NACH WINTEREINBRUCH

Bedrückende Bestandsaufnahme im Vogelpark Marlow

Ostern sollte dem Vogelpark Marlow den ersten großen Besucheransturm des Jahres bescheren. Doch das Wetter brachte stattdessen Schnee und Zerstörung. Erst langsam wird die Größe des Schadens erkennbar.
dpa
Die beschädigte Lori-Anlage im Vogelpark Marlow
Die beschädigte Lori-Anlage im Vogelpark Marlow Franziska Zöger-Haase
Die beschädigte Wellensittichanlage im Vogelpark Marlow
Die beschädigte Wellensittichanlage im Vogelpark Marlow Franziska Zöger-Haase
Die beschädigte Pinguinanlage im Vogelpark Marlow.
Die beschädigte Pinguinanlage im Vogelpark Marlow. Franziska Zöger-Haase
Marlow.

Der Vogelpark Marlow gleicht einem Trümmerfeld. Parkdirektor Matthias Haase hatte zu Ostern, dem ersten Saisonhöhepunkt, mit 10.000 Besuchern und klingender Kasse gerechnet. Stattdessen gähnende Leere auf den Pfaden durch das weitläufige Parkgelände – und auch in den Außenvolieren, in denen sich üblicherweise große und kleine Vögel tummeln.

Der heftige Wintereinbruch zu Ostern hat nicht nur die Besucher abgehalten, er hat dem Vogelpark auch ein nicht erwartetes Problem beschert: „Wir müssen nach einer ersten Bestandsaufnahme davon ausgehen, dass 80 bis 90 Prozent unserer begehbaren Außenvolieren zerstört sind”, konstatiert Haase mit brüchiger Stimme. Selbst auf weitmaschigen Netzen hatte sich in der Nacht zum Sonntag der dichte und nasse Schnee aufgetürmt.

Den Lasten hielten weder die Drahtgeflechte stand noch viele der Metallstützen, die einfach umknickten. „Wir waren gewarnt und haben noch bis in die Nacht hinein versucht, die Tiere einzufangen und wieder in ihre Winterquartiere zu bringen. Doch ist uns das nicht bei allen gelungen”, berichtet Haase.

Etwa 80 Vögel aus Park entkommen

Noch liegt das ganze Ausmaß des Schadens unter einer dicken Schneeschicht verborgen. Doch schätzt der Parkgründer die materiellen Folgen auf eine halbe Million Euro. Dazu komme, dass etwa 80 Tiere in der Nacht der Schneekatastrophe durch die defekten Zäune entkamen. Besonders schmerzlich sei der Verlust zweier Schreiadler und des Schwarzstorch-Pärchens, das sich schon auf die Brut vorbereitet habe. „Wir suchen die Umgebung weiter ab, aber von Tag zu Tag sinkt die Aussicht, die Tiere zu finden”, sagt Haase.

Dass knapp die Hälfte der entflohenen etwa 35 Waldrappe inzwischen wieder eingefangen werden konnte, gibt ihm etwas Zuversicht. Die ganze Woche plant Haase für Aufräumarbeiten ein. Für diese Zeit bleibe der Vogelpark geschlossen.

Neben der Sonne, die nach dem Wintergrau der Vortage am Ostermontag wieder über Marlow scheint, hellt auch die vom Land angekündigte Hilfe die Stimmung im Vogelpark etwas auf. „Hier muss gehandelt werden”, sagt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Montagmorgen nach einem Besuch in Marlow.

50.000 Euro Soforthilfe aus Vorpommern-Fonds

Der Park sei Teil der touristischen Infrastruktur und gehöre zu den Aushängeschildern, die auch weit über die Landesgrenzen hinaus wirkten. Sein Ministerium wolle daher die Reparaturarbeiten mit Zuschüssen von bis zu 90 Prozent fördern. „Am Ende profitieren Gäste und Einheimische von einer nachhaltigen touristischen Infrastruktur.”

Bereits am Sonntag hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Susann Wippermann mitgeteilt, dass der Vogelpark auf rasche Hilfe des Landes zählen könne. „Wir können kurzfristig 50.000 Euro aus dem Vorpommern-Fonds für die anstehenden Reparaturen zur Verfügung stellen”, sagte sie und verwies auf Gespräche dazu mit Finanzminister Mathias Brodkorb und dem Parlamentarischen Staatssekretär Patrick Dahlemann (beide SPD).

Dahlemann war am Montag mit Glawe nach Marlow gereist und will sich zusammen mit diesem am Dienstag auch im Wildpark in Güstrow informieren, welche Schäden der Wintereinbruch dort verursachte.

Linksfraktion spendet für Vogelpark Marlow

Auch die oppositionelle Linksfraktion zeigte sich solidarisch und kündigte eine Spende von 500 Euro für die Beseitigung der Schäden in Marlow an. Die Spende werde aus dem Topf genommen, in den die Linke-Abgeordneten ihre Diätenerhöhungen einzahlten, erklärte Fraktionschefin Simone Oldenburg. Sie hoffe, dass der Vogelpark als beliebtes Ausflugsziel möglichst bald seine Pforten wieder öffnen könne.

„Diese Solidarität und diese Unterstützung sind schon beeindruckend. Und sie machen Mut”, sagt Haase. Er hat den Vogelpark initiiert und 1994 miteröffnet. Pro Jahr kommen ihm zufolge etwa 250.000 Besucher. „Wir hoffen, dass wir rasch wieder öffnen können und die Einnahmeausfälle nicht so groß werden”, sagt der Parkchef.

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