Nur noch vier Tage in der Schule; am fünften Tag dann in ein Unternehmen oder an die Uni: So stellt sich die MV-FDP die Z
Nur noch vier Tage in der Schule; am fünften Tag dann in ein Unternehmen oder an die Uni: So stellt sich die MV-FDP die Zukunft der Bildung im Bundesland vor. Marcel Kusch
Bildung

Bald nur noch Vier-Tage-Woche an Schulen in MV?

Sachsen-Anhalt macht es vor, nun soll Mecklenburg-Vorpommern nachziehen – zumindest nach dem Willen der FDP-Fraktion in Schwerin: Schüler sollen nur noch vier Tage zur Schule gehen.
Schwerin

Die FDP im Schweriner Landtag fordert die Landesregierung auf, ein Vier-Tage-Modell in den Schulen des Landes zu prüfen. „Dass unser Bildungssystem dringend modernisiert werden muss, hat uns zuletzt die Corona-Pandemie noch einmal deutlich vor Augen geführt. In Sachsen-Anhalt ist diese Erkenntnis angekommen und es wird gehandelt. Diese Tatkraft erwarten wir auch von unserer Landesregierung”, lässt sich Sabine Enseleit in einer Mitteilung zitieren.

Enge Verzahnung zwischen Schule, Wirtschaft und Wissenschaft

Die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion verweist auf jenes Modell, das Sachsen-Anhalt im neuen Schuljahr erproben will. Doch anders als dort solle der sogenannte „Distanztag” in MV nicht flexibel gestaltet werden. Die MV-FDP will Schule und Wirtschaft eng vernetzen. Enseleit: „Projekte, Exkursionen, Schnupperstudiumstage an Universitäten und Betriebskooperationen geben oft nachhaltige Impulse für die Lebensorientierung und die spätere Berufswahl.”

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Die rot-rote Landesregierung solle daher das „4+1”-Modell auch für Mecklenburg-Vorpommern prüfen. „Wichtig ist und bleibt aber, dass neben den Bemühungen zu einem 4+1-Modell die verstärkte Ausbildung von Lehrkräften und die Einstellungsoffensive im Bildungsbereich mit Hochdruck weitergeführt werden“, so Enseleit.

„Verzweiflungstaten der Länder nehmen zu”

Damit bezieht sie sich offenbar auf Kritik von Bildungsverbänden, die eine Vier-Tage-Woche in der Schule plus einem Distanztag, wie es jetzt in einem Modellversuch in Sachsen-Anhalt erprobt werden soll, ablehnen. „Das sehen wir außerordentlich kritisch”, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben nicht nur den Verdacht, dass da ein Sparmodell schrittweise auf leisen Sohlen eingeführt werden soll, sondern dass dadurch auch die Unterrichtsausfallstatistik massiv geschönt werden soll.”

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„Die Verzweiflungstaten der Länder, um den lange schöngeredeten Lehrkräftemangel zu kaschieren, nehmen zu”, sagte der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann der dpa. „Die Maßnahme in Sachsen-Anhalt ist nichts anderes als das Eingeständnis einer über Jahre verfehlten Personalpolitik und eine verschleierte Kürzung der Stundentafel.” Er sprach von einer Notmaßnahme, weil zunehmend erkannt werde, dass „auch das Reservoir, aus dem man Seiten- und Quereinsteiger oder pensionierte Lehrkräfte gewinnen konnte, weitgehend erschöpft ist”. Auch Mecklenburg-Vorpommern setzt aktuell auf diese Seiten- und Quereinsteiger.

Kreativer Umgang mit dem fünften Tag

Sachsen-Anhalt will im kommenden Schuljahr an einem Dutzend Schulen ein Modell mit vier Präsenz-Unterrichtstagen pro Woche und einem Tag fürs Distanzlernen oder praktische Tage in Unternehmen erproben. Bei dem „4-plus-1-Modell” sollen die Schülerinnen und Schüler an vier Tagen in den Schulen unterrichtet werden. Mit dem fünften Tag soll dem Sprecher zufolge relativ kreativ umgegangen werden. Digitales Lernen über Apps oder das Moodle-Portal seien ebenso möglich wie Besuche in Unternehmen und Praxislerntage. Das Modellprojekt soll ein Schuljahr lang laufen und dann ausgewertet werden, hieß es.

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