MINISTER-MEINUNG

Wölfe haben maximale Population für Deutschland erreicht

Wölfe siedeln sich seit Jahren in Deutschland wieder an. Nach zunehmenden Attacken fordern Bauern nun ein Eingreifen - der zuständige Minister sieht die maximale Bestandsgröße erreicht.
dpa
Ein Wolf bei Ramin soll es immer wieder auf eine Schafherde abgesehen haben (Symbolbild).
Ein Wolf bei Ramin soll es immer wieder auf eine Schafherde abgesehen haben (Symbolbild). Bernd Thissen
Pasewalk ·

Die Wölfe in Deutschland haben nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus die angestrebte Population bereits überschritten. "Wir rechnen inzwischen mit mehr als 1000 Wölfen", sagte der SPD-Politiker am Mittwoch beim deutsch-polnischen Bauerntag in Pasewalk. Damit müssten die Raubtiere wie in Schweden, Estland, Russland und Frankreich "bewirtschaftet werden." Die Zahl - Backhaus nannte 62 bis 64 Rudel - entspreche schon einem "guten Erhaltungszustand", sodass der strenge Schutzstatus bei der EU in Brüssel aufgehoben werden sollte.

"Der Bestand nimmt jährlich um 30 Prozent zu", sagte Backhaus. 2016 waren es 47 Rudel und 21 Wolfspaare. Als zuständiger Minister erwarte er vom Bundesumweltministerium ab 16. November bei der Umweltministerkonferenz in Potsdam konkrete Antworten. Es müsse klar sein, was ein guter Erhaltungszustand bei Wölfen ist und wie konkret mit "auffälligen Wölfen" umgegangen wird. In Polen gebe es 62 Wolfsrudel der gleichen Population.

35 tote Schafe bei Ramin

Sollte das nicht passieren, werde er im Dezember im Landtag in Schwerin eigene Pläne einbringen. Backhaus warnte vor rund 150 Teilnehmern aber auch vor zu schnellen Abschussentscheidungen. Umweltverbände könnten wie in Sachsen klagen und sich Gerichte dann damit befassen, was Lösungen enorm verzögern würde.

Der Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern fordert indes Maßnahmen gegen den „Problemwolf” aus der Region Ramin (Kreis Vorpommern-Greifswald). Die bisherige Entscheidung des Schweriner Agrarministeriums, das Raubtier nicht zu fangen oder zu schießen und stattdessen den Zaun des Solarparks zu verstärken, „ist ein Witz”, sagte der Präsident des Verbandes Detlef Kurreck am Dienstag am Rande des Bauerntages in Pasewalk.

Der Wolf soll im Oktober trotz Schutzzaun mindestens neunmal in Solarpark eingedrungen sein und dort 35 von rund 100 Schafen getötet haben, sagte Schafhalter Theo Seiter. „Keine andere Regierung lässt ihre arbeitenden Leute derart hängen”, sagte Seiter, der als erster professioneller Tierhalter im Nordosten einen Antrag auf Abschuss des Problemwolfes gestellt hatte.

Zaun wegen Naturschutz kein geeigneter Wolfsschutz

Er wolle die letzten, enorm verängstigten Schafe aus Ramin abholen. Für eine Zaunerweiterung sei der Besitzer des Parks zuständig. Das könne dauern. Kurreck forderte „ein Signal für die Nutzviehhalter” vom Landesministerium. Das Ministerium hatte den Abschuss des Wolfes verschoben.

Das Problem: Wegen des Naturschutzes durfte der Solarparkbetreiber seinen Zaun nur so bauen, dass unten hindurch noch Igel, Hasen und andere Kleintiere kriechen können. Das hatte sich der Wolf aber zu Nutze gemacht und den Zaun unterwühlt. Das Agrarministerium hat nun aber einer "Entnahme" nicht zugestimmt, erst soll der Zaun mit einem "Untergrabungsschutz" versehen werden.

Das wollen weder Schafhalter noch der Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern akzeptieren. Die Landwirte hätten in diesem eindeutigen Fall endlich ein Signal aus der Politik erwartet, sagte Präsident des Verbandes Detlef Kurreck. Wölfe würden sich so einen "gedeckten Tisch" nicht entgehen lassen.

Der Deutsche Jagdverband hat am Mittwoch die Herangehensweise des amtlichen Naturschutzes beim Thema Wolf als „naiv” kritisiert. Bereits am Dienstag forderten die Schäfer die zukünftige Bundesregierung zum Handeln auf. Weil sich die Wolfsrisse in der Region häufen, zog Anfang November ein erster Schafhalter die Reißleine: Axel Schönhoff in Neu Polzow schafft seine Herde ab.

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Kommentare (2)

Schon klar, dass Herr Backhaus die Interessen der Jäger und Viehzüchter vertritt. Nur wenn er sich beim Artenschutz einmischen möchte vorher bitte richtig informieren. Es gibt keine "Obergrenze" von 1000 Wölfen. Vielmehr gibt es als Untergrenze den "günstigen Erhaltungszustand" und der wurde von der EU mit tausend adulten (fortpflanzungsfähigen) Tieren definiert. Bei 70 Rudeln sind das vielleicht 200 in Deutschland. Also Elterntiere und Paare od. Einteltiere mit eigenem Revier. Und ein geforderter Untergrabschutz ist zB eine stromführende Litze in 20cm Höhe. Welcher Igel passt da nicht untendurch? In unser Facebookgruppe "Schützt die Wölfe" wünschen wir uns naturfreundliche Landwirte und entsprechende Ressortminister.

Der Minister hat recht, die Wölfe müssen in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft bewirtschaftet werden. Wölfe, die sich Menschen, Häusern oder Weidetieren nähern, sollten als Problemwölfe durch Bejagung vergrämt werden. Es gibt ansonsten weltweit keinen wirklichen, langfristig helfenden Schutz für Weidetiere. Die geforderten Zäune helfen nur kurzfristig. Es müssten dann nicht nur alle Weidetiere sondern auch alle Campingplätze, abgelegene Badestrände und Wanderwege für Urlauber entsprechend geschützt werden.