NEIN DANKE!

Bauern in MV sauer wegen Erntefest auf Hiddensee

Die Nationalpark-Insel Hiddensee wird das Landeserntedankfest ausrichten. Für Bauernverbände ist dies der falsche Ort.
Carina Göls Carina Göls
Der Leuchtturm von Hiddensee – Mit dem Landeserntedankfest will die Insel auch auf kulturelle Weise heraus stechen.
Der Leuchtturm von Hiddensee – Mit dem Landeserntedankfest will die Insel auch auf kulturelle Weise heraus stechen.
Hiddensee.

Kann man machen, sollte man aber nicht: Geht es um das Landeserntedankfest, kommen Kritiker rasch auf diesen gemeinsamen Nenner. Denn dass Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) ausgerechnet die Insel Hiddensee für die traditionelle Feier auserkoren hat, daran finden vor allem Bauern keinen Gefallen. Erntedank in einer Gegend zu feiern, in dem es zwar viel Landschaft durch den Nationalpark, aber fast nichts zu ernten gebe, das halten sie für verfehltes Ziel dieses Festes.

„Uns ist nicht ganz plausibel, ob das nicht einfach eine Idee für eine saisonverlängernde Maßnahme ist. Und das hätte mit der eigentlichen kirchlichen Tradition und der Landwirtschaft im Mittelpunkt des Geschehens nichts zu tun”, sagte Martin Piehl, Hauptgeschäftsführer des MV-Landesbauernverbandes. Er fürchtet, es auf dem Eiland mit nur zwei Agrarbetrieben auf insgesamt 125 Hektar kaum möglich sei, ein repräsentatives Bild der Landwirtschaft zu zeigen und dass es hinterher heißen könnte: „Thema verfehlt.” Ähnliche Töne hatte der Bauernverband Nordvorpommern angeschlagen. Eine Ferieninsel sei nicht der richtige Ort für so ein Fest.

Für den Bürgermeister der Gemeinde Insel Hiddensee, Thomas Gens, durchaus. Er hat sich für das vom Ministerium ausgeschriebene Fest beworben – „ganz bewusst, um mal was großes Traditionelles zu bieten und die Insel und die Region bekannter zu machen” – und vom Schweriner Agrarministerium den Zuschlag „wegen des besten Konzepts” bekommen. Mit Saison-Verlängerung habe das absolut nichts zu tun.

Mauschelei bei Erntefestvergabe?

„Schon im Vorfeld zu meckern, ist einfach. Wer im Nachhinein etwas sagen möchte, der ist herzlich eingeladen. Aber die Kritik im Vorfeld trifft vor allem diejenigen, sich engagiert an der Vorbereitung beteiligen. Es wird ein tolles Fest werden. Davon bin ich überzeugt”, so Gens gegenüber dem Nordkurier. Eine ganze Festwoche stehe auf dem Programm. Ein Umzug sei beispielsweise geplant.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass Backhaus und Gens die Sache mit dem Erntedank bei dem einem oder anderen gemütlichen Bierchen klargemacht haben könnten. Und auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig solle dort gern „urlauben”. Es habe schließlich weitere Bewerber mit mehr Landwirtschaft gegeben.

Aus Vorpommern und Vorpommern-Rügen gab es mit Hiddensee, Süderholz, Stralsund und Ferdinandshof vier Bewerber. Die Gemeinde Süderholz habe kurz vor der Entscheidung ihre Bewerbung zurückgezogen, heißt es auf Nachfrage aus dem Schweriner Landwirtschaftsministerium. „Grundsätzlich wechselt der Ort im jährlichen Rhythmus zwischen den Landesteilen Mecklenburg und Vorpommern. 2019 ist Vorpommern dran. Auch Stralsund hatte sich beworben, sei aber wegen seines „wenig ländlichen Charakters” nicht gewählt worden.

5000 Gäste zu Landeserntedankfest erwartet

Besonders geprüft werde bei solchen großen Festen die Logistik. Immerhin würden rund 5000 Gäste zum Landeserntedankfest erwartet. „Diese Zahl entspricht annähernd der Zahl an Besuchern, die ohne zusätzlichen logistischen Aufwand zur Insel gelangen. Selbst unter Betrachtung eines stärkeren Besucherverkehrs werden deshalb keine größeren logistischen Probleme gesehen. Zu besonderen Zwecken sind Wassertaxis vorgesehen”, weiß Ministeriumssprecher Keno Heeren. Hiddensee habe zudem sehr zeitig ein Sicherheitskonzept eingereicht. Das auf zwei Tage ausgerichtete Programm der Gemeinde richtet sich insbesondere an Familien.

Im Übrigen könne man in Schwerin die Kritik der Bauernverbände nicht nachvollziehen. Bei so einem Fest gehe es nicht allein um Acker, Traktoren und Milchkühe. Fischwirtschaft und Schafhaltung, wie auf der Insel ausgeprägt, zählten genauso zur Landwirtschaft wie beispielsweise Rohrdachdecker. An Ort und Datum werde nicht gerüttelt.

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Kommentare (1)

Das ist das Ergebnis von unserem Inkompeten Minister Backhaus zurück. Nur er ist so dreist die Bauern so zu verägern. Wo nichts zu Ernten ist braucht man auch kein Erntefest. Zumal das Erntefest ja den Bauern ist. Vielleicht hat ein Bauer ja ein Stiefel übrig der den Arsch des Minister Backhaus endlich nach draußen befördert. Auf Inkompetenz können wir verzichten.