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Awo-Geschäftsführer spricht von Hetzjagd auf die Wohlfahrt

„Ich mache mir meine Welt, wie sie mir gefällt”, trällerte Pippi Langstrumpf in ihrer ganz eigenen Wahrnehmung. Eine solche existiert auch in der Awo-Welt. Das zeigt der Auftritt von Klaus Schmidt.
Vor der Vernehmung gab sich Klaus Schmidt, hier im Gespräch mit seiner Anwältin Verina Speckin, noch sehr entspannt.
Vor der Vernehmung gab sich Klaus Schmidt, hier im Gespräch mit seiner Anwältin Verina Speckin, noch sehr entspannt. Andreas Becker
Schwerin.

Vielleicht ist es einfach nur menschlich, wenn man 18 Jahre den gleichen Job macht. Vielleicht ist es einfach nur menschlich, wenn nach 18 Jahren als Awo-Geschäftsführer die Selbstkritik schrumpft. Vielleicht ist es einfach nur menschlich, wenn man nach 18 Jahren Wohlfahrt ein wenig „im eigenen Saft schmort”, wie so mancher Landtagsabgeordneter am Montagmittag laut dachte. Und vielleicht waren deshalb Aussagen des Zeugen Klaus Schmidt im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zur Aufklärung der Awo-Affäre auch verständlich – ob sie allerdings akzeptabel und der eigentlichen Sache gerecht waren, bleibt wohl eher zweifelhaft.

Vorwurf der Vetternwirtschaft in der Awo

Seit 18 Jahren sitzt Klaus Schmidt auf dem Geschäftsführerposten der Awo Demmin. Und nicht nur da: Der heute 56-Jährige ist auch noch hauptamtlicher Geschäftsführer von einer weiteren Gesellschaft unter dem Dach der Awo Demmin und ehrenamtlicher Geschäftsführer von drei anderen Gesellschaften – ebenfalls innerhalb des komplexen Firmengeflechts der Awo Demmin. Ein Kreisverband der Wohlfahrt in Mecklenburg-Vorpommern, der nach Worten Schmidts bis heute noch stark unter der Awo-Affäre leidet, die im Sommer 2016 im Demminer Nachbarkreis an der Müritz hoch kochte und die seit dem die Wohlfahrt bundesweit mächtig ins Schwitzen bringt.

„Gleich drei Vorstandsmitglieder der Awo Demmin mussten im Zuge der Awo-Affäre ihren ehrenamtlichen Job aufgeben, weil sie mit ihren privatwirtschaftlichen Firmen Verträge mit der Awo Demmin hatten”, bedauert Schmidt deren Rückzug noch heute. Seit November 2016 gebe es Vorgaben des Awo-Bundesverbandes, dass solche Verstrickungen – neutrale Beobachter sprechen in dem Zusammenhang von Vetternwirtschaft – nicht mehr gern gesehen seien.

Wohlfahrt wird als „Sozialmafia” wahrgenommen

Klaus Schmidt gefallen diese „Compliance-Regeln”, die der Bundesverband der Awo ins Leben rief, auch heute noch nicht. „Ich hätte mir gewünscht, dass die alten Regeln weiter gegolten hätten”, sagte Schmidt vor den Parlamentariern im Landtag. „Ich vermisse den Sachverstand der ehemaligen Vorstandsmitglieder. Statt sieben habe wir nur noch vier Vorstandsmitgliedern. Es lassen sich schwer Menschen begeistern, bei der Awo Verantwortung zu übernehmen”, bedauerte Schmidt – und sah den Grund nicht etwa in den verschärften „Compliance-Regeln”, sondern in der „Hetz- und Hexenjagd der Presse”. Die Wohlfahrt werde als „Sozialmafia wahrgenommen”. Er weise den Vorwurf der Vetternwirtschaft zurück – in Schmidts Welt sind das nur „Einzelfälle”.

Hohe Gehälter von Awo-Funktionären

„Einzelfälle”? Waren an der Müritz, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin – allein in Mecklenburg-Vorpommern waren in den vergangenen Jahren vier Kreisverbände in die Negativschlagzeilen geraten. Teilweise inklusiver staatsanwaltlicher Ermittlungen und rechtskräftiger Urteile. Und was ist mit den exorbitant hohen Gehältern und familiären Vergünstigungen, die sich hohe Awo-Funktionäre in Frankfurt/Mai und Wiesbaden gegönnt haben? „Da sind harte Regeln notwendig”, räumte denn auch Schmidt ein.

Massive Kritik des Landesrechnungshofes

Gleichzeitig machte der Awo-Geschäftsführer deutlich, dass er auf Kreisebene von der massiven Kritik, die der Landesrechnungshof seit Jahren in Richtung Wohlfahrt formuliert, nichts ableiten könne. Mangelnde Transparenz und nicht ordnungsgemäße Geschäftsführung – die Kritik gehe in Richtung Awo-Landesverband, die müsse dort auch ausgewertet werden, verkündete Schmidt seine Sicht aus der Welt eines „autonomen und rechtlich selbstständigen Kreisverbandes”.

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Kommentare (1)

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