WIE LEGAL WAREN DIE STALL-BILDER?

Bauern-Chef kritisiert Schweine-Beitrag im TV

Dürfen heimlich gedrehte Aufnahmen als Beweis für mutmaßlichen Gesetzesbruch genutzt werden? Um diese Frage dreht sich der Streit über mutmaßlich illegale Ferkeltötungen. Die Staatsanwaltschaft indes ergreift das Heft des Handelns.
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Bauernverbands-Chef Rainer Tietböhl zeigt den Machern des ARD-Beitrags über die Zustände in Schweineställen die Gelbe Karte: Die Aufnahmen seien illegal.
Bauernverbands-Chef Rainer Tietböhl zeigt den Machern des ARD-Beitrags über die Zustände in Schweineställen die Gelbe Karte: Die Aufnahmen seien illegal. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

 Vier Tage nach ihrer Ausstrahlung gewinnt die Diskussion um Aufnahmen einer ARD-Reportage über mutmaßlich illegale Ferkeltötungen in Tierhaltungsbetrieben an Fahrt. Nachdem bereits ein Mitarbeiter des Veterinäramts im Landkreis Nordwestmecklenburg den Machern der Reportage Manipulation vorgeworfen hatte (der Nordkurier berichtete), übt jetzt auch der Präsident des Bauernverbands in Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Tietböhl, Kritik an den Filmemachern.

In einem offenen Brief an die Redakteure des TV-Beitrags kritisiert Tietböhl die Verwendung „illegal entstandener Aufnahmen“. Aus seiner Sicht handele es sich bei dem Filmmaterial um „Aufnahmen von Straftätern, die bei genauer Betrachtung auf eine mehr als fragwürdige Weise zustande gekommen sind.“ Das Vorgehen der Journalisten nannte er „nicht korrekt und tendenziös“. Ausdrücklich bezog er sich dabei auch auf die Aufnahmen, die „angeblich“ im Gut Losten gedreht worden waren.

Adressat seiner Kritik: Mitglieder der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (Ariwa). Diese hatten sich heimlich Zutritt zu mehreren Tierhaltungsbetrieben verschafft, darunter die Anlage Gut Losten bei Wismar. Die dort installierten Kameras zeichneten Bilder auf, die das Töten scheinbar überzähliger Ferkel durch Kopfschlag zeigen.

Regel der Aktivisten: Nur offene Türen nutzen!

Für Ariwa erklärte Sandra Franz: „Den Vorwurf, die Bilder stammten nicht aus Losten, weisen wir entschieden zurück. Die Aufnahmen sind echt und stammen aus den benannten Unternehmen, das können wir beweisen.“ Von den Vorwürfen Tietböhls zeigte sich die Ariwa-Sprecherin wenig überrascht. „Die kommen eigentlich immer, genau wie die falsche Beschuldigung, wir würden in Anlagen einbrechen.“ Feste Regel der Aktivisten sei jedoch, nur „offene Türen“ für die heimliche Installation der Kameras zu nutzen. „Es wird keine Tür aufgebrochen und kein Eigentum beschädigt“, so Sandra Franz.

Abschließend kündigte sie an, das Videomaterial aus Gut Losten der ermittelnden Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stellen. „Dann werden die Mitarbeiter der Anlage unverpixelt zu erkennen sein, auch das beweist Echtheit und Herkunft der Bilder.“

Polizisten durchsuchen Stallanlagen

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gegen den Geschäftsführer der Tierzucht Gut Losten eingeleitet. Bereits am Donnerstag hätten Polizeibeamte die Anlage durchsucht und dabei Beweismittel wie Ferkelkadaver, Mitarbeiterlisten und Arbeitsanweisungen sichergestellt.

Laut Sprecherin Claudia Lange wird dem Geschäftsführer des Unternehmens vorgeworfen, Mitarbeiter zur Tötung von Ferkeln ohne vernünftigen Grund angewiesen zu haben. Der Geschäftsführer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sollten sich die Vorwürfe gegen seine Person bestätigen, drohen ihm allerdings bis zu drei Jahren Haft.

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Kommentare (2)

Diese Vereine,die den Rechtsbruch verinnerlicht haben,führen sich auf,wie die Heilsbringer. Die STA,sollte gegen die Vereine wegen einer Gründung eine kriminellen Vereinigung ermitteln In ihrem Tierschutzwahn,ist ihnen und anderen jedes Mittel,Hauptsache ihre Beitragszahler sind beruhigt .Dafür werde auch massive Rechtsverstöße in Kauf genommen.Diese Vereinigungen,können froh sein,das ich bereits in Pension bin.

hauptasche

MVs Baunernpräsident Tietböhl kritisiert die Verwendung „illegal entstandener Aufnahmen“. Aus seiner Sicht handele es sich bei dem Filmmaterial um „Aufnahmen von Straftätern, die bei genauer Betrachtung auf eine mehr als fragwürdige Weise zustande gekommen sind.“
Die Aufnahmen in ihrer Gesamtheit zeigen aber, dass es sich bei ihnen nicht um Einzelfälle handelt, sondern um Details eines praktizierten Systems, dass im Selbstverständnis der Fleischerzeuger verankert ist. Was spräche also dagegen, die von Herrn Tietböhl versprochene Transparenz der gläsernen Tierproduktion einzufordern. Also her mit dem legalen Bildmaterial der Entsorgung der Überzähligen. Wieviel Filme würden wohl kommen bei einer Rundmail des Bauernverbandes an seine Mitglieder? Daneben gäbe es aber auch die Möglichkeit, beim Tag des offenen Hofes praktische Vorführungen zu zeigen, die helfen könnten, die städtischen Weicheier von der Bauernhof-Romantik zu befreien.