Das 9-Euro-Ticket treibt die Bürger – wie hier am Bahnhof Stralsund – in die Züge. Doch warum ist die Ba
Das 9-Euro-Ticket treibt die Bürger – wie hier am Bahnhof Stralsund – in die Züge. Doch warum ist die Bahn auf den Ansturm nicht vorbereitet? Stefan Sauer
9-Euro-Ticket

Bahnchaos in MV – schwere Vorwürfe gegen das Land

Überfüllte Züge, wütende Kunden, massive Verspätungen – das Pfingstwochenende mit dem 9-Euro-Ticket im ÖPNV wirkt nach. Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert einen Kurswechsel.
Schwerin

Den oftmals erhobenen Vorwurf, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern den öffentlichen Nahverkehr kaputt gespart habe, hält Marcel Drews für absolut richtig. „Beim Schienenpersonennahverkehr (SPNV), wo das Land direkten Einfluss hat, wurde vor zehn Jahren ein Sparkurs mit Kürzungen umgesetzt, der immer noch im Land zu spüren ist. Es gibt noch immer Lücken, die nur langsam geschlossen werden beziehungsweise bei denen noch Lösungen gefunden werden müssen”, sagt der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

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Als Beispiel nennt Drews die Südbahn zwischen Malchow und Parchim mit der Einstellung des ganzjährigen SPNV im Jahr 2014 oder die Bahnstrecke zwischen Neubrandenburg und Stralsund, bei der am Wochenende der Stundentakt zwischen Samstagnachmittag und Sonntagmittag auf einen 2-Stunden-Takt reduziert worden sei. Drews weiter: „In einigen Regionen, wo die Landkreise für den ÖPNV auf der Straße verantwortlich sind, ist das Busangebot auf einen Schulbusverkehr reduziert, wodurch in den Ferien die Mobilität ohne Auto oft nicht möglich ist.”

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Pro Bahn, der Verband setzt sich für die Interessen der Fahrgäste ein, sieht den Hauptverantwortlichen für das Dilemma beim Land selbst. „Denn obwohl der Bund reichlich Gelder zur Verfügung stellt, kommt dies nur unzureichend beim SPNV an. Das Land rechnet sich geschickt arm. Obwohl mit den Regionalisierungsmitteln des Bundes laut Gesetz insbesondere der Schienenpersonennahverkehr zu finanzieren ist, tätigt das Land beispielsweise seit 2020 zusätzliche Ausgaben über diese Finanzmittel und belastet unnötig den SPNV, der dadurch nicht ausreichend ausgebaut werden kann beziehungsweise wird”, kritisiert Drews.

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Die Schwachstellen im ÖPNV-Angebot müssten gezielt abgebaut werden. Beim SPNV müsse möglichst auf allen Strecken mindestens ein Stundentakt geschaffen werden, so Drews. „Allerdings bedürfen einige SPNV-Strecken einem Ausbau und einer Anpassung des Betriebskonzeptes, damit sich merkliche Reisezeitverkürzungen ergeben und künftig auch jene Berufstätige diese Angebote nutzen, für die heute nur das Auto für den Weg zur Arbeit in Frage kommt”, fordert der Pro-Bahn-Chef.

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Um auch Städte und Gemeinden abseits von SPNV-Strecken an ein attraktives Angebot anzuschließen, wäre die zügige Einführung von landesbedeutsamen Buslinien zwischen größeren Städten und Regionen des Landes sinnvoll, die von morgens bis abends im Stunden beziehungsweise Zwei-Stunden-Takt verkehren. Wichtig wäre laut Drews auch die Einführung eines landesweiten MV-Tarifes. Dieser könnte das unkomplizierte Umsteigen zwischen Bahn und Bus mit nur einem Fahrschein ermöglichen.

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Und das 9-Euro-Ticket – was passiert, sobald das Billigangebot Ende August ausläuft? „Wenn die Bundespolitik eine nachhaltige Wirkung für den ÖPNV anstrebt, muss über die Finanzierung zum Ausbau des Angebotes neu nachgedacht werden. Denn nicht nur das Angebot stündlicher Busse und Bahnen ist entscheidend für die Nutzung, sondern auch der Preis.” Sollte der Preis ab September wieder das alte Niveau erreichen, würden viele 9-Euro-Ticket-Nutzer wieder zum Auto zurück kehren, befürchtet Drews.

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