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Fleißige Wahlhelfer

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Auf ein Kreuz zwischen Bohrern, Schrauben und Sägen

Benno Unverricht im Verkaufsraum seines Unternehmens. Am Wahltag ist er Herr über Stimmzettel und Wahlurnen.
Benno Unverricht im Verkaufsraum seines Unternehmens. Am Wahltag ist er Herr über Stimmzettel und Wahlurnen.
Robert Kiesel

Kein Wahlkampf ohne Politiker, keine Wahl ohne Wahlhelfer. Allein in Neubrandenburg werden rund 450 Menschen für Ordnung an den Wahlkabinen sorgen. Benno Unverricht ist einer von ihnen.

Die Schiebetür steht nicht still. In verschmierten Latzhosen und klobigen Arbeitsschuhen gehen die Kunden ein und aus. Wer in das knallig gelbe Gebäude mitten im Industriegebiet strebt, der sucht Handfestes: Sägeblätter, Bohrköpfe, Zurrgurte – alles, was das Handwerkerherz begehrt. Am 22. September wird das anders sein. Dann öffnet sich die Schiebetür für all jene, die ihr Kreuzchen auf dem Stimmzettel machen wollen.

Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf ist dann Benno Unverricht. Während der 40-Jährige das Jahr über die Geschicke des Schrauben- und Werkzeughändlers Lutz leitet, schlüpft er am Wahlsonntag in die Rolle des Wahlvorstehers. Freiwillig, ehrenamtlich, aus „Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, deren Teil ich bin“. Entdeckt hat er diese Möglichkeit, „der Gesellschaft auch etwas zurückzugeben“, vor elf Jahren. Die Bundestagswahlen 2002 standen an und Wahlleiter Lothar Schmidt war auf der Suche nach neuen Wahllokalen. „Er hat mir davon erzählt, wir hatten alle Voraussetzungen in Sachen Behindertengerechtigkeit, Parkplätze etc., da habe ich zugestimmt“, erzählt Benno Unverricht. Als Beisitzer öffnete er erstmals die Pforten seines Unternehmens für die Wähler, mittlerweile ist der 40-Jährige er zum Wahlvorstand aufgestiegen. Eine hochoffizielle Sache sei das, bei der man absolut korrekt sein müsse, so der Unternehmer über den Wahltag.

Der fängt für ihn schon lange vor dem Frühstück an. „Ich stehe um fünf Uhr auf, fahre ins Rathaus und hole da alle Materialien ab.“ Schließlich müssen drei Stunden später, wenn die ersten Wähler in der Schiebetür stehen, Kabinen und Stimmzettel vorbereitet sein, das Wählerverzeichnis griffbereit liegen. In diesem Jahr werden dem Geschäftsführer und seinem seit Jahren eingespielten Team dabei sogar zwei junge Kollegen seines Unternehmens zur Seite stehen. Das Wahl-Engagement zieht seine Kreise.

Dass genau dieser Wille zur Wahl immer breiteren Teilen der Gesellschaft abzugehen scheint, kann Benno Unverricht schon qua Amt nicht verstehen. „Schließlich sind Wahlen die Möglichkeit schlechthin, seine Meinung zu äußern, seine Stimme zu geben.“ Und so klein einem die eigene Stimme auch vorkommen mag, so kann „man doch auch im Kleinen etwas bewegen.“ Wen selbst das nicht überzeugt, dem empfiehlt Unverricht einmal darüber nachzudenken, „wie unser Land eigentlich entstanden ist“. Die um sich greifende Wahlmüdigkeit bezeichnet er als ein Indiz für eine „satte Gesellschaft“.

Wer denn am Ende des Wahlsonntags das Rennen machen wird, auf diese Frage möchte der zur Neutralität verpflichtete Wahlvorsteher amtsbedingt nicht antworten. „Als Benno Unverricht freue ich mich aber natürlich, wenn diese oder jene von mir favorisierte Partei auch gewinnt.“ Einen Wunsch jedoch, den äußert Benno Unverricht schon heute in Richtung der neuen oder auch neuen alten Bundesregierung: „Ich würde mich über mehr Bewegung freuen. Weniger reden, mehr handeln!“