Ob Tesla-Chef Elon Musk den Gewerbepark am Pommerndreieck kennt? Auch MV soll für die Fabrik im Gespräch gewesen sei
Ob Tesla-Chef Elon Musk den Gewerbepark am Pommerndreieck kennt? Auch MV soll für die Fabrik im Gespräch gewesen sein, die nun in Brandenburg entsteht. Patrick Pleul/Stefan Sauer - Nk-Montage
Tausende Arbeitsplätze

Auch MV war wohl Kandidat für Tesla-Fabrik

Wenn alles gut läuft, sollen noch in diesem Jahr die ersten Elektroautos bei Tesla in Brandenburg vom Band rollen. Gab es für MV auch eine reale Chance?
Schwerin

Diese Chance gibt es vermutlich nur einmal im Leben eines Wirtschaftsministers: Ein Weltkonzern will sich in der Region niederlassen und eine komplette Fabrik aus dem Boden stampfen. Für immer wird das Projekt mit dem eigenen Namen verbunden sein. So geschehen in Brandenburg, wo sich Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) auf die Eröffnung der sogenannten „Gigafactory“ des US-Elektroautomobilbauers Tesla freut, die eigentlich noch in diesem Jahr stattfinden soll. 10.000 Arbeitsplätze sollen dort entstehen und das nur in der ersten Ausbaustufe.

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Tesla-Firmenchef Elon Musk hatte seine Entscheidung für Brandenburg vor ziemlich genau zwei Jahren verkündet. Und wie nun herauskam, soll seinerzeit zumindest zeitweise auch ein Standort in Mecklenburg-Vorpommern im Gespräch gewesen sein. Das legt jedenfalls ein Bericht der „Ostsee-Zeitung“ nahe, die sich dabei auf eine hochrangige Quelle stützt. „Unfassbar“ soll es demnach sein, dass die Landesregierung offenbar nicht nur die Ansiedlung des Elektro-Konzerns verpennt habe, sondern dies nicht einmal in Gänze wusste.

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So soll auch die landeseigene Fördergesellschaft „Invest in MV“, die Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) unterstellt ist, „ein Angebot abgegeben“ haben. Im Gespräch waren nach Informationen der Ostsee-Zeitung Flächen in Neubrandenburg, am Pommerndreieck und in Schwerin – sie alle sollen am Ende aber zu klein für Tesla gewesen sein. Die Fabrik in Brandenburg entsteht auf einer Gesamtfläche von rund 300 Hektar. So viel in so kurzer Zeit konnte MV nicht bieten.

MV-Ministerpräsidentin Schwesig ist sauer

Wer nun wo gepennt hat, lässt sich in dieser Geschichte nicht mehr ergründen. Aus dem Schweriner Wirtschaftsministerium heißt es nur: „Investoren setzen auf Vertraulichkeit. Daran halten wir uns.“ Fakt ist, dass sich nun nicht Harry Glawe freut, sondern sein Märkischer Amtskollege Steinbach – und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ziemlich sauer sein soll. Die erklärte laut einem Regierungssprecher, nicht direkt über die Gespräche informiert worden zu sein. Sie habe davon erst erfahren, als Brandenburg schon den Zuschlag erhalten hatte.

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Und genau das soll sich bei Projekten dieser Dimension nun ändern. „Die Ministerpräsidentin hat darum gebeten, bei größeren Ansiedlungsgesprächen direkt informiert zu werden, damit sie sich bei Bedarf auch persönlich einschalten kann“, so der Sprecher. Reden muss sie zukünftig mit der Linkspartei, denn mit der führt sie nach der Abwahl der CDU gerade Koalitionsgespräche. Und dabei sei bereits vereinbart worden, dass „größere Investorengespräche gemeinsam von Staatskanzlei und Wirtschaftsministerium begleitet werden“.

Flächenland MV sollte auch Flächen anbieten können

Doch wann kommt der nächste Elon Musk nach MV? Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg, hält die Chancen für gering, dass das Land in absehbarer Zeit einen so großen Fisch an Land ziehen könnte. Doch die Anfrage von Tesla habe zumindest gezeigt, dass man für alle Vorhaben, gleich welcher Größenordnung, vorbereitet sein sollte. „Wir haben nicht ausreichend große Flächen, die kurzfristig verfügbar sind“, so Haasch. Und das ausgerechnet in einem Flächenland. „Wir merken, dass das Interesse an der Region wächst“, sagt Haasch mit Blick auf das östliche MV.

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Dies habe etwa die Ansiedlung des Lagerausstatters Topregal im Industriepark Berlin-Stettin bei Pasewalk gezeigt, für die im Sommer der erste Spatenstich gesetzt wurde. Die künftige Landesplanung müsse stärker darüber nachdenken, wie Mecklenburg-Vorpommern seine Vorteile gezielter einsetzen kann, um Industriearbeitsplätze in die Region zu holen – etwa die Nähe zu Polen, zur Hauptstadt Berlin und zum Wasser.

Und dann wären da noch die vielen Windräder, deren Strom in den Süden transportiert werden soll. „Wir haben gute Rahmenbedingungen für grüne Gewerbegebiete“, sagt Haasch. Und darauf würden Unternehmen wie Tesla auch in Zukunft Wert legen.

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