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Bauern froh über Fristverlängerung bei Ferkelkastration

Aus Sicht der Bauern ist es preiswert, für Tierschützer unnötige Quälerei: die betäubungslosen Ferkelkastration. Sie soll nun doch länger erlaubt bleiben.
dpa
In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert.
In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Christoph Schmidt
Neubrandenburg.

Der Landesbauernverband hat die Fristverlängerung für das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration begrüßt. Es gebe nun die Hoffnung, dass es doch noch eine Zukunft für die Schweinehaltung in Deutschland geben kann, sagte Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck. Die Grünen-Landesvorsitzende Claudia Schulz warf der Bundesregierung vor, den Tierschutz für Lobbyinteressen geopfert zu haben.

Die große Koalition in Berlin war zuvor auf die Wünsche aus Landwirtschaft und Fleischindustrie eingegangen. Nun soll eine Initiative auf den Weg gebracht werden, die Übergangsfrist bis zum vollen Verbot um zwei Jahre zu verlängern.

Hohe Kosten als Argument

In diesen zwei Jahren müssten die Forschungsarbeiten und Zulassungsverfahren für eine praktikable, tierschutzgerechte Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration abgeschlossen werden, sagte Kurreck. Nur so könne die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe erhalten werden. Die Agrarwirtschaft hatte zu hohe Kosten als Argument gegen eine Ferkelkastration nur unter Betäubung angeführt.

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. Tierschützer forderten, es beim geplanten Verbotsdatum 1.1.2019 zu belassen, um „Ferkelqual” nicht zu verlängern.

Nach Auffassung von Schulz konterkariert die Bundesregierung den erst am 21. September im Bundesrat gefassten Beschluss, mit dem die Länder mehrheitlich gegen eine Verlängerung der geltenden Regelung gestimmt hatten. „Die Bundesregierung schadet mit ihrem Agieren der Tierhaltung. Notwendige, vom Verbraucher verlangte Veränderungen in der Tierhaltung werden sinnlos blockiert. Die Mehrkosten für den Tierschutz bedeuten umgerechnet auf ein Kilo Fleisch nur drei bis fünf Cent mehr an der Fleischtheke”, erklärte Schulz.

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