STATT KREUZFAHRTSCHIFFEN

Bauen MV Werften jetzt Rüstungsschiffe?

Dass Staatshilfen bis zu 1,4 Milliarden Euro in die Rettung der MV Werften fließen könnten, hat eine kontroverse Diskussion ausgelöst.
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Laut Jochen Schulte, Wirtschaftsexperte der SPD-Fraktion im Landtag, verfügen die MV Werften auch über Expertiese für den Bau von Konverter-Plattformen. Bernd Wüstneck
Schwerin ·

Es sind gewaltige Summen, die Land und Bund bewegen: Erst schleppten sie die ins Schlingern geratene MV Werften mit Hilfe von 500 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds unter einen staatlichen Rettungsschirm, jetzt sollen Bund und Land für die Finanzierung der „Global 2“, einem riesigen Kreuzfahrtschiff, mit 900 Millionen Euro bürgen.

Mehr zum Thema: Steuerzahler sollen mit 900 Millionen Euro für MV Werften bürgen

„So, wie es die AfD-Fraktion vermutete, hält der Mutterkonzern Genting-Hongkong weiter die Hand für Subventionen aus Staatsmitteln, also Steuergeldern, auf. Druckmittel sind die gefährdeten 3000 Jobs an den Werftenstandorten und 10.000 Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie“, kritisiert Nikolaus Kramer, Fraktionschef der AfD im MV-Landtag.

Kramer ruft die Verantwortlichen in Politik und Werften dazu auf, Denkverbote über Bord zu werfen – und meint damit: „Spezialschiffbau, Offshore-Plattformen, Rüstungsaufträge – was auch immer, es muss über Alternativen zum Bau von Kreuzfahrtschiffen nachgedacht werden.“ Dabei zitiert der AfD-Politiker einen alten CDU-Slogan: „Sozial ist, was Arbeit schafft.“

In der Tat, die Herstellung alternativer Produkte sei für die MV Werften der Rettungsanker, meint auch Jochen Schulte, Wirtschaftsexperte der SPD-Fraktion im Landtag. „Je stärker die Nachfrage nach klimaneutralen Treib- und Brennstoffen, je besser der Ausbau der Windenergie auf See an Fahrt aufnimmt, desto höher wird der Bedarf für Konverter-Plattformen“, sagt Schulte und fordert ebenfalls ein Umdenken: „Die MV-Werften verfügen neben der ausgezeichneten Expertise für den Schiffsbau auch über die für den Bau solcher Plattformen.“ Damit könnte das Unternehmen durchstarten.

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Kommentare (4)

gehören in die Hände des Staates, unter staatliche Kontrolle

Die wirtschaftsliberalen Nationalisten von der AfD wollen lieber unrentabeles Knowhow ins Ausland abstoßen, statt die nationale Autonomie, zur Not mit Gabeln, Töpfen und dem letzten Hemd zu bezahlen.

Das sind sie, die Guten.
Haben sich von den agitierten Twittertrends ins Boxhorn jagen lassen.

Oder auch nicht.

Deutsche Werften sind wie die Lufthansa. Deutschland kann es sich nicht leisten diese Möglichkeit der Infrastrukturprojektierung zu verlieren.

Schiffe, Flugzeuge und Autos als Begriff der Infrastruktur auszulagern ist als Anteilseigner der jeweilgen AG weniger wirtschaftlich essenziell als vielmehr ein Braindrain von Knowhow.

Ist Deutschland eines Tages nichtmehr in der Lage genannte Dinge selbst zu fertigen, was bleibt dann noch übrig außer Außen- und somit auch Innenpolitisch abhängig zu sein.

Wenn Deutschland die Dinger nicht baut, baut sie ein Anderer!