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Autofahrer meiden die Doppelröhre

An den Kassenhäuschen ist es oft ruhig. Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Nur die Hälfte der erhofften Durchfahrten wird gezählt.

Der Tunnel ist das erste privat finanzierte Verkehrsprojekt in Deutschland.
Bernd Wüstneck Der Tunnel ist das erste privat finanzierte Verkehrsprojekt in Deutschland.

Die Träume der Investoren und Betreiber des Warnowtunnels flogen vor zehn Jahren hoch. Ihre Kalkulationen zur Refinanzierung des 215-Millionen-Euro-Projektes gingen von 20 000 Fahrzeugen pro Tag aus. Ursprünglich sollte der Tunnel, das erste deutsche privat finanzierte Straßenbauprojekt, nach 30 Jahren der öffentlichen Hand übergeben werden. Doch die Prognosen gingen nicht auf – die Rostocker wollten nicht durch die Doppelröhre fahren.

Heute ist der Geschäftsführer der Warnowquerung GmbH & Co. KG, Matthias Herrmann, zufrieden. Im August durchquerte das 36-millionste Auto das 790 Meter lange Bauwerk unter der träge in die Ostsee fließenden Warnow. „Wir haben im Jahresschnitt täglich rund 11 000 Fahrzeuge, im Sommer 13 000.“ Herrmann, der auch von harten Zeiten berichten kann, betont: „Wir haben das Fahrwasser erreicht, das wir brauchen.“ Der Tunnel, gebaut in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP), hätte eine Erfolgsgeschichte sein können. „Von der Idee bis zur Fertigstellung waren es gerade mal acht Jahre, der auf vier Jahre ausgelegte Bau war nach 3,5 Jahren fertig“, sagt Herrmann. Auch die geplante Investitionssumme sei eingehalten worden – für heutige öffentliche Großprojekte schier undenkbar.

Doch die Rostocker bissen nicht an, sie nahmen lieber den mehr als zehn Kilometer langen Umweg über die Autobahn, um in die Stadt zu kommen. Zunächst wurden täglich nur 5000 Autos gezählt. Das Projekt geriet ins Trudeln, 2005 drohte die Insolvenz. Nach zähen Verhandlungen wurde der Konzessionsvertrag mit Rostock um 20 Jahre bis zum Jahr 2053 verlängert.