Bleiberecht“, dass 20 positiv getestete Asylbewerber aus Norstorf-Horst, nach Parchim gebracht worden seien. Die Pressesprecherin des Innenministeriums gestern unmissverständlich: „Die Zahl ist falsch.“

Infektionsschutz in Asylheimen möglich

Bei den angeblichen „Neumeldungen“ aus Nostorf-Horst handele es sich laut Innenministerium nicht um bestätigte Infektionen, sondern um Kontaktpersonen beziehungsweise Verdachtspersonen mit unbekanntem Infektionsstatus. „Diese werden außerhalb der Einrichtung in der AwoSano-Reha-klinik in Rerik zur häuslichen Isolation untergebracht, um eine Infektion auszuschließen“, betonte die Sprecherin.

Doch sind zentrale Unterkünfte, in denen Asylbewerber teilweise jahrelang untergebracht sind, in Pandemie-Zeiten nicht kontraproduktiv? Das Innenministerin bezieht sich in seiner Antwort auf die geltenden Asylgesetze. Demnach ist die „Unterbringung von Schutzsuchenden innerhalb von Erstaufnahmeeinrichtungen sowie in Gemeinschaftsunterkünften die gesetzlich vorgeschriebene Regelunterbringung“.

Da sich nach hiesiger Einschätzung der Hygiene- und Infektionsschutz auch in der Aufnahmeeinrichtung und den Gemeinschaftsunterkünften realisieren lasse, sei eine von den genannten Regelungen abweichende dezentrale Unterbringung weiterhin nur in Ausnahmefällen angedacht, heißt es aus dem Haus von Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

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Kommentare (4)

Und da pro Bleiberecht es nicht bezahlen können sollten wir alles dafür tun, dass diese armen Menschen sofort wieder nach hause können. Man stelle sich vor, dass sie kranke werden, haben ja nicht einen Euro für die Krankenversicherung bezahlt. Ich sage dann mal , gute Reise !!

Ein Staatssekretär der das Offensichtliche leugnet, statt seine Aufgabe zu erfüllen.
Warum behandeln wir die Asylbewerber nicht respektvoller? Ich finde das traurig 😞
Gut, dass über so etwas berichtet wird
Wie soll das weitergehen

Warum spenden sie nicht 50% Ihres Vermögens für diese armen Leute? Wenn jemand etwas möchte, dann muss er dafür auch bezahlen. Ich finde Ihr Verhalten einfach nur traurig. Erst holen Sie sich Ihre Migranten in das Land und nun kümmern Sie sich nicht drum. So kann es nicht weiter gehen, dann darf bald keiner mehr kommen.

Transparenz statt Angst: http://bleiberecht-mv.org/de/2020/05/19/transparenz-statt-angst/