Frauenklinik

Bald keine stationäre Geburtshilfe mehr auf Rügen

Die einzige Geburtenstation auf der Insel Rügen wird bald schließen – zumindest vorerst. Ob das Sana Klinikum aber jemals wieder stationäre Geburtshilfe anbietet, ist ungewiss.
Die Sana Klinik verfügt aktuell nur über zwei festangestellte Hebammen. Trotz der Hilfe von Beleghebammen reicht das
Die Sana Klinik verfügt aktuell nur über zwei festangestellte Hebammen. Trotz der Hilfe von Beleghebammen reicht das nicht für ein Drei-Schicht-System aus. Julian Stratenschulte
Bergen

Die Sana Klinik in Bergen auf Rügen wird ab dem 17. Mai ihre Geburtshilfestation schließen. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit. 79 Babys sind in diesem Jahr bisher auf der Station zur Welt gekommen. Wie viele es noch werden, ist unklar. Ob nach dem 17. Mai jemals wieder Kinder in der Bergener Klinik auf die Welt kommen, ist ebenfalls unsicher. Kaiserschnitte und auch die Kinderklinik sollen aber bestehen bleiben.

Schichtsystem ist nicht möglich

„Aus der heutigen Situation lässt sich leider nicht vorhersagen, wann eine Wiederaufnahme der umfassenden Leistungsangebote in der Geburtshilfe möglich sein wird”, antwortet Kliniksprecherin Doreen Ohlhoff auf eine schriftliche Nordkurier-Anfrage. Die „heutige Situation” bedeutet, dass laut Klinikmitteilung „ab Ende April vier Ärzte in den kommenden Monaten” die Frauenklinik verlassen werden.

Hinzu komme eine seit vier Jahren hohe Fluktuation im Hebammen-Team. Kliniksprecherin Ohlhoff wird auf Nachfrage etwas konkreter: „Im Sana-Krankenhaus Rügen sind vier festangestellte Hebammen beschäftigt, von denen aktuell zwei Hebammen tatsächlich tätig sind. Zwei Hebammenstellen sind aktuell nicht besetzt. Für ein funktionierendes 3-Schichtsystem sind mindestens sechs Hebammen notwendig.” Unterstützt wird die Frauenklinik von Beleghebammen bzw. freien Geburtshelferinnen. „Wir kooperieren mit zwei freiberuflichen Hebammen, die in der 1:1-Betreuung als Beleghebamme Schwangere zur Entbindung begleiten und uns auch bei personellen Engpässen immer wieder unterstützen”, schreibt Ohlhoff.

Warum findet sich kein Personal?

Doch warum genau ist die Fluktuation im Bergener Sana Krankenhaus so hoch? Und warum verlassen vier Ärzte innerhalb kurzer Zeit die Frauenklinik? Bei diesen Fragen beruft sich die Kliniksprecherin auf den Datenschutz. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir dazu keine Auskunft erteilen. Diese persönlichen Informationen unterliegen, wenn sie uns bekannt sind, dem Datenschutz.”

Die Klinik beteuert, dass sie bereits mit allen zuständigen Behörden und Amtsträgern in Kontakt sei. Das bestätigen sowohl Vorpommern-Rügens Kreissprecher Olaf Manzke als auch Gunnar Bauer, Pressesprecher des Gesundheitsministeriums in Schwerin. Der Landkreis ist beunruhigt, das Gesundheitsministerium bleibt erst einmal gelassen.

Laut Ministeriumssprecher Bauer bleibe die Bergener Geburtshilfestation im Krankenhausplan des Landes bestehen. Abgemeldet ist sie aber erst einmal, weil der Träger des Krankenhauses ein Qualitätskriterium nicht erfüllen kann – im konkreten Fall ist das ausreichendes Personal. Die Versorgung in dieser Zeit durch das Helios Klinikum in Stralsund statt, bis das Problem gelöst ist.

Gesundheitsministerium entspannt, Landkreis beunruhigt

Laut Bauer und Ohlhoff befindet sich Sana bereits in der Personalakquise. „Wir sind im Gespräch und wollen unterstützen, beispielsweise, wenn es um die Personalbeschaffung geht. Darüber hinaus werden wir ein Gespräch mit der Konzernspitze führen, um Lösungen zu finden”, schreibt Bauer.

Bei Kreissprecher Olaf Manzke klingt das weniger hoffnungsvoll. Der Landkreis sei beunruhigt, Landrat Stefan Kerth (SPD) führe bereits ebenfalls Gespräche, um bei der Problemlösung zu helfen. „Die letzte Geburtenstation auf Rügen darf nicht endgültig dicht machen”, sagt Manzke.

Ein Grund für die Besorgnis dürften Beispiele aus Wolgast oder Ribnitz-Damgarten sein. In letzterem Fall wurde die Geburtenabteilung Ende 2008 geschlossen, weil die Zahl der Geburten seit der Wende rückläufig gewesen sein soll. Etwas anders verhielt es sich in Wolgast. Dort hatte im Jahr 2015 das damals zuständige Sozialministerium in Schwerin die Schließung der Kinder-, Geburten- und Frauenklinik mit der Qualität der Versorgung begründet. Die Fallzahlen in Wolgast seien zu niedrig, als dass eine hochwertige Versorgung sichergestellt werden könne, hieß es aus dem damaligen Ressort der heutigen Landtagspräsidentin Birgit Hesse (SPD). Kritiker hatten der Landesregierung vorgeworfen, es handle sich um eine reine Sparmaßnahme.

Komplizierter Name, komische Funktion?

Und auch die Wolgaster wollten die Schließung nicht hinnehmen. Es fanden regelmäßige Mahnwachen vor der Klinik statt. Minister Harry Glawe (CDU), in dessen Wirtschaftsressort das Thema Gesundheit mittlerweile übergangen war, stellte eine Lösung in Aussicht. Die fand aber nicht überall Befriedung, denn eine Kinder-, Geburten- und Frauenklinik wurde bis heute nicht reaktiviert. Stattdessen gibt es seit einigen Jahren eine sogenannte Praxisportalklinik, deren Funktion genauso kompliziert ist, wie ihr Name klingt. Sie ist eine Übergangsstation, die Untersuchungen und einfache Behandlungen vor Ort ermöglicht – gerade außerhalb der Sprechzeiten von niedergelassenen Kinderärzten. Bei einfachen Krankheitsbildern können Kinder auch mal über Nacht aufgenommen werden. Schwierige Fälle werden weiterhin nach Greifswald gebracht. Es sei eine fachliche, aber auch politische Entscheidung gewesen, so Minister Glawe damals.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Bergen

zur Homepage