Bericht über Diesel-Technik

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"Autobild" will der Polizei in MV an den Karren fahren

Diese Volvo V90 wurden für die Landespolizei in Mecklenburg-Vorpommern bestellt. Laut der "Autobild" sollen es alte "Diesel-Stinker" sein. Ein Faktencheck ergibt etwas anderes.
Diese Volvo V90 wurden für die Landespolizei in Mecklenburg-Vorpommern bestellt. Laut der „Autobild” sollen es alte „Diesel-Stinker” sein. Ein Faktencheck ergibt etwas anderes.
Polizei

Die Autobild behauptet, die Polizei in MV habe sich bei den neuen Polizeiwagen alte Dieseltechnik andrehen lassen. Stimmt nicht, kontert das Ministerium. Zumal noch mehr an dem Bericht mangelhaft ist.

Sauber war diese Recherche der „Autobild” nicht: In einem Bericht „Ließ sich die Polizei alte Diesel-Stinker andrehen” behauptet das Blatt (Printausgabe), die neuen Volvo V90 Streifenwagen, die die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern nun bekommen hat, wären mit veralteter Dieseltechnik ausgestattet. Sie würden keinen SCR-Katalysator haben und seien nicht nach der neuen Euro-6d-Norm zertifiziert. Bei "Bild"-online wird das unter der Überschrift "Die Polizei, dein Freund und Luftverschmutzer" verkauft.

Das stimmt so weit auch. Was die „Autobild” aber verschweigt und in wenigen Sekunden per Google-Suche herauszufinden ist: Laut dem ADAC gibt es nur wenige Fahrzeuge, die überhaupt diese Norm erfüllen werden, indem der Hersteller die entsprechenden Nachrüstungen angekündigt hat. Der Volvo-Diesel mit 173 Kw Leistung, wie er von der Polizei bestellt wurde, zählt dazu. Die ADAC-Liste finden Sie hier. Laut Volvo erfüllt der V90 derzeit die Euro-6b-Norm. Da gibt es deutlich ältere „Diesel-Stinker”.

„Autobild” schrieb selbst von sauberem Motor

Peinlich wird es für die „Autobild”, weil es laut der ADAC-Liste auch keine vergleichbaren Modelle zum V90 gibt, die eine ähnliche Größe und Motorisierung als Diesel hätten. Oder wollen die Redakteure etwa, dass die Polizisten in Mecklenburg-Vorpommern Mercedes CLS Coupés fahren? Schöne Autos, aber für einen Streifenwagen deutlich unpraktischer als ein großer Kombi wie der V90. Außerdem lagen bis zum 6. September dieses Jahres beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) "keine Anträge auf Euro-6d-Typgenehmigung zur Prüfung vor", wie das Bundesverkehrsministerium auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion geantwortet hatte.

Richtig peinlich wird es aber erst, wenn man mal kurz im „Autobild”-Archiv stöbert. Dort findet sich online der Bericht „Emmissionsarm: Diese Autos sind sauber”. Pikanterweise beginnt er so: „Noch ist das Angebot äußerst dürftig, halten sich die Autobauer bedeckt, welche Modelle mit Euro 6d auf den Markt kommen werden. Laut ADAC-Liste erfüllen bisher der Volvo XC60 D4 und D5 als Zweiliter-Diesel und der Volvo XC90 D5 ebenfalls mit zwei Liter Hubraum die Euro-6d-Temp-Bedingungen.” Dort werden zwar SUV-Modelle beschrieben, der D5-Dieselmotor ist aber auch für den V90-Kombi verfügbar.

Das schreibt das Innenministerium zu den „Diesel-Stinkern”

Bleibt die Frage zu klären, ob das Innenministerium nicht doch andere Fahrzeuge hätte bestellen können. Auf Nordkurier-Nachfrage heißt es dazu von Marion Schlender, Pressesprecherin des Ressorts: „Das Land hat diese besonderen Einsatz-Fahrzeuge der Polizei für den Einsatz auf Autobahnen im Jahr 2016 ausgeschrieben. Gesetzlich vorgeschrieben war zum damaligen Zeitpunkt der Ausschreibung die Abgasnorm Euro 6. Diese erfüllen die abgerufenen 5 Fahrzeuge von Volvo und weitere 9, die im Jahr 2018 aus dem (alten) Abruf 2017 geliefert werden.”

Zudem gebe es auch erst seit September 2017 die Euro-6d-Norm für neue Fahrzeuge. Volvo werden im September 2018 ein Facelift für den V90 auf den Markt bringen, der diese erfüllen und SCR-Katalysatoren haben werde. Alle Fahrzeuge, die das Innenministerium ab diesem Zeitpunkt abrufen werde, werden daher auch diese Norm erfüllen, kündigt Schlender an. Insofern sei die Kritik der „Autobild” realitätsfremd, wie sie weiterhin schrieb. „Es ist ja schön, wenn wir mit unseren Funkstreifenwagen umweltschonend fahren (geringer Verbrauch, geringer Schadstoffausstoß), es nützt aber nichts, wenn wir dadurch den Verursacher eines Gesetzesverstoßes möglicherweise nicht festsetzen können, weil wir nicht über die besten Leistungsparameter verfügen. Das aber (hohe Leistung der Motoren) hatte bei der Ausschreibung Priorität.”