Afrikanische Schweinepest
Auf absehbare Zeit wird es keinen Impfstoff geben

Noch wurden keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland gemeldet. Auszuschließen ist das allerdings nicht.
Noch wurden keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland gemeldet. Auszuschließen ist das allerdings nicht.
Jens Büttner

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Polen angekommen. Anfang der Woche wurde der Virus an einem toten Wildschwein im Osten des Landes nachgewiesen. Dr. Sandra Blome, Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Afrikanische Schweinepest am Friedrich-Loeffler-Institut auf Riems, sprach mit Frank Wilhelm über den äußerst gefährlichen Virus.

Warum ist die Afrikanische Schweinepest im Vergleich zur klassischen Schweinepest (KSP) so gefährlich?

Beide Erreger können Haus- und Wildschweine infizieren und schwere klinische Symptome oder den Tod der Tiere hervorrufen. Die ASP verläuft allerdings auch bei älteren Tieren zumeist tödlich. Das kaukasische ASP-Virus, das jetzt auch in Litauen und Polen nachgewiesen wurde, führt in der Regel innerhalb kurzer Zeit nach einer Infektion bei Haus- und Wildschweinen zum Tod. Kadaver verendeter Tiere, beispielsweise Fallwild, bleiben bei der ASP zudem sehr lange infektiös, was zu einer weiteren Verbreitung führen kann. Im Gegensatz zur KSP gibt es bisher keinen Impfstoff gegen die ASP. Die Bekämpfung kann daher auf absehbare Zeit ausschließlich durch veterinärhygienische Maßnahmen geleistet werden, beispielsweise die Bestandsregulierung und die rasche Entfernung von Tierkadavern.

Warum gelang es bisher nicht, einen Impfstoff zu entwickeln?

Der Erreger der Afrikanischen Schweinepest ist ein sehr komplex aufgebautes Virus, das über zahlreiche Mechanismen verfügt, dem Immunsystem seiner Wirte aus dem Weg zu gehen. Das Virus erschwert daher die Entwicklung eines Impfstoffes mit konventionellen Methoden erheblich. Weltweit arbeiten verschiedene Forschungsgruppen an einem Impfstoff. Dieser wird in absehbarer Zeit aber nicht zur Verfügung stehen.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Afrikanische Schweinepest auch in Deutschland ausbricht?

Eine Einschleppung der Pest kann nicht ausgeschlossen werden, daher ist jetzt erhöhte Wachsamkeit vor allem bei Schweinehaltern und der Jägerschaft, aber auch im Reise- und Güterfernverkehr in und aus betroffenen Regionen sehr wichtig.

Auf welchen Wegen kann das ASP-Virus verbreitet werden?

Ein wichtiger Übertragungsweg ist die Verfütterung infizierter Speiseabfälle , zum Beispiels Schweinefleischprodukte. Darüber hinaus kann das Virus direkt von Tier zu Tier, oder über verunreinigte Geräte oder Kleidung eingeschleppt und verbreitet werden. Da geringe Mengen des Erregers zu einer Infektion führen können, reicht unter ungünstigen Bedingungen ein unachtsam entsorgtes Wurstbrötchen aus, um die Tierseuche einzuschleppen. Nicht ausreichend gereinigte Transportfahrzeuge, die aus betroffenen Regionen zurückkehren, könnten den Erreger ebenfalls mitbringen. Deshalb muss sichergestellt werden, dass die Fahrzeuge entsprechend gereinigt und desinfiziert wurden.

Was sollten Schweine-züchter beachten, speziell auch die Betriebe mit Freilandhaltung oder die mit Biozertifizierung?

Schweinehalter müssen jetzt besonders auf die Einhaltung der Mindestanforderungen der Schweinehaltungshygieneverordnung in ihren Beständen achten. Im Freien gehaltene Schweine dürfen keinen Kontakt zu Wildschweinen haben. Zur Biosicherheit gehören unter anderem die ständige Betreuung durch einen Tierarzt, geschultes Personal, beschränkter Personen- und Warenverkehr, betriebseigene Kleidung, Quarantäne für zugekaufte Tiere und ein festgelegtes Transportmanagement. Bei entsprechender Symptomatik sollten sowohl die Afrikanische als auch die klassische Schweinepest diagnostisch unverzüglich ausgeschlossen werden.

Was müssen Jäger beachten?

Jäger sollten auf vermehrt auftretendes Fallwild achten und in jedem Fall Proben an die zuständige veterinärmedizinische Untersuchungseinrichtung schicken. Besondere Vorsicht bei der Jagd gilt für Dinge, die Schweißkontakt hatten. Dazu gehören auch Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer und Kleidungsstücke. Trophäen und Schwarzwildprodukte aus betroffenen Regionen können ein Einschleppungsrisiko darstellen. Gleiches gilt für die verwendeten Kleidungsstücke und Gegenstände.

Was müssen Bürger, speziell auch Touristen beachten? Kann man noch beruhigt Fleisch- und Wurstwaren auf dem Polenmarkt kaufen?

Reisende, auch Kraftfahrer und Ernte- oder Schlachthelfer, die aus betroffenen Regionen zurückkehren, sollten darauf achten, den Erreger nicht unbedacht einzuschleppen. Dies kann ein unter ungünstigen Umständen unachtsam weggeworfenes Pausenbrot mit Wurstbelag auf einem Rastplatz sein, das von Wildschweinen gefressen wird. Auf keinen Fall dürfen Speisereste an Hausschweine verfüttert werden!

Was passiert, wenn in einem Bestand wirklich ASP nachgewiesen wird? Warum muss der gesamte Bestand gekeult werden?

Bei Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in einem Schweinebestand greift die Verordnung zur Bekämpfung der ASP. Diese schreibt die Räumung betroffener Bestände vor, da die Krankheit hochansteckend ist und keine anderen Bekämpfungs- oder Therapiemaßnahmen existieren.

Wie groß ist die Gefahr für die Gesundheit des Menschen?

Für den Menschen besteht kein gesundheitliches Risiko. Das aktuell erstellte Informationsblatt kann auf der Homepage des FLI  heruntergeladen werden.