Bauern und Umweltverbände in Mecklenburg-Vorpommern ziehen erstmals an einem Strang, um die Landwirtschaft auf mehr Natur
Bauern und Umweltverbände in Mecklenburg-Vorpommern ziehen erstmals an einem Strang, um die Landwirtschaft auf mehr Naturschutz auszurichten. Sebastian Kahnert
Seltene Einigkeit

Bauern und Umweltschützer machen plötzlich gemeinsame Sache

Eine Allianz bisher eingeschworener Gegner macht Druck. Sie verlangt von der Landesregierung Klarheit über die ab 2023 geplanten Umwelt- und Klimamaßnahmen auf Feldern und in Ställen.
Neubrandenburg

Bauern und Umweltverbände in Mecklenburg-Vorpommern ziehen erstmals an einem Strang, um die Landwirtschaft auf mehr Naturschutz auszurichten. Hintergrund sind die ab dem kommenden Jahr geplanten freiwilligen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, die für die Landwirtschaftsbetriebe im Nordosten zur Verfügung stehen sollen. Dazu gehörten im letzten Förderzeitraum beispielsweise Blühstreifen oder die naturschutzgerechte Bewirtschaftung von Grünlandflächen.

Auslöser des gemeinsamen Vorstoßes sind den Angaben zufolge die schleppenden Beratungen über die Ausgestaltung der neuen Maßnahmen. Die Bauern fordern jetzt Klarheit, um die Arbeiten planen zu können.

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Bauernverband sowie die Umweltverbände BUND und Nabu sprechen sich für die Förderung des Ökolandbaus, die Flexibilität und Anwendbarkeit von Maßnahmen auch bei Überschwemmungen oder langen Trockenheitsphasen, der Erhalt des Grünlandes, der Schutz des Bodens durch vielfältige Fruchtfolgen und die Förderung extensiver Ackernutzung für den Erhalt der bedrohten Biodiversität aus.

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Dazu sei eine gemeinsame Stellungnahme zur konkreten Ausgestaltung an den Landwirtschaftsminister Till Backhaus gesendet worden. „Dass sich die Verbände trotz vieler thematischer Spannungsfelder zusammenschließen, um gemeinsame Positionen herauszuarbeiten, zeigt, dass es durchaus einige Punkte gibt, bei denen wir uns einig sind”, sagte Falk Ortlieb, Vorsitzender des Nabu Mecklenburg-Vorpommern.

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„Die Politik hat Landwirten versprochen, dass sie perspektivisch mit Umweltleistungen Geld verdienen können. Die Realität sieht anders aus. Landwirte erwarten praktikable, einfach umzusetzende Programme”, sagte Manfred Leberecht, Vizepräsident des Bauernverbandes. Kritisiert wird neben starren Regeln auch eine sich abzeichnende finanzielle Bestrafung von Landwirten.

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„Die Regelungen sind zum Teil so unflexibel, dass selbst umweltfreundliches Verhalten der Landwirte in der Vergangenheit bestraft wurde. Deshalb fordern wir, dass zum Beispiel zeitweise überschwemmte Flächen nicht mehr aus der Förderung genommen werden”, erklärte BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. So werde der immer wichtiger werdende Wasserrückhalt in der Landschaft gestärkt und den Betrieben finanzielle Unterstützung gewährt.

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Mehr als 50 Prozent der Landesfläche werden in Deutschland landwirtschaftlich genutzt, Mecklenburg-Vorpommern liegt dabei über dem Bundesdurchschnitt. Die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern produzierte 2020 auf knapp drei Vierteln des Ackerlandes Getreide, Ölfrüchte und Hülsenfrüchte.

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