VOLLE ZÜGE

Bahn räumt Probleme ein - und will nichts ändern

Die Bahn reagiert auf die Nordkurier-Berichterstattung über volle Züge zwischen MV und Berlin mit dem Eingeständnis: Die Probleme seien „kein Einzelfall”. Ändern könne man daran aber nichts. Unsere Redaktion sucht jetzt Infos über volle Züge.
Gabriel Kords Gabriel Kords
Dieses Foto eines überfüllten Zuges in Richtung Rostock entstand am Mittwochnachmittag im Berliner Hauptbahnhof. Ein Leser hat es uns zugeschickt.
Dieses Foto eines überfüllten Zuges in Richtung Rostock entstand am Mittwochnachmittag im Berliner Hauptbahnhof. Ein Leser hat es uns zugeschickt. ZVG
Neubrandenburg.

Auf Anfrage des Nordkurier, der am Donnerstag über massive Kapazitätsprobleme im Bahnverkehr zwischen MV und Berlin berichtet hatte, räumte Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert ein: „Kapazitätsprobleme auf der RE 3 und RE 5 im Sommer, insbesondere bei schönem Wetter zur Ostsee, sind keine Einzelfälle.“

Und nun? Ändert sich nichts. Denn einerseits kann die Bahn keine weiteren Waggons anhängen, weil viele Bahnsteige an den Strecken laut Ahlert keine Züge mit mehr als fünf Wagen aufnehmen können. Andererseits ist das Land MV nicht bereit, zusätzliche Regionalzüge bei der Bahn oder einem anderen Anbieter zu bestellen. Denn selbst ein überfüllter Regionalzug ist nicht kostendeckend – die Bahn-Unternehmen sind dafür auf staatliche Zuschüsse angewiesen.

Touristiker sind wütend, dass Menschen stehen bleiben

Doch das Ministerium in Schwerin hatte mit Verweis auf die sinkenden Zuschüsse des Bundes erklärt, man könne keine weiteren Züge beauftragen. Die Behörde geht aber ohnehin davon aus, dass es sich bei den Vorkommnissen um Einzelfälle handelt.

Der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Bernd Fischer, kritisierte die Vorgänge: „Es ist bedauerlich, dass hier nicht die notwendige Flexibilität im Sinne der Urlauber vorhanden ist“, sagte Fischer. Auch mit Blick auf den demografischen Wandel sei es wichtig, dass Urlauber bequem mit der Bahn an ihre Ziele kommen. Denn gerade jüngere Leute verzichteten zunehmend auf ein eigenes Auto und seien deshalb auf eine funktionierende Bahnverbindung angewiesen. Bekanntlich gibt es in dieser Saison auch im Autoverkehr besondere Hürden, etwa am A20-Krater oder auf Rügen.

Bahn: „Im Sommer 2018 nichts mehr umsetzbar”

Die Bahn teilte mit, man rechne nicht damit, dass das Land zusätzliche Verkehre auf den überlasteten Verbindungen bestellen würde. Für den Fall, dass dies doch geschehe, sei eine Realisierung im Jahr 2018 allerdings nahezu unmöglich: „Für den Sommer 2018 halten wir dies für nicht mehr umsetzbar.” Denn bevor regelmäßige zusätzliche Züge eingerichtet würden, müsse geprüft werden, ob Ressourcen wie Fahrzeuge, Personal und Fahrplantrassen überhaupt verfügbar seien.

Allerdings verwies die Bahn darauf, in den vergangenen Jahren das 2009 zusammengestutzte Fernverkehrsangebot zwischen Berlin und Stralsund für den Wochenend-Verkehr stark ausgebaut zu haben: „Die Züge des Fernverkehrs verkehren an den Wochenenden im Sommer schon jetzt deutlich öfter zur Deckung der höheren Nachfrage z.B. zwischen Berlin und Stralsund an Samstagen sechs mal und an Sonntagen von Stralsund nach Berlin fünf mal.”

Nordkurier-Aktion: Melden Sie uns überfüllte Züge!

Weil weder die Bahn noch das Schweriner Verkehrsministerium eine Statistik darüber führen, wie oft die Züge überfüllt sind, bitten wir Sie um Ihre Mithilfe. Wenn Sie in den kommenden Tagen mit der Bahn zwischen Berlin und MV unterwegs sind, schreiben Sie uns, wie voll Ihr Zug ist! Sie erreichen unsere Redaktion per E-Mail an desk-online@nordkurier.de, auf Facebook, sowie auf Twitter. Sie können auch einfach mit dem Hashtag #zugvollmv twittern. Alle Infos zu der Aktion gibt’s hier.

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Kommentare (3)

Wenn ein überfüllter Zug nicht kostendeckend zu betreiben ist, muss die Bahn ihr Geschäftskonzept überdenken. Es spricht für sich... Probleme werden erkannt, aber trotzdem bleibt alles wie es ist. Noch dazu hat man sich entschlossen die Bahnsteige im Zuge von Sanierungsmaßnahmen zu kastrieren. An vielen Stationen können nur noch "Minizüge" halten. Selbst eine Stadt wie Neubrandenburg hat nur noch Bahnsteige mit Regionalzuglänge. Dies alles bedeutet, dass das Bahnkonzept auf Jahrzehnte darauf ausgelegt ist, in MV keinen nennenswerten Fernzugverkehr zu etablieren. Eine Schande für ein Tourismusland. Bahn und Politik müssen hier gemeinsam reagieren und nicht nur den schwarzen Peter dem Anderen zuschieben, zumal die Bahn dem Bund gehört. Also lieber Politiker, tut mal so als würdet ihr nicht nur über attraktiven Bahnverkehr reden. Nur mit einem attraktiven Angebot an Relationen werden die Menschen vom Auto auf den Zug umsteigen.

Wenn ein wichtiges NWO-Konzert oder ein Fusion Festival im Norden läuft, hat man plötzlich ganze Züge auf Lager um einen normalen Verkehrsablauf der Fahrgäste zu gewährleisten. (wird hier fleißig im Nordkurier immer Propagandamäßig darüber berichtet.) Alternativ kann auch die Bahn Züge anmieten oder auch kostenlos von Eisenbahnfreunden gestellt bekommen. Man beachte auch das Potenzial der Schienenersatzfahrzeuge (z.B. Flixbus). Es kann nicht sein, dass derzeit ein Super Geschäft gemacht werden kann und die Bahn sagt zum Kunden "Nö ich will nicht, ich hab kein Bock". Hier muss sofort mit Verstaatlichung gedroht werden. Die Bahn muss weg vom Spielcasino der Frankfurter Börse. Die Politik ist mir einfach zu weichgespühlt, betrügt er seine Wähler und verkauft seine Heimat.

Kürzt die gehälter der führungsriege und nicht die bahnsteiglängen in den bahnhöfen!