VOLLSPERRUNG

Baustellen auf Rügen treiben Autofahrer zur Weißglut

Auf der Insel Rügen soll die B96 vor Sassnitz bald wieder für mehr als acht Monate wegen Bauarbeiten dicht gemacht werden. Und viele fragen sich: Muss das sein?
Lutz Reuter Lutz Reuter
Die aktuelle Baustellen-Planung auf der Insel Rügen.
Die aktuelle Baustellen-Planung auf der Insel Rügen. NK-Grafik
Sassnitz.

Es brodelt im Norden Rügens. Grund dafür sind die seit Jahren andauernden Straßenbauarbeiten auf der B96, die mit Vollsperrungen einhergehen. Die Ankündigung der nächsten Vollsperrung – dieses Mal für acht Monate – nehmen manche Inselbewohner nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis.

„Der Wahnsinn geht weiter“, sagte etwa Insel-Bewohner Uwe Stahr, als er durch den Nordkurier von den neuesten Plänen des Stralsunder Straßenbauamtes erfuhr. Demnach wird die B96 zwischen der Ortschaft Semper und der Hafenstadt Sassnitz vom 16. September 2019 bis zum 30. Mai 2020 voll gesperrt.

Umwege für Autofahrer

Für Pendler wie Uwe Stahr aus Sassnitz bedeutet diese Sperrung der Hauptverkehrsader vom Norden Rügens in Richtung Insel-Zentrum erneut Umwege, Mehrkosten und ein angespanntes Nervenkostüm. Zwar habe er Verständnis für notwendige Baumaßnahmen, so Uwe Stahr zum Nordkurier. Doch aus seiner Sicht fehlt es im Straßenbauamt an Koordination. „So ein Chaos gab es nicht einmal in der Planwirtschaft“, meint der Sassnitzer.

Denn die angekündigte Sperrung kommt nur drei Monate, nachdem eine andere Vollsperrung der B96 etwa fünf Kilometer entfernt aufgehoben wird. Diese Baumaßnahme hatte unter anderem für Aufsehen gesorgt, da die Kosten für die Sanierung von kaum mehr als 2700 Meter Straße zwischen Strüßendorf nahe der Stadt Bergen und Ralswiek – dem Veranstaltungsort der Störtebeker-Festspiele – extrem ausuferten. Anfänglich wurden 4,32 Millionen Euro veranschlagt, inzwischen rechnen die Behörden mit bis zu 12  Millionen Euro.

Die Ankündigung vom zuständigen Straßenbauamt Stralsund, dass dieser B96-Abschnitt am 14. Juni und damit früher als geplant für den Verkehr freigegeben wird, sorgte für zusätzlichen Zorn. Denn die anvisierte Fertigstellung im Juni 2019 war bereits vor gut einem Jahr verlautbart worden. Restarbeiten mit Teil-Sperrungen seien danach noch möglich, hieß es damals wie heute.

Umleitung über Semper und Sassnitz

Nach Fertigstellung dieser „Riesenbaustelle“ saniere man ab Herbst die Straßen, auf denen wegen der Sperrung zwischen Ralswiek und Bergen zuletzt kaum jemand fahren konnte“, fasst Uwe Stahr zusammen. In Internet-Netzwerken machen einige ähnlich lautende Kommentare die Runde: „Warum kann sowas nicht während der sowieso schon vorhandenen Sperrung erledigt werden?“, fragt etwa ein anderer Rüganer bei Facebook.

„Der Streckenabschnitt zwischen Semper und Sassnitz dient während der Arbeiten zwischen Strüßendorf und Ralswiek als Umleitungsstrecke, unter anderem für die Einwohner von Lietzow“, heißt es dazu aus dem Verkehrsministerium.

Die kommende B96-Vollsperrung gibt Rügens Autofahrern aber noch weitere Rätsel auf. Etwa, warum die Arbeiten nicht bei einer halbseitigen statt bei Vollsperrung durchgeführt werden können. Ralf Sendrowski, Chef des Stralsunder Straßenbauamtes begründet die Vollsperrung mit Vorschriften. Ein anderes Vorgehen sei „aus arbeitsrechtlicher Sicht“ nicht möglich. „Für eine halbseitige Sperrung ist eine Straßenbreite von mindestens 8,70 Meter vorgeschrieben“, erklärt der Amtschef. Der betroffene Abschnitt sei aber schmaler. Diese bundesweit geltende Regel des Arbeitsschutzes sei im Januar 2019 in Kraft getreten.

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Kommentare (1)

Habe oft den Eindruck gewonnen,dass irgend wo in den Amtsstuben,Personen sitzen,die nicht ausgelastet sind und sich Vorschriften ausdenken,die fern der Praxis sind. Warum geht das in anderen Ländern viel schneller ? Diese Länder sind nicht in der EU oder wie Deutschland von Vorschriften umzingelt. Politiker aller Richtungen versprechen doch immer wieder Vorschriften zu entsorgen,dass Gegenteil geschieht,denn es muss das Personal in den jeweiligen Behörden beschäftigt werden.