ZÜGE ÜBERFÜLLT

Bahn muss Fahrgäste stehen lassen

Die Züge aus Berlin nach Mecklenburg-Vorpommern waren am Wochenende wieder einmal so überfüllt, dass Fahrgäste am Bahnhof zurückbleiben mussten. Doch vom zuständigen Ministerium heißt es: Da kann man leider nichts machen.
Gabriel Kords Gabriel Kords
Simon Voigt Simon Voigt
So voll wie auf diesem Archivbild aus Neustrelitz wird es auf manchen Strecken im Land an Sommer-Wochenenden regelmäßig.
So voll wie auf diesem Archivbild aus Neustrelitz wird es auf manchen Strecken im Land an Sommer-Wochenenden regelmäßig. Lemke / NK-Archiv
Neubrandenburg.

Immer wieder kommt es im Sommer zu überfüllten Zügen zwischen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern - am vorigen Wochenende war die Lage offenbar besonders angespannt. Allein für die östliche Linie RE3 über Prenzlau, Pasewalk und Anklam liegen unserer Redaktion drei Berichte vor, denen zufolge Fahrgäste am Bahnhof zurückbleiben mussten. Auch in den Internet-Netzwerken häufen sich Schilderungen über teils absurde Zustände. Zumal der Verkehr auf den Strecken in richtung Nordosten wegen einer Großbaustelle am Karower Kreuz ohnehin beschwerlicher ist als sonst.

Die Bahn sah sich am Mittwoch nicht in der Lage, sich zu den Problemen zu äußern und kündigte für Donnerstag eine Stellungnahme an. Das Schweriner Verkehrsministerium, das für den Regionalverkehr in MV verantwortlich ist, teilte hingegen mit, man kenne das generelle Problem. Um der Nachfrage gerecht zu werden, seien die Berlin-Züge in den Sommermonaten bereits von vier auf fünf Waggons verlängert worden – das allerdings schon vor Jahren.

Land lässt 175 Millionen Euro für Zugverkehr liegen 

Darüber hinaus könne man leider nichts tun, schreibt das Ministerium. Für zusätzliche Züge sei kein Geld da, „angesichts der sich absehbar verschlechternden Ausstattung des Landes mit Regionalisierungsmitteln“. Diese Mittel überweist der Bund für den ÖPNV an die Länder. Dabei verschweigt das Ministerium allerdings, dass es seit Jahren nicht alle Gelder ausgibt, sondern etwas auf die hohe Kante legt, um für schlechtere Zeiten gewappnet zu sein. Zwischen 2014 und 2017 haben sich dort 175  Millionen Euro angesammelt, hat die oppositionelle Linke im Landtag recherchiert. Die Partei kritisiert, dass die Mittel nicht ausgegeben wurden. Denn von den 175 Millionen Euro ließe sich so mancher Extra-Zug im Sommer bezahlen.

Dass es theoretisch auch anders geht, zeigt das vorige Wochenende: Für Kreuzfahrtgäste aus Warnemünde, die einen Tagesausflug nach Berlin machten, wurden drei Sonderzüge eingesetzt. Die Rechnung zahlte in diesem Fall der Kreuzfahrt-Anbieter.

 

 

 

 

Nordkurier-Aktion: Melden Sie uns überfüllte Züge!

Weil weder die Bahn noch das Schweriner Verkehrsministerium eine Statistik darüber führen, wie oft die Züge überfüllt sind, bitten wir Sie um Ihre Mithilfe. Wenn Sie in den kommenden Tagen mit der Bahn zwischen Berlin und MV unterwegs sind, schreiben Sie uns, wie voll Ihr Zug ist! Sie erreichen unsere Redaktion per E-Mail an desk-online@nordkurier.de, auf Facebook, sowie auf Twitter. Sie können auch einfach mit dem Hashtag #zugvollmv twittern. Alle Infos zu der Aktion gibt’s hier.

 

 

 

 

+++ Kommentar +++

von Simon Voigt

Das Leben in vollen Zügen genießen – im Sommer geht das in MV besonders gut. Für die Landesregierung sind Szenen wie am Wochenende ziemlich peinlich, sehen die vielen Urlauber doch deutlich, wo hier die Prioritäten liegen. Jahrzehntelang wurde eine Strecke nach der anderen stillgelegt. Gleichzeitig stauen sich die Autos, vor allem auf Usedom und Rügen. Klimaziele kann man mit dieser Politik natürlich nicht erreichen.

