GRUNDWASSERSTÄNDE SINKEN

Außergewöhnliche Dürre hält den Osten von MV im Griff

Ein Blick auf den Dürremonitor ist alarmierend, auch die Grundwasserstände sind in MV dramatisch gesunken. Was bedeutet das in Zukunft für die Trinkwasserversorgung im Land?
Christine Gerhard Christine Gerhard
Vor allem im Norden und Osten Deutschlands herrscht großflächig „außergewöhnliche Dürre”.
Vor allem im Norden und Osten Deutschlands herrscht großflächig „außergewöhnliche Dürre”. Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Bei unter 30 Prozent der nutzbaren Feldkapazität leiden die Pflanzen Wasserstress.
Bei unter 30 Prozent der nutzbaren Feldkapazität leiden die Pflanzen Wasserstress. dpa/Archiv
Schwerin.

Die vereinzelten Regenfälle der vergangenen Tage waren im wahrsten Sinne des Wortes ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn: Vom Dürresommer 2018 hat sich das Land noch nicht erholt. Zu sehen ist das an Flüssen und Seen, aber auch die Grundwasserstände sind von Mai 2018 bis Mai 2019 im Durchschnitt um 20 cm bis 100 cm gesunken und liegen unter den monatlichen Normalwerten. Dabei jagt eine Hitzewelle in Deutschland die nächste. Problematisch ist die Trockenheit aktuell vor allem für Natur und Landwirtschaft, doch wenn die Grundwasserspiegel sinken, sind auch unsere Trinkwasserreservoirs bedroht.

Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeichnet die Trockenheit des Bodens auf. Er vergleicht dabei den aktuellen Zustand des Bodens mit dem langjährigen Mittel, das sich aus den Messwerten von einem Zeitraum zwischen 1951 und 2015 ergibt. Ein Blick auf die derzeit orange bis tiefrot gefärbten Karten ist erschreckend. Vor allem im Norden und Osten Deutschlands herrscht großflächig "außergewöhnliche Dürre".

Dies betrifft besonders die Bodenschicht bis 1,8 Meter Tiefe, doch auch der Oberboden leidet in großen Teilen von MV unter ungewöhnlicher Trockenheit bis schwerer Dürre. Bei unter 50 Prozent der sogenannten nutzbaren Feldkapazität müssen Bauern ihre Felder bewässern, um eine optimale Ertragsausbeute zu erzielen, bei unter 30 Prozent leiden die Pflanzen Wasserstress. Dieser Wert ist zurzeit fast überall in MV, und besonders weit im Osten, unterschritten.

Grundwasser um bis zu 100 cm abgesunken

Was aber bedeutet die anhaltende Dürre für das Trinkwasser? Wie das Umweltministerium in Schwerin mitteilt, sind die Grundwasserstände unter die monatlichen Normalwerte der Jahre 2006 bis 2015 gesunken. Und aus dem Grundwasser wird der größte Teil des Trinkwassers bezogen. "Exemplarische Auswertungen für den Zeitraum Mai 2018 bis Mai 2019 ergaben im Durchschnitt ein Absinken der Grundwasserstände um circa 20 bis 100 Zentimeter", informierte eine Sprecherin.

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Mittleres Mecklenburg hat bei den Grundwasserständen im Juni die größte Abweichung zum langjährigen Durchschnitt in Kühlungsborn gemessen, mit einem Minus von 46 Zentimetern. An den betrachteten Messstellen Groß Breesen, Knegendorf und Sanitz sind dem Bericht zufolge die Grundwasserstände im Vergleich zum Vormonat noch einmal um 4 bis 10 cm abgesunken.

Noch keine Auswirkungen auf Trinkwasserversorgung

In Westmecklenburg ist die Elbe bei Dömitz und bei Boizenburg am stärksten von Niedrigwasser betroffen. Ein Minus von 102 und 86 Zentimetern ermittelte das Stalu hier für Juni, nur Schaalsee und Sternberger See stiegen um 7 beziehungsweise 4 Zentimeter an.

Das Ministerium geht derzeit davon aus, dass eine ähnlich geringe Niederschlagsmenge wie im Vorjahr noch keine Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung im Land hat. Die öffentliche Wasserversorgung werde in allen Regionen gewährleistet sein. Grund dafür sei, dass Trinkwasser vorrangig aus einer Tiefe von 20 bis 100 Metern gewonnen werde, wo eine verringerte Grundwasserneubildung verzögert eintrete.

Versorgungssicherheit in Zukunft noch ungewiss

Regionale Probleme in der Trinkwasserversorgung könnten allerdings in Zukunft nicht ausgeschlossen werden. Denn es seien auch Veränderungen im monatlichen Wasserhaushalt zu beachten, die zu einem geänderten Bedarf führen können, etwa bei der künstlichen Bewässerung von Feldern und Gärten.

Inwieweit die Versorgungssicherheit im Land aber auf längere Sicht vom Klimawandel beeinflusst wird, kann noch nicht genau gesagt werden. Weil die Informationslage zur Niederschlagsentwicklung unsicher ist und Wechselwirkungen mit anderen Faktoren wie Boden, Landnutzung und Vegetation hereinspielen, sind zur weiteren Entwicklung laut Ministerium derzeit keine sicheren Prognosen zu treffen. Auswirkungen auf das Grundwasserangebot seien allerdings zu erwarten.

"Es wird davon ausgegangen, dass infolge des Klimawandels langfristig die Erneuerungsrate der Grundwasservorkommen weiter abnehmen wird", heißt es aus dem Ministerium. Die Auswirkungen würden den Osten des Landes stärker als den Westen betreffen, die Inseln stärker als das Binnenland.

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Kommentare (1)

Trinkwasser aus Meerwasser gewinnen - das Abwasser reinigen auf Brauchwasserqualität für Bewässerung, Landwirtschaft, Tierproduktion, Waschanlagen, Industrie, dem Grundwasser zuführen - erfordert aber doppeltes Leitungsnetz - ansonsten wird bei weiterer zunehmender Erderwärmung/Wassermangel der Trinkwasserpreis noch ganz schön klettern - - Trinkwasser als Brauchwasser zu nutzen gehörte heute eigentlich schon verboten, da zu kostbar