Viele Betriebe im Land suchen händeringend Nachwuchs. Das Azubi-Ticket sollte helfen, die Ausbildung attraktiver zu mache
Viele Betriebe im Land suchen händeringend Nachwuchs. Das Azubi-Ticket sollte helfen, die Ausbildung attraktiver zu machen. Doch nur wenige nutzen es. Martin Schutt
Für 365 Euro

Azubiticket MV erweist sich oft als Ladenhüter

Für einen Euro pro Tag durchs Land: Mit diesem Angebot sollten Lehrlinge unterstützt werden. Doch das politische Prestige-Projekt wird kaum genutzt.
Neubrandenburg

Das vor knapp einem Jahr eingeführte Azubiticket MV ist bisher bei den meisten Lehrlingen und weiteren Berechtigten auf Desinteresse gestoßen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind von Februar bis Dezember 2021 bisher 7744 der digitalen Tickets verkauft worden.

Lesen Sie auch: Azubiticket in MV auf dem Land unbrauchbar

Nur jeder vierte Azubi hat Interesse

Für 365 Euro im Jahr können damit Lehrlinge, Menschen in Freiwilligendiensten sowie Beamtenanwärter der Laufbahngruppe I unbegrenzt per Bus oder Schiene durch das Land fahren. Vor einem Jahr war das Verkehrsministerium davon ausgegangen, dass bis zu 34000 Personen in MV Anspruch auf das Ticket haben. Damit greifen bisher rund 23 Prozent der Berechtigten auf das Azubiticket zurück.

Betriebe kritisieren lange Wege

Nach längerem Tauziehen zwischen Wirtschaft und Landesregierung war das einen Euro pro Tag teure Sonderticket im Februar 2021 eingeführt worden. Zuvor waren Bemühungen um ein Gratis-Angebot im öffentlichen Nahverkehr gescheitert. Industrie, Handwerk und Handel hatten Druck gemacht, weil für die jungen Leute die Wege zu den Berufsschulen durch die Zusammenlegung von Standorten zunehmend länger geworden waren.

Lesen Sie auch: 365-Euro-Ticket für Studenten angeblich in MV nicht finanzierbar

Nahverkehr zu schlecht ausgebaut

Allerdings hatte es von Anfang an Zweifel gegeben, ob angesichts des teils lückenhaften Angebots im Nahverkehr in ländlichen Regionen für alle Lehrlinge gleichermaßen nutzbar ist. Der Fahrgastverband hatte darauf hin gewiesen, dass gerade aus dem Osten des Landes Lehrlinge oft deutlich schneller mit dem Auto zum Ausbildungsort gelangen als mit Bus oder Bahn. Das Land habe in der Vergangenheit wichtige Angebote abbestellt. Eine Folge: Lehrlinge mit größeren Entfernungen zur Berufsschule müssen zusätzlich einen Internatsplatz buchen.

Ministerium sieht das alles anders

Dieser Einschätzung geben die aktuellen Daten des Wirtschaftsministeriums zur Herkunft der Ticketkäufer recht. Nach Postleitzahlen verteilt ergebe sich ein weitestgehend gleichmäßig verteilter Erwerb über das gesamte Bundesland, heißt es zwar. „Nachfragespitzen” gebe es insbesondere im Raum Rostock sowie rund um die Ober- und Mittelzentren, insbesondere Schwerin, Stralsund, Wismar, Grevesmühlen, Hagenow, Ludwigslust, Parchim, Güstrow und Ribnitz-Damgarten. Die Region um Neubrandenburg und Teile Vorpommerns sind damit ausgespart, weil es hier weniger Ausbildungsstätten gibt.

„Das digitale AzubiTicket MV ist bereits im ersten Jahr sehr gut angenommen worden”, erklärte dessen ungeachtet Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Er kündigte an, dass das pro Jahr fünf Millionen Euro teure Angebot langfristig fortgesetzt werden solle. Die IHK Neubrandenburg hatte sich jüngst dafür eingesetzt, Lehrlingen, die mit dem Auto zur Berufsschule fahren müssen, gefahrene Kilometer über ein Pauschale abrechnen dürfen. Als weiteres Problem gilt, dass mit dem Azubiticket nur Fahrten innerhalb des Landes abgedeckt sind. Allerdings decken die Berufsschulen in MV nur einen Teil der angebotenen Lehrberufe ab.

zur Homepage