Dabei ist der Ansatz für eine grundlegende Wende da: In ihrem Koalitionsvertrag hat sich die neue Bundesregierung viel konkreter als früher für eine Stärkung der Schiene ausgesprochen. Seit einer gefühlten Ewigkeit steht der Individualverkehr an erster Stelle, nun sollen endlich wieder mehr Menschen zum Bahnfahren gebracht werden. Das Urlaubsland MV hätte da ein Vorreiter sein können – doch derzeit sieht es, wieder mal, eher nach Schlusslicht aus.

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Kommentare (6)

Das sind alles nur dumme Ausreden von Politik und Wirtschaft. Die Politiker bekommen ihre Schmiergelder und machen keine Politik für das Volk. Die Bahn wird schon seit Jahren gegenüber dem Auto ständig benachteiligt. Die Deutsche Bahn möchte nur ihre Aktionäre an der Börse glücklich stellen, dafür muss eben wieder im ländlichen Raum die Bahn dem Auto weichen. Das man ganz intelligent mehr Züge und Waggons dem Fahrgastaufkommen angleicht, wird nur aus reiner Profitgier nicht gemacht. Es ist an der Zeit, den Aktionären den Stecker aus der Steckdose zu ziehen und mit einer Verstaatlichung der Bahn zu drohen. Andere Länder wie der Schweiz zeigen es doch uns seit Jahrzehnten wie es richtig rum geht. Dort stehen Auto,- Mineralöl und Straßenbaukonzerne immer ganz hinten an und es funktioniert wunderbar. Und selbst das Auto muss in manchen Regionen der Schweiz auf der Schiene transportiert werden, sonst kommt man damit nicht mehr weiter.

Die Deutsche Bahn AG befindet sich zu 100% im Eigentum des Bundes, Aktien werden nicht an der Börse gehandelt. So ist die von Ihnen skizzierte "Verstaatlichung der Bahn" nach wie vor gegeben.

Wie witzig das der Bund sich inzwischen in den Händen der internationalen Zentralbänker wieder findet. Und diese bestimmen die gnadenlose Gewinnmaximierung und Ausschlachtung der Deutschen Bahn AG. Wenn die Bahn nicht mehr wild als Aktie zur Spekulation frei gegeben würde, kann man auch davon ausgehen, dass obige Zustände sich wieder normalisieren würden.

Sie schrieben: „Wenn die Bahn nicht mehr wild als Aktie zur Spekulation frei gegeben würde [...]“.

Wie bereits von mir ausgeführt, stehen doch gar keine Aktien „der Bahn“ zur Spekulation zur Verfügung.

Ich würde mal sagen, wir lassen das mal für die intelligenteren Menschen hier im Kommentar Bereich offen stehen. Bei anderen Themen wird die Meinungsfreiheit gern schnell gelöscht. Nun ist der westliche Werte Journalismus mit seiner multikulturellen Kultur von Freiheit, Brüderlichkeit und Liberalität wieder mal am geistigen Ende angekommen. Zum Glück ist Facebook Chef Mark Zuckerberg auf seiner Plattform doch überraschend liberaler als hierzulande geworden, als er es inzwischen als Meinungsfreiheit bezeichnete. Im Gegensatz zum freisten Land der Welt, mit der Bahn Aktie in der Hand, wo der Wahrheitssuchende bei existenziellen Themen doch für lebenslänglich hinter Gitter wandert.

Darauf versteht sich unsere Landesregierung und das in allen Ressorts. Wir wollen das tollste Urlaubsland sein, schaffen es jedoch nicht unsere Besucher umweltfreundlich an ihr Ziel zu bringen. Stattdessen hat man das Gefühl der Autoverkehr wird bevorzugt. Ist es doch so schön einfach, da hier für das Land kaum Kosten entstehen. Andere Bundesländer machen es besser. Hier gibt es bsp. Gästekarten zur kostenfreien Nutzung des ÖPNV. Bei uns schafft man es nicht einmal genügend Züge zur Verfügung zu stellen und somit auf die so erfreuliche gestiegene Nachfrage zu reagieren. Einfach ein peinliches Bild wenn große Töne gespuckt werden und dann solche Taten folgen.