„Polarstern II”

Bau von neuem Polarforschungsschiff liegt auf Eis

Während die „Polarstern” weiter Richtung Nordpol driftet, treten die Pläne für den Bau des Nachfolge-Schiffes seit Jahren auf der Stelle. Die Grünen sehen eine Behinderung der Wissenschaft.
dpa
Die „Polarstern” ist bereits 38 Jahre alt. Der Bau eines Nachfolgers verzögert sich.
Die „Polarstern” ist bereits 38 Jahre alt. Der Bau eines Nachfolgers verzögert sich. Ingo Wagner
Schwerin

Die jahrelangen Verzögerungen beim Bau eines neuen deutschen Forschungsschiffes für Polarregionen behindern nach Ansicht der Grünen die Wissenschaft und kommen den Steuerzahler teuer zu stehen. „Die Verfahren um die Ausschreibung nun wieder von vorne beginnen zu lassen, wirft das Projekt um Jahre zurück. Dies bedeutet weitere Unsicherheiten für Besatzung und Forscher”, monierte die Stralsunder Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller.

Sie hatte die Bundesregierung mehrfach zum Stand der Planungen für das Projekt „Polarstern II” befragt, ohne jedoch konkrete Antworten zu bekommen. „Zu Details des laufenden Verfahrens kann die Bundesregierung aus vergaberechtlichen Gründen keine Angaben machen”, hieß es in einer der Antworten.

Nach den Worten Müllers ist der Ersatzbau für das derzeit am Nordpol eingesetzte Polarforschungsschiff „Polarstern” schon lange geplant. 2010 habe der Wissenschaftsrat den Bau empfohlen. Eine erste Runde zu einem Teilnahmewettbewerb habe es dann 2014 gegeben. Das Ausschreibungsverfahren sei Ende 2015 gestartet, nun aber von der Bundesregierung abgebrochen worden, sagte Müller. Das Bundesforschungsministerium machte dafür rechtliche Gründe geltend. Die langwierige Ausschreibung und unzureichende technische Parameter hatten Medienberichten zufolge auch bei Wissenschaftlern bereits heftige Kritik ausgelöst.

„Polarstern” ist bereits 38 Jahre alt

Unter anderem die Nordic-Yards-Werftengruppe mit Sitz in Wismar hatte sich um den Bau beworben. Das Unternehmen gibt es seit vier Jahren nicht mehr. Der Schiffbaubetrieb gehört seit März 2016 als MV Werften zum malaysischen Genting-Konzern, der dort Kreuzfahrtschiffe bauen lässt, aber auch Interesse am Bau der „Polarstern II” zeigte.

Nach Angaben Müllers waren zunächst etwa 450 Millionen Euro für den Neubau des Forschungsschiffes eingeplant worden. Inzwischen werde mit Kosten von mindestens 650 Millionen Euro kalkuliert. Frühere Pläne von Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek (CDU), noch 2020 mit dem Bau beginnen zu können, seien nun wohl Makulatur. Deren Ministerium hatte im Rahmen der Gesamtschiffsstrategie beschlossen, die „Polarstern”, die vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (Awi) betrieben wird und gegenwärtig eine weltweit beachtete Forschungsreise durch das Polareis zum Nordpol unternimmt, durch ein weit moderneres Folgeschiff zu ersetzen.

„Die „Polarstern” ist bereits 38 Jahre alt und soll nach neuen Planungen noch mindestens weitere 7 Jahre fahren. Das ist für alle Beteiligten nicht zumutbar”, betonte Müller. Sie forderte das Forschungsministerium auf, zügig Klarheit darüber schafft, wann und zu welchen Kosten ein neues Schiff angeschafft wird. „Außerdem benötigen wir dringend eine zentrale Stelle der Bundesregierung, die konsequent für die Beschaffung von Seeschiffen zuständig ist”, mahnte die Grünen-Politikerin.

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