Nach Attacken
Bauern wollen Jäger gegen Wölfe schicken

Haben die Wölfe in der Region ihre Scheu vor dem Menschen verloren?
Haben die Wölfe in der Region ihre Scheu vor dem Menschen verloren?
Patrick Pleul/dpa

Hat der Wolf die Scheu verloren? Nach mehreren vermutlichen Wolfsrissen will der Bauernverband nicht auf Gutachten warten, sondern sofort handeln.

Nach mehreren mutmaßlichen Wolfsattacken auf Rinderherden fordert der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern den Einsatz von Jägern. „Hier ist eine Linie überschritten worden”, sagte Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck am Dienstag in Neubrandenburg. Nun müsse gehandelt und nicht erst ein Gutachten eingeholt werden.

Die Bauern beklagen seit Jahren zunehmende Wolfsangriffe auf Schafe, aber nun in kurzer Zeit mehrere Attacken auf Rinderherden. So wurden bei Plöwen in Vorpommern und bei Schlesin (Kreis Ludwigslust-Parchim) die Reste getöteter Rinder gefunden. Auf zwei Weiden bei Plöwen wurden Mutterkuhherden attackiert und zwei junge Kälber gerissen. "Ein Kalb wird auch noch vermisst", sagte Anja Holke von der Ökologischen Landwirte GmbH Plöwen. Bei Schlesin wurde ein etwa 400 Kilogramm schwerer Ochse getötet und halb aufgefressen.

Gutachter des Schweriner Agrarministeriums halten nach Spurensuche die Raubtiere als Angreifer für möglich, da in den Regionen auch größere Wolfsrudel leben. Gen-Proben stehen aber noch aus. Wenn die Rudel wieder Nachwuchs haben - wie gerade in der Lübtheener Heide nachgewiesen - müssen Jungwölfe aus den Vorjahren mitjagen oder sich auch andere Territorien suchen.

Scheu verloren

Die Wölfe hätten Misstrauen und Scheu gegenüber Menschen und Nutzvieh verloren. So werde in Schweden zunächst mit Gummigeschossen und dann auch scharf auf Wölfe geschossen. Die Bauern beklagen Attacken auf Rinderherden bei Plöwen in Vorpommern und bei Schlesin (Kreis Ludwigslust-Parchim). Dabei wurden drei getötete Kälber und Jungrinder gefunden, ein Kalb wird noch vermisst.

Der Wolf gilt trotz seiner Verbreitung in Russland und Polen, von wo die Raubtiere nach Deutschland einwanderten, in der EU noch immer als streng geschützt. Das ist inzwischen politisch aber umstritten, so fordert die AfD etwa eine kontrollierte Bejagung. Der Wolfsbestand hat in den letzten Jahren stark zugenommen. So leben mehrere größere Rudel im Süden Vorpommerns, an der Grenze zu Brandenburg sowie in der Lübtheener und Kalißer Heide im Südwesten Mecklenburgs. Dazu kommen etliche Wolfspaare und Einzelgänger.

Kommentare (2)

Feuer frei und Waidmannsheil.

Es ist irgendwie traurig, wenn solche Aussagen kommen. Ich kann zwar vermuten was gemeint ist, aber die Aussage ist zweideutig. Ich finde es gut, dass sich die Natur ein Stück zurückholt; ich finde es schlecht, wie sich der Mensch über sie erhebt. Die Furcht davor, dass nun bald auch Menschen an- und gefressen werden scheint mir recht weit hergeholt. Aber der Bauernverband hat auch seinen Job: Menschen zu ernähren! Und hier stoßen die Interessen aufeinander. Es gilt doch einfach nur, Interessen und Gegebenheiten gegeneinander abzuwägen. Aber das klappt einfach nicht in Folge eines überzogenen Umgangstones. Vielleicht sollte öfter mal das Lied "Neandertal" von der EAV gespielt werden ...