TREIBSTOFF-SCHNELLABLASS

Bald mehr Kerosin-Duschen über dem Nordosten?

In Notfällen lassen Flugzeuge Treibstoff ab, um sicher landen zu können. Jetzt schlägt das Bundesamt die Ausweitung von betroffenen Gebieten vor.
Jörg Spreemann Jörg Spreemann
Im Luftraum über MV und Brandenburg haben Passagierflugzeuge große Mengen Treibstoff abgelassen
Im Luftraum über MV und Brandenburg haben Passagierflugzeuge große Mengen Treibstoff abgelassen Federico Gambarini
Neubrandenburg.

Im Luftraum über Mecklenburg-Vorpommern und dem nördlichen Brandenburg haben in den vergangenen Monaten Passagierflugzeuge mehrmals große Mengen an Treibstoff ablassen müssen. Das geht aus einer Aufstellung der Bundesregierung hervor, die dem Nordkurier vorliegt.

Demnach liegt der letzte Vorfall erst wenige Tage zurück: Am 27. April ließ eine Maschine in rund 8500 Metern Höhe über einem Streifen zwischen der Uckermark und der Ostseeküste 37 Tonnen Kerosin ab. Das ist mehr als die volle Ladung eines Tanklasters. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich über dem Nordosten am 15. September mit 68,5 Tonnen und 12. November mit 0,5 Tonnen.

Folgt die Bundesregierung den Empfehlungen des Umweltbundesamtes (UBA), könnte der Nordosten künftig öfter als bisher mit Kerosin „geduscht“ werden. Das geht aus einem Gutachten hervor, das der Bund auf Druck der Länder erstellt hat, die sich über diese Praxis unzureichend informiert fühlen.

Dünne Erkenntnislage über die Folgen

Hintergrund ist die dünne Erkenntnislage über die Folgen solcher Notaktionen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Der sogenannte Treibstoff-Schnellablass wird vom Flugkapitän angeordnet, wenn die Maschine wegen technischer Probleme oder der Erkrankung eines Passagiers so schnell wie möglich landen muss. Dazu müssen die Flugzeuge „abspecken“, um ihr erlaubtes Landegewicht zu erreichen.

Das Umweltbundesamt schlägt als Ergebnis seiner Untersuchung vor, die entsprechende Betriebsanweisung für die Flugsicherung zu ergänzen. Demnach sollen den Piloten für den Treibstoffschnellablass „nach Möglichkeit“ alternierende Lufträume abseits großer Städte zugewiesen werden, um mögliche Belastungen zu verteilen. Bisher ist besonders Rheinland-Pfalz von den „Kerosinduschen“ durch Militär- und Zivilflugzeuge betroffen.

Laut UBA keine „gravierenden“ Umweltauswirkungen

Insbesondere Langstreckenmaschinen verfügen über technische Einrichtungen, um den Sprit, der krebserregende Bestandteile enthält, in der Luft zu zerstäuben und damit abzulassen. Mit solchen Maschinen werden interkontinentale Flugrouten nach Asien betrieben, die oft über den Nordosten Deutschlands führen. Nach der UBS-Studie können im schlimmsten Fall – bei schwachem Wind und einer Ablasshöhe von lediglich rund 1500 Metern – im Winter (minus 10 Grad Celsius) bis zu 59 Prozent und im Sommer (20 Grad) bis zu vier Prozent des Kerosins am Boden ankommen.

Trotzdem bestünden keine gesundheitlichen Bedenken, so das Umweltbundesamt. Als Vorsorge jedoch sollen die Zonen für den Treibstoffablass breiter verteilt werden, um die Konzentration der Schadstoffe auf wenige Gebiete zu vermeiden. Das Schweriner Umweltministerium sieht in der geplanten Ergänzung der Vorschriften eine „zusätzliche Sicherheitsoption“ für den Flugverkehr, die befürwortet werde. Es gebe laut UBA keine „gravierenden“ Umweltauswirkungen, so eine Sprecherin.

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Kommentare (1)

...aber wo genau liegen dann diese "Zonen" ?
Das Luftfahrtbundesamt hält sich in seinen Veröffentlichungen hierzu auch sehr bedeckt.