Mit der Bahn zur Berufsschule? Dies ist längst nicht von allen Orten in MV aus ohne größere Probleme mögl
Mit der Bahn zur Berufsschule? Dies ist längst nicht von allen Orten in MV aus ohne größere Probleme möglich (Symbolbild). Stefan Sauer
ProBahn

Azubiticket in MV auf dem Land unbrauchbar

Das Azubiticket soll Lehrlinge in Mecklenburg-Vorpommern entlasten. Laut des Fahrgastverbandes ProBahn nützt vielen Azubis das neue Ticket jedoch nichts.
Neubrandenburg

Der Fahrgastverband ProBahn zweifelt am Nutzen des neuen Azubitickets MV. Zwar handele es sich um ein lukratives Preisangebot für Auszubildende, Freiwilligendienstleistende sowie Beamtenanwärter der Laufbahngruppe I. „Vielen Anspruchsberechtigten nützt das neue Ticketangebot jedoch nichts, weil die Wege zur Berufsschule mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Mecklenburg-Vorpommern in vielen Fällen mit erheblichen Zeitaufwand verbunden sind oder eine pünktliche Ankunft vor dem Unterrichtsbeginn am Morgen gar nicht erst möglich ist“, erklärt Marcel Drews, Vorsitzender des ProBahn-Landesverbandes.

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Seit Monatsbeginn ist das Azubiticket im Land verfügbar. Für einen Preis von 365 Euro im Jahr können die Besitzer damit alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Das Angebot gilt nicht nur für die Wege zu den Ausbildungsstätten, sondern auch für Fahrten in der Freizeit. Laut Verkehrsministerium erfüllen rund 34.000 junge Leute im Land die Voraussetzungen für das Ticket.

Bahnstrecken abbestellt

„Profitieren werden vom neuen Ticketangebot vor allem Azubis, die bisher bereits Bus und Bahn zur Ausbildungsstätte genutzt haben und nun etwas Geld einsparen“, sagt Drews. In vielen kleineren Städten und Gemeinden des Landes entspreche das Bus- und Bahnangebot jedoch nicht den Mobilitätsbedürfnissen, um den täglichen Weg zur Berufsschule mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen zu können.

Das Land habe in der Vergangenheit einige bedeutsame Bahnstrecken abbestellt, kritisiert Drews. In Malchow werde beispielsweise die erste Verbindung in Richtung Waren oder Parchim erst gegen 7 Uhr angeboten. Das sei viel zu spät, um eine Berufsschule in Güstrow oder Rostock zu erreichen. Auf anderen Verbindungen, wie zum Beispiel von Neustrelitz und Neubrandenburg zum Berufsschulstandort Stralsund seien Azubis mit öffentlichen Verkehrsmitteln mindestens 30 bis 45 Minuten länger unterwegs als mit dem eigenen Pkw.

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Ausbau des Bus- und Bahnangebots gefordert

Vor diesem Hintergrund wäre es nach Ansicht von ProBahn sinnvoll, die zehn Millionen Euro, die die Landesregierung für das Azubiticket eingeplant hat, zunächst in den Ausbau des Bus- und Bahnangebots zu investieren. „Erst wenn ein flächendeckend attraktives Angebot vorhanden ist, lassen sich mit günstigen Ticketangeboten dauerhaft junge Leute als neue Fahrgäste für den öffentlichen Personenverkehr gewinnen“, meint Drews.

Die Einführung des Azubitickets war seit Jahren von der Wirtschaft gefordert worden. Nach Angaben der IHK Neubrandenburg pendelt derzeit mehr als jeder vierte Lehrling länger als 90 Minuten zu seiner Berufsschule. Das Azubiticket sei ein erster Schritt, zwar nicht die Wege abzukürzen, aber deren Kosten für die Auszubildenden abzufedern, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Torsten Haasch.

Auch er sieht Nachbesserungsbedarf: Jetzt müsse gemeinsam mit dem Land überprüft werden, wie das Angebot insbesondere von Auszubildenden in ländlichen Regionen genutzt werden könne. In einem zweiten Schritt müssten für alle Lehrlinge Lösungen gefunden werden, denen die Nutzung des Nahverkehrs nicht möglich sei.

Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern fordert ebenfalls einen nächsten Schritt: Jetzt müsse überprüft werden, ob auch Jugendliche, die in andere Bundesländer zur Berufsschule müssten, unterstützt werden könnten.

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