HÄFTLING FLIEHT INS ZILLERTAL

Ausgebüxter Knasti haut Hoteliers übers Ohr

Lügenbaron Münchhausen lässt grüßen: Ein entwischter Gefangener aus MV taucht im Zillertal wieder auf und spielt dort den reichen Mann. Er kauft ein Hotel und einen Geländewagen. Geschnappt wird er trotzdem.
Blick auf das Gefängnis in Bützow.
Blick auf das Gefängnis in Bützow. Dpa
Neubrandenburg.

In Deutschland war er ausgebüxt und zur Fahndung ausgeschrieben – in Österreich tauchte er wieder auf, versuchte dort die nächsten krummen Dinger zu drehen und wurde von der Polizei gefasst: Ein Häftling aus Mecklenburg-Vorpommern ist zwei Wochen nach seiner Flucht in Strass (Zillertal) verhaftet worden. Der 48 Jahre alte Mann habe etwa ein Dutzend neuer Betrügereien begangen, teilte das Justizministerium in Schwerin dazu nüchtern mit.

Amateurkickern versprach er 50 000 Euro

„Der hat die totale Show abgezogen“, fasste dagegen der Dienststellenleiter der Strasser Polizeiinspektion Roland Rainer die Ereignisse der vergangenen Woche zusammen. Im Telefonat mit dem Nordkurier schilderte er auch einige Details: Zunächst hatte sich der mittellose Gauner in zwei Pensionen eingemietet. Bei einem Amateurfußball-Verein spielte sich der Betrüger als Sponsor auf und stellte den Kickern 50 000 Euro in Aussicht. Im Gegenzug ließ er sich mit Essen und Getränken bewirten.

Doch der Betrüger trieb er es noch dreister. Der 48-Jährige erwarb sogar ein Hotel – der Kaufvertrag wurde per Handschlag besiegelt. In einem Autohaus bestellte er laut Polizei einen Luxuswagen für rund 60 000 Euro. Die Karosse war für seine „neue Geschäftsführerin“ gedacht. Es soll sich dabei um eine Hotelmitarbeiterin gehandelt haben, die er zuvor abgeworben hatte. „Er ist rhetorisch nicht unbegabt und hat es gut verstanden, den Leuten etwas vorzugaukeln“, beschreibt Inspektionskommandant Rainer den Kriminellen. Den Leuten habe er unter anderem vorgeflunkert, über einen Millionenbetrag auf einem deutschen Bankkonto zu verfügen.

Betrüger soll nach MV ausgeliefert werden

Geschnappt wurde der Betrüger am Dienstagabend, als er ein weiteres Hotel erwerben wollte. Die Polizei schlug zu, als der Hochstapler gerade mit dem Inhaber das Haus besichtigte. Nach den diversen Vorfällen hatten die Beamten „sehr akribisch und mit Hochdruck ermittelt“, sagte der Inspektionskommandant. Eine Anfrage bei den Kollegen auf deutscher Seite habe dann ergeben, dass es sich bei dem verhafteten Betrüger um einen geflohenen Häftling handelt.

Wann der gefasste Betrüger nach Mecklenburg-Vorpommern zurückkehrt, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat Kontakt mit den österreichischen Behörden aufgenommen, um eine Auslieferung zu erreichen. In der Justizvollzugsanstalt Bützow saß der gebürtige Schleswig-Holsteiner wegen Betruges eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten ab. Haft-Ende wäre im Oktober 2014 gewesen. Die Flucht war ihm am 4. März während eines Klinikaufenthaltes in Rostock gelungen. Gegen seinen Bewacher läuft ein Disziplinarverfahren.

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