In der NDR-Doku, die weiter in der in der ARD-Mediathek angeschaut werden kann, kommen Landwirte aus dem ganzen Norden zu Wort
In der NDR-Doku, die weiter in der in der ARD-Mediathek angeschaut werden kann, kommen Landwirte aus dem ganzen Norden zu Wort. NK-Montage, Fotos : Bernd Wüstneck, Maurizio Gambarini
Bauernverband-Doku

Bauern legen sich erneut mit dem NDR an

Hat der öffentlich-rechtliche Sender seine Gesprächspartner aus MV über die eigentlichen Absichten einer Dokumentation im Dunkeln gelassen?
Neubrandenburg

Die Wortwahl, der sich Landesbauernpräsident Detlef Kurreck bedient, lässt wenig Platz für Zweideutigkeiten. Das Interview, das der NDR mit ihm geführt habe, sei „erschlichen“, beschreibt der Landwirt seine Gefühlslage. Rund vier Stunden habe ein Team des öffentlich-rechtlichen Senders mit ihm gedreht, sagt er. Vereinbartes Thema sei die Debatte um ein Agrarstrukturgesetz gewesen.

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Also um die Frage, ob der Staat eingreifen sollte, um die Besitzverhältnisse auf dem Land zu sortieren. Doch am Ende seien nur wenige Sequenzen in einer 45-minütigen Doku gesendet worden, die augenscheinlich eine ganz andere Stoßrichtung gehabt habe: „Bauern ohne Lobby – wem dient der Bauernverband?“.

In dem von der Hamburger Zentrale am 18. Oktober 2021 ausgestrahlten Film, der weiter in der in der ARD-Mediathek angeschaut werden kann, kommen Landwirte aus dem ganzen Norden zu Wort, die aus persönlichen Gründen unzufrieden mit dem Bauernverband sind. Es geht um zu niedrige Milchpreise ebenso wie um die Exportorientierung der Landwirtschaft, beides wird auch dem Bauernverband angelastet.

Mit einer Grafik wird gezeigt, wie die landwirtschaftliche Interessenvertretung aufgebaut ist. Deutscher Bauernverband, Landes- und Fachverbände und angeschlossene Verbände werden als große Spinne gezeigt, die mehrmals als gefährliches Tier aus dem Bild kriechen darf.

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„Mit dieser Grafik soll schon eine bestimmte Aussage suggeriert werden“, findet Landwirtin Heike Müller, die ehrenamtliche Vizepräsidentin des Bauernverbandes ist und im Rundfunkrat als dem Gremium sitzt, das Beschwerden zum NDR-Programm entgegen nimmt und bewertet. „Kritik am Bauernverband ist legitim“, sagt sie.

Und nicht der gesamte Beitrag sei daneben, der auch zu Recht auf die Misere der Landwirtschaft aufmerksam mache. Schon im Jahr 2020 hatte der Bauernverband Kritik am Umgang mit Landwirtschaftsthemen beim NDR geübt. Daraufhin wurden Beiträge aus der Mediathek entfernt oder nachträglich im Internet korrigiert.

Heike Müller hat die Beschwerde im November als Mitglied mündlich im Rundfunkrat selbst vortragen können. NDR-Intendant Joachim Knuth habe am 15. Dezember dazu Stellung genommen, teilt der Sender auf Anfrage mit. Der NDR weise die Vorwürfe zurück, so eine Sprecherin. Den beiden interviewten Landwirten Detlef Kurreck und Frank Hartmann aus Mecklenburg-Vorpommern sei das Thema der Dokumentation bekannt gewesen.

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„Diese Antwort befriedigt uns nicht, weil es nicht stimmt“, hält Landwirtin Müller dagegen. Wäre die Absicht des Films offen genannt worden, hätten weder Kurreck noch Hartmann als Gesprächspartner zur Verfügung gestanden. Müller tritt jetzt den langwierigen Gang durch die Instanzen an, der auf jeden Beschwerdeführer gegenüber dem NDR wartet.

Die schriftliche Beschwerde geht an den Rundfunkrat, dort wird das Thema in einem Ausschuss behandelt, der seine Entscheidung dann dem Rundfunkrat wieder vorlegt. „Bis dahin könnte es Sommer werden, dann kann sich sowieso niemand mehr dran erinnern“, so Heike Müller.

Wer sich die Mühe macht, die Beschlussprotokolle des Rundfunkrates zu lesen, dem fällt vor allem ein häufig auftauchender Satz auf. „Die staatsvertraglich festgelegten Programmgrundsätze wurden nicht verletzt“, heißt es regelmäßig. Wie die Beschwerde intern diskutiert und behandelt wurde, kann kein Gebührenzahler nachvollziehen.

Zwar tagt der auch der NDR-Rundfunkrat nach einigem Druck von außen inzwischen öffentlich für Interessenten, die sich vorher anmelden und sich in Hamburg einfinden. Eine mögliche Übertragung per Internet findet nicht statt, obwohl der eigens geänderte Staatsvertrag dazu keine Einschränkungen getroffen hat.

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Kommentare (1)

Der Herr Kurreck muss schon zu seiner Position stehen, die Agrarflächen an meistbietende Spekulanten zu verscherbeln und somit den eigenen Mitgliedsbetrieben die Zukunft zu entziehen.