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Kinder, bei denen ein Verdacht auf Corona-Infektion besteht, müssen in Quanrantäne – aber räumlich von Eltern und Geschwistern weitgehend getrennt werden. Andernfalls drohen schlimme Konsequenzen. Sebastian Gollnow
Corona-Verdacht

Aufregung um Quarantäne-Anordnung für Kinder

Ein Landkreis in MV droht Eltern sehr offen damit, Kinder aus ihren Familien zu reißen, wenn sie unter Corona-Quarantäne gestellt werden.
dpa
Parchim

Die Corona-Quarantäne-Anordnungen für Kinder sorgen im Landkreis Ludwigslust-Parchim für Aufregung. Eine Mutter beschwerte sich in der „Schweriner Volkszeitung“über die Anweisungen für ihr Kind, das im Gymnasium Ludwigslust Kontakt zu einem infizierten Lehrer der Schule hatte und vorsorglich wie 204 andere Schüler auch in häusliche Isolation geschickt wurde.

Behörde droht mit Trennung der Familie

Der Anordnung zufolge soll das Kind nur minimalen Kontakt zu Geschwistern und Eltern haben und räumlich getrennt werden. Bei Zuwiderhandlung wird angedroht, das Kind in einer geeigneten Einrichtung unterzubringen.

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Eltern werden für freiwillige Quarantäne entschädigt

Landkreissprecher Andreas Bonin sagte, die Anordnungen müssten rechtsfest sein, wozu auch die Androhung von Konsequenzen bei Zuwiderhandlung gehöre. Alle Familien würden im Fall einer Quarantäne-Anordnung für ihr Kind jedoch vorher vom Gesundheitsamt angerufen, ihnen werde alles freundlich erklärt und es werde der Bescheid angekündigt. Ein Elternteil könne sich auch in freiwillige Quarantäne begeben, um intensiv beim Kind sein zu können. In einem solchen Fall sei eine Entschädigung für den eventuellen Lohnausfall möglich.

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Kritik vom Kinderschutzbund

Die Quarantäne-Anordnungen ähneln sich bundesweit, wie Bonin erklärte. Auch in anderen Bundesländern hatten sich Eltern irritiert über die Härte der Formulierungen gezeigt. Der Kinderschutzbund Mecklenburg-Vorpommern kritisierte die strengen Anordnungen in der „Schweriner Volkszeitung“. Die Quarantäne sei ohnehin für Familien belastend. Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, sei unverhältnismäßig. Das Blatt zitierte Landesgeschäftsführer Carsten Spieß mit den Worten: „Es kann nicht sein, dass das Kindeswohl zugunsten des Infektionsschutzes in diesem Ausmaß zurücktreten muss.“

Auch die AfD im Schweriner Landtag übte Kritik. Es sei inakzeptabel, dass Behörden in „derartigem Beamtendeutsch“ an die Eltern schrieben. Kinder dürften auch nicht der elterlichen Nähe entzogen werden.

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